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Erste Priorität hat der Landgrafenteich

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Der Landgrafenteich, hier ein Foto aus dem Sommer 2020, soll saniert werden. © Myriam Lenz

Die Liste der Steuerungsgruppe zur Landesgartenschau umfasst neun Projekte in Nidda. Ein bis zwei werden es in den Architektenwettbewerb schaffen.

Nidda (myl). Der Niddaer Kurort Bad Salzhausen wird mit seinen historischen Parkanlagen zu einem wichtigen Dreh- und Angelpunkt der interkommunalen Landesgartenschau 2027 (LGS). Im Kurpark sollen sogenannte Pflichtelemente, unter anderem Blumen- und Pflanzenschauen, verortet werden.

Auch die priorisierten Projekte der Stadt stehen nun fest: Es sind der Landgrafenteich mit einem Wasserspielplatz, das Besucherzentrum Michelnau, die Gestaltung des Schlangenpfads und ein Salzerlebnishaus im Kurpark stehen auf einer Liste ganz oben.

Während der jüngsten Sitzung des Ausschusses für nachhaltige Stadtentwicklung stellte Pablo Hildebrandt vom Fachgebiet Stadt- und Dorfentwicklung der Stadtverwaltung die Ergebnisse der Lenkungsgruppe im Bürgerhaus vor. Mitglieder der Lenkungsgruppe sind Vertreterinnen und Vertreter der Fraktionen, des städtischen Bauamts, des Amts für Finanzwesen, zentrale Dienste, der Wirtschaftsförderung, des Klimaschutzes und Kulturmanagements. Die Ortsvorsteher sind in einer eigenen Gruppe organisiert.

Eine Auswahl für den Wettbewerb

Die von der Lenkungsgruppe ausgewählten Projekte sind in Kategorien A bis C gegliedert. Die Liste wird nun an den Verein Oberhessen gesendet, der eine Auswahl für einen Architektenwettbewerb bestimmt. Fest steht, dass voraussichtlich nur ein bis zwei größere Projekte einfließen werden. Diese werden dann über die Investförderung von 3,5 Millionen Euro des Landes Hessen verteilt auf die elf Kommunen finanziert.

Was aber nicht bedeutet, dass andere Ideen aus der Förderung herausfallen. Im Gegenteil: »Die Projekte außerhalb der Leuchttürme können dann über andere Fördertöpfe wie zum Beispiel das Leader-Programm finanziert werden«, sagt Martin Guth, Sprecher der Niddaer Lenkungsgruppe, im Gespräch mit dieser Zeitung. Über diesen Weg stünden höhere Beträge in Aussicht, als wenn man die große Summe auf mehrere Projekte splitten würde. Da eine Doppelförderung grundsätzlich ausgeschlossen ist, sei diese Bündelung auf ein bis zwei große Projekte sinnvoll. Alle teilnehmenden Kommunen rutschen in der Prioritätenliste verschiedener Fördertöpfe nach oben. »Das ist der eigentliche, große Benefit der LGS«, ist sich Martin Guth sicher. Um für jedes Vorhaben den geeigneten Fördertopf zu finden, wird beim Verein Oberhessen in absehbarer Zeit ein Förderlotse den Initiatoren helfen.

Unter der Kategorie B der Niddaer Liste sind das Erlebnisufer in Nidda und der Turm am Rabenstein als Ideen aufgezählt. In der C-Kategorie sind die Ortsmitte in Eichelsdorf, die Auenwerkstatt und der Panoramaweg in Fauerbach genannt.

Der Landgrafenteich liegt zentral. Seit Jahren ist das Gewässer im Unteren Kurpark jedoch verschlammt, umgefallene Bäume liegen im Wasser, und der kleine See verkommt zu einem nicht gewollten Biotop. Die Trockenlegung und Sanierung ist durch Munitionsreste auf dem Grund aufwendig und teuer, wurde in den vergangenen Jahren immer wieder verschoben.

Doch mit seiner zentralen Lage birgt der Landgrafenteich für die Schau, in der das Element Wasser schließlich eine große Rolle spielen wird, einen besonderen Reiz. Zudem wird in direkter Nähe das Haus am Landgrafenteich komplett neu gestaltet, Wohnungen und ein Kindergarten entstehen. Die Aufwertung mit einem Wasserspielplatz am Landgrafenteich könnte insbesondere für Familien einen Mehrwert bedeuten. Über die Landesgartenschau besteht nun die Chance auf eine Sanierung. Bedingung ist eine Bestandserhaltung über mehrere Jahre.

Dies gilt auch für das gewünschte Besucherzentrum im Michelnauer Steinbruch, das an zweiter Stelle steht, oder den Schlangenweg. »Der Steinbruch hat überregionale Strahlkraft und ist Anlaufpunkt für generationenübergreifende Gruppen«, begründet Guth. Die unterschiedlichen Ansichten zu dem Standort und der Größe des geplanten Besucherzentrums sollen in direkten Gesprächen und enger Abstimmung mit den Behörden geklärt werden. Die Denkmalbehörden sprachen sich in der Vergangenheit für ein kleineres Besucherzentrum auf der untersten Ebene des Areals aus, während der Verein der Freunde des Steinbruchs das mittlere Plateau und eine größere Variante für sinnvoll hält.

Viele Besucher der Landesgartenschau werden vermutlich mit dem Zug nach Nidda reisen. So könnte der Schlangenweg, eine Verbindung von der Kernstadt nach Bad Salzhausen, mit einem Erlebnisweg mit Schautafeln und Mitmachangeboten in Zusammenarbeit mit den Naturschutzverbänden einen attraktiven Einstieg ins Geschehen bieten. Im Gespräch ist auch, den Bismarckturm mit einzubinden.

Finanzierung durch Patenschaften

Oft war in der Vergangenheit von einem Salzerlebniszentrum die Rede. Nun steht ein Salzerlebnishaus auf dem Programm. Hinter der Trinkkurhalle bestünde in der alten Schlosserei, die aktuell als Abstellplatz genutzt wird, die Möglichkeit dazu.

Spaziert man von Bad Salzhausen durch den Wald berghoch in Richtung Harb, stand dort früher der Turm am Rabenstein. Hier überlegte die Lenkungsgruppe, diesen wiederzuerrichten. »Manche fanden es spannend, andere nicht«, berichtet Martin Guth. Ein Gedanke war zum Beispiel, den Turm als Partizipationsprojekt zu gestalten, das heißt, dass man beispielsweise Teile des Turms über Spenden oder »Stufenpatenschaften« finanziert.

Das Finden geeigneter Flächen für das Pflichtprogramm für die Landesgartenschau sei eine Herausforderung gewesen, berichtet Hildebrandt im Ausschuss. Fünf Flächen waren in der Auswahl, alle werden dem Verein Oberhessen genannt. Darunter eines in Hanglage in Richtung Geiß-Nidda und eines in der Nähe der großen Kliniken. Aus den fünf Flächen wurden zwei, die in einer Skizze mit den Nummer drei und vier gekennzeichnet sind, und in direkter Nähe zueinander liegen, in die nähere Auswahl genommen. Es handelt sich um ein Areal beginnend in der Nähe des Cafés am Park, an der Stahlquelle entlang bis zum Landgrafenteich führend. Dort würde die neu gegründete Betriebs GmbH diese Fläche betreiben, das heißt, an Gartenbauer, die dort ausstellen, verpachten. Jene Anlagen müssen allerdings zum Ende der Schau wieder zurückgebaut werden.

Die Idee der Lenkungsgruppe ist, die Lagerhallen und eine Werkstatt auf dem Gelände des Parkpflegewerks durch einen Neubau zu ersetzen, der dann auch als Indoor-Bereich genutzt wird. »Die Chance wäre, hier etwas Bleibendes zu schaffen. Man könnte dort vielleicht auch im Winter Führungen anbieten«, erklärt Guth. Festgezurrt ist dieses Vorhaben, wie alle andere Ideen, aber noch lange nicht.

C-Projekte der Lenkungsgruppe sind die Ortsmitte in Eichelsdorf, eine Auenwerkstatt mit einem grünen Klassenzimmer rund um die Nidda und ein Panorama-Wanderweg in Fauerbach.

Die gesammelten Ideen der elf Kommunen werden vom Verein Oberhessen ausgewählt, an ein Büro gegeben, das den Architektenwettbewerb bundesweit ausschreibt.

Vorschläge fallen nicht hinten runter

Es seien noch mehrere Vorschläge eingegangen, die nicht hinten runterfallen, sondern nur nicht in den Architektenwettbewerb einfließen werden, versichert Hildebrandt und nennt als Beispiel die Grüne Oase in der Beundestraße.

Wenn klar ist, welche Projekte über das offizielle Budget der Landesgartenschau umgesetzt werden sollen, wird im Ausschuss letztlich über die Umsetzung entschieden. Über die weiteren Projekten wird zu einer anderen Zeit beraten.

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