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Altes Kino als Reallabor für Coworking Spaces

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Im Alten Kino in Nidda soll sich etwas tun. Die Stadt will in dem Fachwerkgebäude die Möglichkeit eines Coworking Space ausprobieren. © Petra Ihm-Fahle

Die Stadt strebt eine circa dreimonatige Testphase an, gefördert durch das Land, um eine Neunutzung und Sanierung des Gebäudes anzuregen. Am Dienstagabendentscheidet das Parlament.

Das Alte Kino liegt an der Ecke Schiller- und Bahnhofstraße in der Niddaer Kernstadt. Die Zeiten, in denen Cineasten an diesem Ort Popcorn aßen, Limonade tranken und bei den Abenteuern der Leinwand-Helden mitfieberten, sind vorbei. Im alten Kino ist es still geworden. Es ist ein stattlicher Fachwerkbau, allerdings bestehen Sanierungsbedarf und der Wunsch nach einer Nachnutzung.

An dieser Stelle könnte ein neues Förderprogramm des Landes ins Spiel kommen, das sich »Zukunft Innenstadt« nennt. Am Dienstagabend soll die Stadtverordnetenversammlung über die Teilnahme Niddas daran entscheiden (28. Juni, ab 20 Uhr im Bürgerhaus Geiß-Nidda). Das Ziel ist, dort einen Co-Working-Space und eine interkulturelle Begegnungsstätte als mögliche Nutzungen auszuprobieren.

Das Gebäude liegt im Fördergebiet

»Mit dem Alten Kino befindet sich die Stadt im ISEK-Gebiet und dem Programm ›Lebendige Zentren Schillerstraße", erläutert Pablo Hildebrandt, der städtische Fachdienstleiter für die Bauverwaltung. ISEK, das Integrierte Stadtentwicklungsprogramm, bietet die Möglichkeiten für Privatpersonen, ihre Liegenschaften aufzuwerten und Fördermittel erhalten zu können. Durch ISEK wurde der Blick auf de alten Filmtempel gelenkt. Die Planer fragten sich, wie man dieses Gebäude revitalisieren und eine Nachnutzung finden könnte. Aktuell ist im Erdgeschoss eine Kaffeerösterei angesiedelt. Für den Eigentümer, den die Liebe zur alten Architektur treibe, sei das Haus ein Herzensprojekt.

Wie Hildebrandt schildert, gibt es in dem Gebäude einen großen Ballsaal. »In früheren Zeiten gab es dort auch mal einen Schankraum, der zu einer Wirtschaft gehörte.« Seinen Worten zufolge bat die Stadt bei der Wirtschaftsförderung des Wetteraukreises um Rat. Von dort kam der Hinweis auf das Programm »Zukunft Innenstadt«, das die Probezeit sponsern würde und welches die Kommune in Sachen Kino nun nutzen will.

Das Homeoffice außer Haus

Ziel ist laut Hildebrandt, ein »Reallabor« zu schaffen, in dem sich etwa drei Monate lang ausprobieren lässt, ob ein Coworking Space in Nidda funktionieren könnte. Durch das Förderprogramm kann die Stadt diese Probephase finanzieren. »Am Ende, wenn es erfolgreich war, dann muss weiter überlegt werden, wie sich diese Community organisiert und ob sie die Flächen anmietet. Wir unterstützen durch das ›Reallabor‹ beziehungsweise die ›Pop-up-Coworking Space‹. Dann geben wir es als Stadt wieder ab. Und wie sich der Coworking Space entwickelt, ist dann privatrechtlich«, erläutert Hildebrandt. Nach diesem ersten Schritt könne das Kino auch saniert werden.

Viele Stränge liefen seinen Worten zufolge dabei zusammen. So hatten Vertreter der Stadt und der Wirtschaftsförderung des Wetteraukreises zufällig an einer Veranstaltung zum Co-Working auf dem Land teilgenommen. Nidda ist laut Hildebrandt eine Pendlerstadt nach Frankfurt, »es gibt viele Leute, die täglich dorthin fahren«, sagt er. Zu Hause zu arbeiten habe durch die Pandemie eine höhere Akzeptanz erfahren. »Das Problem ist nur, dass viele Leute zu Hause keinen Büroraum haben. Dann sitzt man am Küchentisch, dann kommen die Kinder aus der Kita und es kann schwierig sein, effektiv zu arbeiten«, stellt er fest.

Zu 90 Prozent vom Land gefördert

Der Coworking Space ermögliche, aus dem Haus herauszukommen, aber trotzdem in derselben Stadt zu bleiben. Für viele ländliche Kommunen sei ein Coworking Space daher attraktiv. »Es ist auch im Sinne einer nachhaltigen Mobilität sinnvoll, es ausprobieren.«

100 000 Euro koste die Pop-up-Phase. »Das bekommen wir zu 90 Prozent vom Land Hessen gefördert. Damit kann man es ausprobieren.«

Was in dem zweistöckigen Gebäude in der Bahnhofstraße außerdem noch möglich ist, sei noch offen. Denkbar wäre auch eine interkulturelle Begegnungsstätte.

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