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Ein Hinkelstein in Ulfa

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Geheimnisvolle Geräusche im Hinkelstein? Hühnergackern oder Babygeschrei wie in Unter-Widdersheim? Der neunjährige Luca Stahnke hört genau hin... © Elfriede Maresch

Hinkelsteine gibt es nicht nur in den Comics über Asterix und Obelix, sondern auch in der Wetterau. Das jüngste Exemplar steht in Ulfa - dank einer Initiative des Heimat- und Geschichtsvereins.

Ulfa (em). Hinkelsteine gibt es nicht nur in den Comics über Asterix und Obelix, sondern auch in der Wetterau. Der »Kräppelstein« in Trais-Münzenberg, der »Kindstein« von Unter-Widdersheim oder der »Dicke Stein« von Eichelsdorf sind zwar weniger bekannt und auch kleiner als die geheimnisvollen Steinsetzungen in der Bretagne oder im südenglischen Stonehenge, aber ebenso ein Zeugnis für eine sehr frühe Besiedelung.

Jetzt wird durch eine Initiative des Heimat- und Geschichtsvereins Ulfa wieder an den verschwundenen Menhir, den »Hoinjer-Stoa«, erinnert. Das Forstamt Schotten hat einen Basaltblock zur Verfügung gestellt, Aktive und Freunde des Heimatvereins haben ehrenamtlich die Aufstellung übernommen, die Stadt Nidda hat die Materialkosten bezahlt. Damit ist für Wanderungen auf die Steinkaute oder am Baumlehrpfad ein weiterer Blickpunkt hinzugekommen.

Stumme Zeugen und Spekulationen

Günter Stahnke, Vorsitzender des Heimatvereins, hat vor der Ausführung des Projekts viele historische Information zusammengetragen. Die wichtigsten Punkte wurden auf einer Tafel am Stein festgehalten. So sind sich hessische Vorgeschichtsforscher einig, dass die Menhire nicht am Ort vorhandene Felsen waren, sondern mit einfachsten Hilfsmitteln bearbeitet, über größere Strecken herbeigeschafft und dann aufgestellt wurden.

Dr. Vera Rupp, einst Kreisarchäologin und jetzt Leiterin der Keltenwelt am Glauberg, schrieb in ihrer »Archäologischen Zeitreise durch Wetterau und Vogelsberg«: »Von allen jungsteinzeitlichen Epochen hat die Megalithkultur des vierten Jahrtausends vor Christus die großartigsten Steindenkmäler hinterlassen.« Sie nennt das Großsteingrab »Heiliger Stein« bei Muschenheim, zählt andere Wetterauer Menhire auf und spricht von »stummen Zeugen jener Zeit«.

Zeitlich genau einzuordnen sind die Wetterauer Hinkelsteine nicht, um ihre Standorte herum konnten keine vorgeschichtlichen Funde wie etwa Keramikscherben entdeckt werden, die dabei geholfen hätten. So ist auch offen, warum es zu solchen Steinsetzungen kam. Zeiger astronomischer Uhren, Opfersteine, Mittelpunkt von Versammlungs- oder auch Gerichtsorten - alle Deutungen bleiben spekulativ. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden viele Menhire gesprengt, weil sie der Landwirtschaft im Wege standen.

Günter Stahnke berichtet: »Schon vor einigen Jahren stieß der Heimat- und Geschichtsverein Ulfa bei seinen Nachforschungen auf eine Ortssage um einen solchen Hinkelstein und fand einen Bericht von Professor Dieffenbach, erschienen 1846 im Archiv für Hessische Geschichte.« Darin heißt es: »Ferner erhebt sich nordwestlich von Ulfa auf dem Wege nach Stornfels senkrecht ein etwa 5 Fuß hoher Stein. Er wird im gemeinen Leben der Hinkelstein (Hoinjersta’n) genannt und hieß wohl früher ›Hünenstein‹. Er scheint durch Menschenhände, nicht durch die Natur aufgerichtet, und da sich in seiner Nähe noch einige Steine und Felsen befinden [...], so ist es wahrscheinlich, dass er nicht in der Ferne geholt wurde. Sonst ist er nicht bearbeitet; auch existiert weiter keine Sage von ihm, als dass es des Nachts in seiner Nähe nicht ganz geheuer sein soll und die Kinder sich erzählen, es säßen in demselben Hühner (Hinkel). Dennoch erscheint er mir von Bedeutung und auf uralten Gottesdienst oder eine alte Gerichtsstätte zu deuten.«

Zweite Erwähnung

Eine zweite Erwähnung des Hinkelsteins findet sich in einem Bericht von Lehrer Karl Heinz Basenau aus der Kreis-Anzeiger-Beilage »Heimat im Bild« (1960): »Nicht weit vom Radberg ist heute noch der ›Hoinjerstan‹ zu sehen, der etwa 2 m hoch von Menschenhand errichtet wurde.«

Der Heimat- und Geschichtsverein Ulfa hat nun die Erinnerung an den Ulfaer Menhir wieder aufleben lassen. Da sich der genaue alte Standort anhand der Beschreibung nicht bestimmen lässt, wurde der Hinkelstein in Absprache mit der Stadt am Weg zur früheren Gänsweide, dem heutigen Baumlehrpfad, auf dem Gelände vor dem Schützenhaus platziert. Auf diesem alten Weg kommt man mit einem kleinen Umweg auch nach Stornfels.

Günter Stahnke und Friedel Wenzel transportierten den Basaltblock mit einem Kranwagen nach Ulfa. Armin Woditschka setzte den Stein mit einem Bagger, anschließend betonierten Karl-Heinz Schneider, Friedel Wenzel sowie Steffen und Günter Stahnke ihn standfest ein. Schließlich sorgten Aaron Bipp und Günter Stahnke für einen metallenen Schriftzug »Hinkelstein« auf der einen Seite und eine Schrifttafel mit Erläuterungen auf der anderen.

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