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Finanzamt Nidda: Die Zeitkapsel ist gefüllt

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Europaministerin Lucia Puttrich, Bürgermeister Thorsten Eberhard, Finanzminister Michael Boddenberg, Investor Daniel Beitlich und LBIH-Direktor Thomas Platte füllen die Zeitkapsel. © Myriam Lenz

Die Lkw brummen unaufhörlich, Erdberge türmen sich. In 15 Monaten soll auf dieser Baustelle in der Ludwigstraße der Neubau stehen. Am Montag war die symbolische Grundsteinlegung.

Mehrere Lkw sind auf dem Gelände in der Ludwigstraße in Nidda zugange. Im Hintergrund steht ein Baugerät, das eine Tiefgründung, also eine Verzahnung mit tieferen Erdschichten durchführt. Es ähnelt ein wenig einer Ölbohrung. An diesem Montag ist Erster Spatenstich und zugleich die symbolische Grundsteinlegung für das neue Finanzamt. Es wird größer, moderner und ökologischer als das jetzige in der Stadtmitte Niddas werden. Das Wichtigste jedoch ist: Die Arbeitsplätze werden damit dezentralisiert, Beschäftigte aus der Region müssen nicht mehr in das Ballungsgebiet pendeln.

Die Redner sprechen gegen den Lärm. Dieser ehemalige Holzlageplatz oder vielmehr das ganze frühere Pfleiderer-Gelände ist in Bewegung. Es ist ein guter Tag für Nidda und auch für die gesamte Region, sagt Thorsten Eberhard, Niddas neuer Bürgermeister. Denn damit kommen die Arbeitsplätze wieder aufs Land. In Hessen sollen insgesamt zwischen 1200 und 1300 Stellen verlagert, in Nidda zusätzlich 60 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Hessens Finanzminister Michael Boddenberg, Europaministerin und frühere Bürgermeisterin von Nidda, Lucia Puttrich, Kreisbeigeordneter Matthias Walther, LBIH-Direktor Thomas Platte, die Vorsteherin des Finanzamts Nidda, Christine Putzo, und Daniel Beitlich, Geschäftsführer der Revikon sind da. Das Unternehmen aus Gießen ist mit zwei Begriffen beschrieben: Revitalisierung von Konversionsflächen. Und das in großem Stil.

Steuerklärungen statt Faserplatten

Beitlich und sein Mitgeschäftsführer Martin Bender haben das ehemalige Industriegelände, auf dem bis 2011 Faserplatten für die Möbelindustrie hergestellt wurden, gekauft und in weiten Teilen weiterentwickelt. Es ist ein Großprojekt unter zahlreichen anderen. Beitlich zeigt sich zuversichtlich, auch wenn die Zeit drängt. »Wir sind mit dem Bau des Finanzamts in eine Zeit hineingerutscht, in der die Baupreise explodieren und sich die Rahmenbedingungen weltweit verändern«, sagt er vor den Gästen, unter ihnen etliche Mitarbeiter der Behörde. Er weist darauf hin, dass das Finanzamt den höchsten ökologischen Standard und unter anderem ein Blockheizkraftwerk erhalte. Umso ärgerlicher sei es, dass eine Bundesförderung für effiziente Gebäude abrupt gestoppt wurde und somit ein siebenstelliger einkalkulierter Betrag fehle.

Auf den knapp 4000 Quadratmetern entsteht ein Gebäude über vier Etagen. Dank einer speziellen Kühldecke wird eine Energieeinsparung von bis zu 30 Prozent gegenüber konventionellen Kühlungssystemen erwartet, alle Leuchten im Gebäude werden mit LED ausgestattet und auf dem Parkplatz sind vier Lademöglichkeiten für E-Fahrzeuge geplant. Der Neubau soll im Herbst 2023 fertig sein.

Als zukünftiger Mieter freue sich das Land Hessen, mit der Revikon einen professionellen und tatkräftigen Investor an seiner Seite zu haben, bringt Boddenberg zum Ausdruck.

Die Konversion mitsamt der Altlastenentsorgung sei bemerkenswert, betont der Minister. Nicht zuletzt, weil im Koalitionsvertrag der spärliche Umgang mit Flächen geschrieben stünde. Mit der Verlagerung der Arbeitsplätze in den ländlichen Raum versuche man auch, die »Spreizung« der Kommunen nicht weiter auseinanderdriften zu lassen. »Die wichtigste Politik, die wir für Frankfurt machen können, ist dass wir uns um die anderen kümmern.«

Thorsten Eberhard zeigte sich dankbar. Nicht nur die Finanzbehörde gestalte ihre Zukunft, sondern auch die Stadt Nidda. Es sei unheimlich wichtig, dass Nidda diese Unterstützung erfahre. Ein ganz entscheidender Punkt sei auch die Wiederbelebung des Geländes.

Anschauen und dann überlegen

Was wird aus dem Gebäude in der Schillerstraße? Der Gedanke, dass die Stadt Nidda die Immobilie dann für Verwaltung, Bibliothek und Jugendzentrum kauft, ist laut Eberhard noch nicht konkretisiert. Natürlich wolle man einen Leerstand in der Kernstadt vermeiden. Zu berücksichtigen seien jedoch der Sanierungsbedarf und die Entwicklung der künftigen Arbeitszeitmodelle, sprich die Vorstellung, wie ein Rathaus in zehn Jahren aussehe. »Wir werden uns das anschauen und damit beschäftigen«, kündigt Eberhard an.

Auf der Baustelle geht es Schlag auf Schlag. Die Schar muss erneut einem abfahrenden Lkw weichen. Die Zeitkapsel mit einer aktuellen Ausgabe des Kreis-Anzeigers, einer Gedenkmünze zur 750-Jahr-Feier Niddas, etwas Kleingeld, einer Tüte mit Erde und einem kleinen Teddybär wird demnächst in das Fundament am künftigen Eingang des Finanzamts versenkt. Sie wird denjenigen, der sie vielleicht in ein paar 100 Jahren wieder entdeckt, an diesen Tag erinnern.

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Die Arbeiten für das neue Finanzamt in der Ludwigstraße sind in vollem Gange. © Myriam Lenz

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