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Ausstellung: Wenn Metall zu leben beginnt

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Lampenreihe »Kett«, Beistelltisch »Zeit« und Sessel »Raum« - ein Blick in Johanna Gubers Ausstellung. © Elfriede Maresch

2022 war ein gutes Jahr für die 25-jährige Johanna Guber aus Geiß-Nidda. Das Studium ist beendet, ihre Arbeit wurde prämiert. Die Metallbildnerin stellt Werke in Bad Salzhausen aus.

Die Metallbildnerin Johanna Guber aus Geiß-Nidda zeigt in der Galerie »Art Inside« in Bad Salzhausen bis Ende Dezember einige ihrer Arbeiten. Am Sonntag, 4. Dezember, ist die Galerie ab 13 geöffnet, um 16 Uhr ist die offizielle Vernissage. Axel Wilisch, Mitbegründer des Vereins Kunst-Projekt und Mitinhaber der Galerie, gibt eine Einführung in Gubers Arbeiten.

Wie sieht die junge Frau selbst ihre Aufgabe? »Das Spannende am Produkt-Design ist es, dass man nicht vollkommen frei gestalten kann. Auf die Materialeigenschaften muss ebenso Rücksicht genommen werden wie auf die Funktion, die der neu geschaffene Gegenstand haben soll. Von der Idee bis zum greifbaren, benutzbaren Produkt ist ein Weg des Konkretisierens, des Ausprobierens und Verfeinerns zu gehen. Am Ende soll der künftige Nutzer daran Gefallen finden.«

Der Sessel heißt Raum, der Tisch Zeit

So zieht in der Galerie eine Sitzecke die Blicke auf sich. Genauer gesagt ist es der Sessel »Raum« und der variable Beistelltisch »Zeit«, an der Wand darüber die Lampen »Kett«. Das Stahlstreben-Gestell des Sessels geht in die Breite, bietet einen großzügigen Raum, sich anzulehnen, weckt das Gefühl, willkommen zu sein. Gurtband statt Polster: Das Geflecht in sattem Dunkelrot wirkt leicht, fast fragil, wirft ein Schattenmuster an die Wand dahinter und gibt doch Halt. »Zeit« war die vorgegebene Idee für den variablen Beistelltisch. Guber formte den Corpus aus abgekantetem Stahlblech, sich nach unten verjüngend und zugleich auf zwei Seiten geöffnet. Die achteckigen, wabenförmigen Tischplatten der beiden Einzelelemente sind daran befestigt. Einen Teil der Oberflächen hat Guber verrosten lassen und dann mit klarem Lack überzogen - eine Assoziation zum Begriff »Zeit«. Taktil und optisch ein Plus: Die Fläche fühlt sich angenehm an, ist abwischbar, hinterlässt keine Rostspuren. Die satte Farbe zwischen Rot und Braun korrespondiert ein wenig mit dem Dunkelrot der Sesselbespannung. Die Wandlampenreihe »Kett« lässt sich tatsächlich beliebig erweitern, ähnelt einer Lichterkette. Die Oberfläche der Leuchten ist hellgrundig, diskret farbig marmoriert. Geheimnis dieses Materials: Guber verschmolz Deckel von PET-Flaschen, formte sie zu kreisrunden Flächen, die sie in schmale Rahmen fasste. »Lichtvolles Upcycling«: Altmaterial hat einen neuen Zweck gefunden. Bewusst sind die Kabel sichtbar, betonen den Gedanken der Kette.

Produktdesign mit Upcycling

Bei der Namengebung ist die Freude der Designerin am fertigen Produkt spürbar. »Kerlchen« hat sie die kleinen Tischlampen genannt. Auch hier ist die Abdeckung der LED-Leuchtquellen auf dieselbe Weise im Upcycling entstanden wie bei den »Kett«-Lampen, die farbigen Einsprengsel geben dem Licht eine sanfte Tönung, schaffen sozusagen »Feierabendlicht«. Die scheinbar so zarten Beine aus Messingstreben können durch eine bewegliche Befestigung am Leuchtkörper die Lampe in beliebige Drehungen und Neigungen bringen.

Die Garderobe heißt mit gutem Grund »Circle«. Blickpunkt sind die markanten Aufhänge-Kreise an drei Stelen in einer Bodenschiene. Die Stelen sind nur gesteckt, können verschoben oder mit weiteren ergänzt werden. Die Garderobe ist demontierbar. Guber hat sich von der Funktion von Kleiderbügeln inspirieren lassen.

Schließlich gibt es noch die Lampe »DIN«, die aus einer vorgegebenen Metallmenge mit möglichst wenig Abfall hergestellt werden sollte. Guber formte und verschweißte einen sich spiralig nach unten verjüngenden Schirm, in dessen Fuß das Leuchtmittel sitzt. So entsteht indirektes Licht nach oben, ein Schlagschattenbild aber auf der Standfläche. Und auch Figuren von »Simo« stehen auf einem Tischchen, locken zum Berühren und Hantieren, wollen durch angenehme taktile Sinnesreize zur Entspannung und Konzentration beitragen.

Johanna Guber freut sich über den Dialog mit interessierten Betrachtern, ihre Kontaktdaten sind im Schaufenster genannt.

Wie geht es beruflich für sie weiter? »Jetzt möchte ich gern im alltäglichen Arbeitsleben eines Designers Erfahrungen sammeln« meint sie.

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