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Erfolg der Niddaer Aktionen trotz Baumfrevel

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Das war wohl Absicht: ein junger, abgesägter Baum in Kohden. © Elfriede Maresch

Mit den Kampagnen »Nidda pflanzt Zukunft« und »Nidda blüht auf« traf die Stadt auf eine breite Resonanz und konnte mit den Bürgern zahlreiche Blühflächen und Baumpflanzungen umsetzen.

Vor zwei Jahren, als die Großgemeinde Nidda ihr Jubiläum groß feiern wollte, gewann die damalige Erste Stadträtin Adelheid Spruck zahlreiche Beteiligte für die Aktionen »Nidda blüht auf« und »Nidda pflanzt Zukunft«: zuerst den Magistrat und den Arbeitskreis Stadtjubiläum, dann auch Vereine sowie Bürgerinnen und Bürger. Es ging um mehr Blühflächen und Lebensräume in der Stadt, es ging um Ersatz für Gehölze, die unter den drei Trockensommern 2018, 2019 und 2020 gelitten hatten oder abgestorben waren.

Die Aktivitäten, die damals in Gang kamen, haben sich weit zukunftsträchtiger erwiesen als ursprünglich gedacht. Bei der Landesgartenschau 2027 setzen die elf oberhessischen teilnehmenden Kommunen bewusst auf begrünte Ortsbilder, auf kleine innerörtliche Erholungs- und Lebensräume. Wie weit haben die beiden Aktionen im Jubiläumsjahr zu einem »grüneren Nidda« geführt, wie weit waren sie Schritte in Richtung Landesgartenschau?

Große Bereitschaft für Baumspenden

Mit der Pflanzung von Gehölzen konnte ja erst im Herbst 2020 begonnen werden. Die Spendenbereitschaft war erfreulich groß, 110 junge Bäume und Büsche im Wert von 11 000 Euro konnten bestellt werden.

Birgit Herbst, Umwelt- und Klimaschutzbeauftragte der Stadt, begleitete die Aktion naturschutzfachlich und achtete bei der Planung auf besondere Eigenschaften. Die Gehölze sollten ökologische Funktionen erfüllen. So wurde zum Beispiel der Schmetterlingsflieder als Nahrungspflanze für Falter gewählt. Die Kätzchen von Weidenarten wurden als Bienenweide im kahlen Vorfrühling eingeplant, Kornelkirsche und Hartriegel mit ihren Beeren als herbstliche Speisekammer für Vögel und kleine Nagetiere.

Auf der Wunschliste standen darüber hinaus empfehlenswerte einheimische Gehölzarten, die als trockenheits- und straßenklimaresistent bekannt waren. Birgit Herbst achtete darauf, dass geeignete Standorte für die Neupflanzungen gefunden wurden.

Trotz aller fachkundigen Planung waren die Startbedingungen schwierig, die trockenen Sommer hatten deutliche Spuren hinterlassen. Mitglieder des Ortsbeirats und mehrerer Vereine wollten in Bad Salzhausen am Rande des Kurparks junge Birken setzen. Mühsam wurden Pflanzgruben ausgehoben. Noch in anderthalb Metern Tiefe war der Boden knochentrocken. Um den jungen Bäumen überhaupt Wachstumschancen zu geben, holte Ortsvorsteher Hans Joachim Schwarz mit Helfern große Kanister voll Wasser für die Pflanzgruben herbei.

Aktive in Wallernhausen, Stornfels, Ulfa, Borsdorf, Eichelsdorf, Kohden und der Kernstadt machten beim Pflanzen ähnliche Erfahrungen.

Und jetzt, ein Jahr später? »Der regenreiche Sommer 2021 hat den jungen Gehölzen gutgetan, sie sind deutlich gewachsen. Außerdem wurden Bewässerungssäcke auf den Baumscheiben ausgelegt. Gerade in den ersten drei Wachstumsjahren brauchen Gehölze kontinuierlich ausreichende Feuchtigkeit, das war damit gesichert«, betont Birgit Herbst.

Allerdings gibt es zwei unschöne Vorfälle. In der Ortsmitte Kohdens wurde an der Böschung ein Baum gepflanzt. Im Sommer 2021 war er schon gewachsen und stand erfreulich belaubt da. Bürger fühlten sich gestört und verlangten eine Entfernung. Die Stadtverwaltung lehnte das ab, weil der Standort ausdrücklich mit Blick auf die Beschattung der Bushaltestelle gewählt worden war. Kürzlich wurde der Baum mit offensichtlich mit Absicht angeschlagen und dann abgebrochen. Noch ein zweiter Fall von absichtlicher Beschädigung eines Baumes wurde bekannt. »Sollte es aus der Bevölkerung konkrete Hinweise zu solchem Baumfrevel geben, könnte man dies rechtlich verfolgen und Ersatz von dem Schädiger verlangen«, ist aus der Stadtverwaltung zu hören. Denn die Rechtslage ist klar: »Straßenbäume sind von den Anliegern zu dulden, da sie öffentlicher Besitz sind und Bedeutung für Kleinklima und Tierwelt haben«, erläutert Birgit Herbst. »Die Kommunen sind zwar für die Wegesicherung verantwortlich und müssen darauf achten, dass die Nutzung der Privatgrundstücke nicht beeinträchtigt ist.«

Klagen der Bürger über den Fall von Laub oder Früchten, über Beschattung ihrer Grundstücke habe es in der Vergangenheit gelegentlich gegeben, regelrechten Baumfrevel mit mutwilliger Beschädigung der Bäume aber selten. Eher würden Bürger es manchmal bedauern, wenn ein alter Baum nicht mehr standsicher ist und gefällt werden muss: »Hättet Ihr den nicht retten können?«, heißt es dann oft.

Bürger gießen, jäten und pflanzen

Bei der Aktion »Nidda pflanzt Zukunft« sind es eher schon länger Engagierte, die Staudenbeete und Rabatten pflegen, wie in der Kernstadt am Erkerweg, in Geiß-Nidda an der »Buchhaltestelle« oder am Aufgang zur Kirche, in Eichelsdorf auf dem neu bepflanzten Grundstück am Niddaufer oder in Ulfa am Ehrenmal. Zur Entwicklung der »Grünen Oase Beundestraße« im Ortskern hat sich eine Gruppe von Anwohnern zusammengefunden.

Ein Hingucker am Ortsende von Ober-Schmitten ist der schön angelegte Hang mit Rosenbäumchen und Kletterrosen. In Wallernhausen ist eine ganze Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern den Sommer über mit Gießen, Jäten, Nachpflanzen beschäftigt (der KA berichtete). Jüngere, die sich bei solchen Aufgaben einbringen, sind sehr willkommen.

Wenn Bürger ihren privaten Garten naturnäher gestalten wollen, berät die Klima- und Umweltberaterin gern. Nidda sei bereits jetzt die »Großgemeinde mit den 10 000 Bäumen«, ist von der Umweltbeauftragten Birgit Herbst zu erfahren. Vielleicht bis 2027 auch die »Stadt mit den wunderbar bunten Gärten?«

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