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(K)ein Deal für Arbnor Raci aus Nidda

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In der »Höhle der Löwen« präsentieren (v. l.) David Biller, Arbnor Raci, Florian Dyballs und Boas Bamberger »Aivy«. Das ist eine spielbasierte Karriere-App, mit der sie den Bewerbungsprozess optimieren wollen. © pv

Der ehemalige THM-Student Arbnor Raci aus Nidda ist nach Berlin gezogen, um eine App zur Berufsfindung zu entwickeln. Diese hat er mit den anderen Gründern des Start-ups »Aivy« in der »Höhle der Löwen« vorgestellt.

Sie haben einen Deal. Zumindest vor der Kamera. Gestern Abend wurde die neuste Folge der elften Staffel der Vox-Sendung die »Höhle der Löwen« ausgestrahlt. Mit dabei die Präsentation der vier »Aivy«-Gründer David Biller, Arbnor Raci, Florian Dyballa und Boas Bamberger. Mit ihrer App möchten sie die Berufsfindung optimieren. »Unsere Vision ist eine Arbeitswelt, in der es um den Menschen hinter dem Lebenslauf geht.« Die App haben die vier erfolgreich vor den »Löwen« Carsten Maschmeyer, Dagmar Wöhrl, Ralf Dümmel, Nils Glagau und Judith Williams präsentiert.

450 000 Euro von den »Löwen«

Am Ende sollte es dann doch nicht sein. Der angestrebte Deal, ein Investment von 450 000 Euro seitens der »Löwen« gegen zehn Prozent der Firmenanteile von »Aivy« war letztlich doch nicht zustande gekommen.

Doch Informatiker Arbnor Raci, der heute in Berlin lebt, und seine drei Kollegen und Mitbegründer des Start-Ups - der Wirtschaftspsychologe Florian Dyballa, der Psychologe Boas Bamberger und der Medieninformatiker David Biller - lassen sich nicht entmutigen. Ganz im Gegenteil. Es habe am Ende trotz erfolgversprechender Vorverhandlungen einfach nicht gepasst, ist aus ihren Reihen zu hören. Und »Passung« sei nun einmal das erklärte Ziel sowohl des jungen Unternehmens als auch der Karriere-App.

»Mit der spielebasierten App »Aivy« soll jeder auf individuelle Weise seine Fähigkeiten und Talente entdecken können«, sagt Arbnor Raci, der vor drei Jahren unmittelbar nach seinem Abschluss an der Technischen Hochschule Mittelhessen in die Hauptstadt gezogen ist, um die Vision von »Aivy« Wirklichkeit werden zu lassen. Durch das Spielen von wissenschaftlich fundierten, psychologischen Challenges werden bei der Nutzung der App Potenziale sichtbar, die man sich anschließend als individuelles Stärkenprofil ausdrucken oder der Bewerbung auch digital beifügen kann. »Die Spiele sind unterteilt in die Bereiche Interessen, Persönlichkeit und Fähigkeiten. Ein Minispiel dauert jeweils zwei bis drei Minuten und ist deutlich zeitsparender als herkömmliche Testverfahren wie zum Beispiel langwierige Fragebögen«, sagt Raci. Die Unternehmen könnten wiederum »Aivy« innerhalb weniger Minuten auf ihrer Karrierewebsite und in ihren Auswahlprozess integrieren, so dass sie bereits mit der Bewerbung objektive Informationen über die Stärken potenzieller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen. So soll auch die Chancengleichheit gefördert werden, denn Angaben wie Alter, Geschlecht oder Herkunft rücken in den Hintergrund.

»Unsere Vision ist eine Arbeitswelt, in der es um den Menschen hinter dem Lebenslauf geht«, fasst Raci zusammen. Individuelle Stärken sollten bei der Personalbeschaffung im Mittelpunkt stehen, »denn sie haben die stärkste Vorhersagekraft für Arbeitserfolg und -zufriedenheit. Wenn wir das umsetzen, landet jedes Talent an der passenden Stelle und kann sich entfalten«. Gleichzeitig entstehe durch die erhöhte Objektivität soziale Nachhaltigkeit, wodurch Unternehmen wiederum erfolgreiche diverse Teams zusammenstellen könnten, »um gemeinsam die Herausforderungen unserer Zeit anzugehen«.

Meilensteine und Stolpersteine

An diesen Zielen wird das Quartett festhalten, trotz der Tatsache, »dass in langen Verhandlungen aus guten Anfängen und geplanten Meilensteinen, vor allem mit den Investoren Carsten Maschmeyer und Dagmar Wöhrl, »Stolpersteine« geworden seien, stellen die »Aivy«-Gründer fest. Das Publikum habe in der gestrigen Ausstrahlung nur den üblichen Pitch, das heißt die Möglichkeit zur Darstellung des Unternehmens, der Geschäftsidee und der Vision, von gerade einmal 20 Minuten gesehen. Dabei habe es zwei Anläufe gebraucht, um überhaupt in die Vorauswahl zur »Höhle der Löwen« zu gelangen. Als Team sei man einen ganzen Tag lang vor Ort gewesen, der Pitch selbst habe zwei Stunden gedauert.

Arbnor Raci kennt Phasen der Orientierungslosigkeit aus der Zeit seiner eigenen Berufsfindung am Wohnort Nidda, wo seine Eltern bis heute leben. »Alle vier Wochen bin ich in meiner alten Heimat«, sagt er. »Wir wollen ›Aivy‹ flächendeckend implentieren, wir haben bereits namhafte Unternehmen im Boot und möchten mit weiteren Pilotschulen direkt in der Berufsberatung zusammenarbeiten. Auf eine solche Kooperation hoffen wir auch mit der Berufsschule in Nidda.«

Der geplatzte Deal mit den »Löwen« ist für ihn kein Rückschlag: »In der Gründungsphase lernt man zuversichtlich zu sein, auch wenn die Dinge gerade unsicher sind. Wir sind ein gutes Team, wir vier Gründer haben uns über Social Media und über unsere Hochschulen zusammengefunden und ich bereue es nicht, nach Berlin gegangen zu sein, um unsere Vision wahr zu machen.« Das Team von »Aivy« umfasst inzwischen knapp zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die verschiedene Lebensläufe und Bildungshintergründe verkörpern und so genau jene Weite und Diversität abbildeten, die sie mithilfe ihrer App auch für andere Unternehmen und die gesamte Arbeitswelt erreichen wollten.

»Wir haben ›Die Höhle der Löwen‹ schon lange mit großem Interesse verfolgt«, sagt Arbnor Raci. »Da unsere Mission, individuelle Stärken in den Fokus der Arbeitswelt zu stellen, die breite Öffentlichkeit betrifft, war die Show für uns eine super Chance, diese auch zu erreichen und unsere Bekanntheit zu steigern.« Und die Präsentation »in der ›Höhle der Löwen‹ behalten wir einfach als cooles Erlebnis in Erinnerung«. INGE SCHNEIDER

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