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Eberhard gewinnt den ersten Durchgang

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Thomas Eckhardt (l.) verfolgt vor dem SPD-Büro in Nidda die einlaufenden Ergebnisse. Der Einzelbewerber, der von den Sozialdemokraten unterstützt wird, hat es in die Stichwahl geschafft. © Petra Ihm-Fahle

Thorsten Eberhard (CDU) geht mit einem deutlichen Vorsprung in die Entscheidung für die Bürgermeisterstichwahl in Nidda. In zwei Wochen wird er gegen Thomas Eckhardt antreten.

Thorsten Eberhard (CDU) geht als klarer Favorit in die Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Nidda. Im ersten Wahlgang erhielt er 45,54 Prozent der Stimmen. Er wird in zwei Wochen gegen den Einzelbewerber Thomas Eckhardt antreten. Eckhardt holt 28,41 Prozent, während Susanne Repp von der Bürger-Liste mit 26,05 Prozent deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt. Eines haben alle drei Kandidaten gemeinsam: Sie erreichen nur mickrige 43,11 Prozent der knapp 14 000 Wahlberechtigten. Bereits um 18.49 Uhr sind alle Schnellmeldungen im Rathaus eingelaufen.

Schon zu Beginn der Auszählung zeichnet sich ein ruhiger Abend für die mehr als 180 ehrenamtlichen und hauptamtlichen Kräfte ab. »Wir hofften auf die 50 Prozent Wahlbeteiligung, insbesondere wenn man bedenkt, dass in den sozialen Medien so viel Werbung gemacht wurde«, sagt Wahlleiter Uwe Bonarius.

Bei der Wahl von Bürgermeister Seum 2015 sind es 40,74 Prozent, allerdings haben die Niddaer keine Auswahl. Seum tritt damals ohne Gegenkandidaten an.

Das Ergebnis für Thorsten Eberhard ist eindeutig. Der 46-Jährige holt in elf von 18 Stadtteilen die meisten Stimmen. Sein Heimatdorf wird zur Eberhard-Bastion, dort wählen 81,51 Prozent den Bankfachwirt. Auch in Ober-Lais, Bad Salzhausen, Geiß-Nidda, Michelnau, Ober- und Unter-Schmitten schenkt eine deutliche Mehrheit Eberhard das Vertrauen. »Mir geht es sehr, sehr gut. Es ist ein super Ergebnis. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es so deutlich ist, das ist der Wahnsinn.« Gerät man an Eberhards Mailbox schallt Tim Bendzkos »Hoch« ins Ohr. Mit diesem Lied feuert er sich beim Marathonlaufen selbst an. »Das ist jetzt wie Kilometer 40. Es geht in den Endspurt, wir geben nochmals Vollgas.«

Thomas Eckhardt will konkretisieren

Freitag ist Eberhard noch in Geiß-Nidda, am Samstag sind er und seine Unterstützer auf dem Marktplatz unterwegs. Von der Müdigkeit nach einem halbjährigen Wahlkampf ist am Sonntagabend nicht zu spüren. Im Hof der Familie Eberhard treffen sich etliche Freunde und Helfer. Kinder springen herum, es gibt Blumen, Laternen und Lichterketten schmücken den Hof, CDU-Kreisvorsitzende Lucia Puttrich lobt Eberhard, feixt, dass er sich freuen sollte, dass er nicht gleich auf Anhieb die Wahl gewonnen habe, da Wahlkampf ja Spaß mache.

Am heutigen Montag wird das Team zusammenkommen, die Ergebnisse analysieren und eine Strategie für die nächsten Tage ausloten. Dabei setzt Eberhard auf Social Media, Pressearbeit, Flyer, Telefonanrufe. »Corona macht das nicht einfacher, den Haustürwahlkampf möchte ich nicht favorisieren. Ich denke, man muss schon Respekt vor Corona und den Ängsten der Bürger haben. Wir greifen dort an, wo es gilt.«

Ein paar Kilometer weiter, in der Kernstadt, flackert ein Lagerfeuer am Wilhelm-Eckhardt-Platz vorm SPD-Bürgerbüro. Ein Laptop steht im Freien auf einer Bierzeltgarnitur, mit Spannung verfolgen die Sozialdemokraten den Verlauf der Wahlergebnisse. Thomas Eckhardt sichert sich in vier Stadtteilen, unter anderem in der Kernstadt, die Stimmenmehrheit. Nicht mit rauschenden Ergebnissen, aber mit souveränem Abstand zu seinen Mitkonkurrenten. Die besten Resultate fährt der Energieexperte in der Kernstadt mit 44,27 Prozent ein und in Wallernhausen, wo es um ein Nahwärmenetz geht, erhält er sogar 44,28 Prozent. In Kohden und ebenso in Ober-Widdersheim liegt er vorn, bekommt jedoch in Eichelsdorf (7,03 Prozent) oder in Michelnau mit etwas über zehn Prozent keinen Fuß in die Tür.

Auch Eckhardt ist am Samstag nochmals in der Stadt unterwegs, die Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl begleitet ihn, vier junge Leute wandeln als Plakatträger in Sandwichmanier für den Sozialdemokraten durch die Straßen. »In der Kernstadt bin ich bekannt, die Leute vertrauen mir. Das Etappenziel haben wir erreicht, jetzt werden wir nochmals Gas geben.« Eckhardt will mit seiner Kompetenz und Erfahrung punkten. Die Zeit der Lippenbekenntnisse sei vorbei. Es seien sehr viele Themen nachgesprochen worden, kritisiert der 62-Jährige. In den kommenden zwei Wochen gelte es, die eigenen Ideen und Meinungen herauszustellen, die Unterschiede zu konkretisieren. »Es war kein Nachteil, dass ich kein SPD-Kandidat war«, resümiert er.

Noch am Sonntagnachmittag ist Susanne Repp äußerst zuversichtlich, erzählt von dem Besuch des Handballspiels am Vorabend, von dem sie begeistert zurückkam, zeigt sich siegesgewiss, spricht davon, dass sie den Sieg im ersten Wahlgang einfahren werde. Woher kommt diese Zuversicht? »Ich habe an 3500 Haustüren geklingelt, für die Leute ist der persönliche Kontakt das A und O.«

Vermutlich keine Wahlempfehlung

Wahlentscheidend ist es auf jeden Fall nicht. Die 54-Jährige erreicht 26,05 Prozent und liegt damit noch über zwei Prozent hinter Eckhardt. In drei Stadtteilen, Stornfels (57,89 Prozent), Fauerbach und Schwickartshausen hat sie die Nase vorn, die anderen Ergebnisse sind mäßig. »Ich bin schon enttäuscht, trage das alles mit Fassung. Ich hätte schon gedacht, dass es eher zu meinen Gunsten ausgeht.« In Ober- und Unter-Schmitten sind es sehr wenige Wähler, die für sie stimmen. Das, so vermutet sie, könnte noch mit der Diskussion über die Straßenbeiträge zusammenhängen. Für die Stichwahl werde es, wenn es nach ihr geht, keine Wahlempfehlung der Bürger-Liste für einen Kandidaten geben. Inwieweit sie ihre politische Arbeit so intensiv fortsetzen werde, wisse sie nicht. »Es gibt auch ein Leben außerhalb der Kommunalpolitik.«

Die Stichwahl ist am Sonntag, 30. Januar. Dann entscheidet sich, wer die Nachfolge von Hans-Peter Seum antritt.

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Susanne Repp © Petra Ihm-Fahle
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Gute Stimmung: Thorsten Eberhard und seine Frau Tamara zusammen mit CDU-Kreisvorsitzender Lucia Puttrich und dem Niddaer Unionsvorsitzenden Matthias Walther. Eberhard hat am Sonntag mit knapp 46 Prozent der Stimmen das beste Ergebnis der drei Kandidaten bei der Bürgermeisterwahl erzielt. © Petra Ihm-Fahle

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