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Historie und Gegenwart am neuen Dorfplatz in Eichelsdorf

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An der Stelle des geplanten Wasserspielplatzes: Ortsvorsteher Werner Rau sowie die Ortsbeiräte Julie Fuß und Manuel Christ. Ebenfalls vor Ort sind Thorsten Eberhard und Michael Blum (v. l.). © Frühbis

Der Platz am Bach in der Dorfmitte von Eichelsdorf ist insbesondere bei Kindern und Senioren äußerst beliebt. Der Ortsbeirat will diesen nun aufwerten. Die Ideen sprudeln, die Pläne werden konkret.

Zentral im Ortskern von Eichelsdorf gelegen befindet sich ein kleiner Rastplatz mit Sitzgelegenheit und altem Baumbestand. Das Areal wirkt auf den ersten Blick zwar unscheinbar. Es wartet jedoch mit einer wenig bekannten Historie auf. Jetzt will der Ortsbeirat gemeinsam mit den Eichelsdorfer Bürgern die Örtlichkeit aufwerten und einer breiteren Nutzung zugänglich machen.

Das Areal am Eichelbachufer in der Nähe der Eichelbachbrücke ist sauber und aufgeräumt. Sitzgarnitur und Blumenkübel unter der alten Eiche wirken indessen ein wenig in die Jahre gekommen. »Der Kreuzungsbereich zwischen Eichelstraße und Schlaggasse - genauer gesagt, das kühle Nass des Bachlaufs - ist im Sommer ein echter Kindermagnet«, weiß Julie Fuß vom Ortsbeirat. Auch ältere Mitbürger nutzen bei gutem Wetter die Bänke im Schatten des alten Baumbestandes gerne zum Verweilen.

Günstig gelegen an den Wandertouren

Der Eichelbach - im Oberlauf auch nur »Eichel« genannt - entspringt im Hohen Vogelsberg auf einer Höhe von etwa 720 Metern über NN, wenige Meter unterhalb der Taufsteinhütte. Nach rund 18 Kilometern mündet der Bachlauf in Eichelsdorf als linker Zufluss in die Nidda. Sowohl der Premium-Rundwanderweg »Naturtour Nidda« als auch die Hessischen Radfernwege R4 und »Regionalpark-Niddaroute« führen unmittelbar an dem kleinen Eichelsdorfer Rastplatz vorbei. Weiterhin tangiert der Vogelsberger Vulkanring-Wanderweg den Niddaer Stadtteil.

»Da das Gelände am und im Bachlauf von allen Generationen gerne aufgesucht wird und so viele Rad- und Wanderwege hier entlang verlaufen, kam im Ortsbeirat im vergangenen Frühjahr die Idee auf, das gesamte Gelände als Ortsmittelpunkt auszubauen«, erläutern Ortsvorsteher Werner Rau und Ortsbeirat Manuel Christ die aktuellen Pläne. Eine Steintreppe in der zukünftig etwas erhöhten Bachmauer soll das tiefer liegende Bachbett mit der Sitzplatzebene verbinden. Eine Begradigung und Pflasterung der Sitzplatzebene wird mehr Raum für neue Tische und Bänke schaffen. Fahrrad-Touristen werden Abstellmöglichkeiten und eventuell eine Ladestation für ihre E-Bikes vorfinden. »Auf der Ebene des eigentlichen Eichelbachbettes stellen wir uns ein Kneipp-Becken und einen kindgerechten Wasserspielplatz vor«, skizzieren die Mitglieder des Ortsbeirates ihren Entwurf. Bereits im Jahr 2012 führte die damalige Ortsvorsteherin Patricia Rausch diesbezüglich Gespräche mit dem Wasserverband Nidda. Stufig angeordnete Sitzsteine werden das zukünftige Ensemble ergänzen; der alte Baumbestand soll, so ist geplant, auf alle Fälle erhalten bleiben.

»Natürlich werden wir auch das Thema Hochwasserschutz in die Planung miteinbeziehen«, ergänzt Manuel Christ. Der Entwurf zum zukünftigen Ortsmittelpunkt soll gegebenenfalls notwendige Hochwasserschutzmaßnahmen am Eichelbach nicht beeinträchtigen.

Neben dem Erholungsfaktor wartet der Platz noch mit einer weiteren, weniger bekannten Facette auf. »Das gesamte Areal des Bachlaufes ist von der Eichelbachbrücke bis unterhalb der Bäume denkmalgeschützt«, erklärt Ortsvorsteher Rau. »Lange bevor es hier Brücken gab, existierte an dieser Stelle eine Furt durch den Eichelbach.« Relikte eines Vieh- oder Pferdetrogs finden sich noch heute unterhalb der Bachmauer. »Eine alte Handelsstraße hat das mittelalterliche Eichelsdorf seinerzeit vermutlich berührt«, meint Rau.

Der unter Historikern bekannte Büdinger Kammerdirektor Karl Theodor Christian Müller verzeichnet in seinem Werk »Alte Straßen und Wege in Oberhessen« aus dem Jahre 1928 in der Tat mehrere historische Straßenzüge, die in vergangenen Zeiten durch den heutigen Ort geführt haben könnten (siehe Info-Kasten.) Insofern kam der ehemaligen Eichelbach-Furt möglicherweise eine wichtige Bedeutung zu.

»Die gesamte Historie ist nur wenigen Menschen bekannt«, gibt Rau zu bedenken. »Wir möchten mit entsprechenden Infotafeln auf die Furt und die Geschichte Eichelsdorfs aufmerksam machen. Gleichzeitig wollen wir aber auch die Einwohner des Ortes in die letztendliche Gestaltung und Ideenfindung miteinbinden. Es soll in Summe ein schöner Platz zum Verweilen werden.«

Nun geht es in die Detailplanung

Nach einer grundsätzlichen Zustimmung der verantwortlichen, städtischen Gremien will der Ortsbeirat in die Detailplanung gehen. »Eine genaue Aufstellung der Kosten wird nur in Zusammenarbeit mit Fachfirmen und dem Bauamt der Stadt Nidda möglich sein«, skizziert Manuel Christ das weitere Vorgehen. »Wir werden zum einen Investitionsmittel aus dem Stadtteil-Budget beisteuern.

»Zum anderen«, rechnet Manuel Christ vor, »werden wir im kommenden Frühjahr auch das Thema EU-Leader-Förderung angehen. Zu guter Letzt sehen wir im Rahmen des Ideenwettbewerbs der Stadtteile in dem geplanten Projekt auch einen Beitrag zu der Landesgartenschau 2027.«

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Die Stelle der ehemaligen Furt. Zu erkennen sind die Überreste eines alten Vieh- oder Pferdetrogs. © Steffen Frühbis

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