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Peter Pätzold umgibt sich auf seinem Hof in Himbach mit »schönen Dingen«

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cwo_ASLkunst_250422_4c © Andrea Schinzel

Sein erlernter Beruf entwickelte sich für den Himbacher Peter Pätzold schließlich zu einem Hobby, dem er mit Leidenschaft nachgeht - die Arbeit mit Holz. Nun zeigt er seine Arbeiten auf seinem Hof.

S ie heißen »Zwei Seelen«, »Strömung« und »Besucher« oder auch »Traum«, »Ansichtssache« und »Nadelöhr«. Die Objekte, die der Himbacher Peter Pätzold aus heimischen Hölzern fertigt, bekommen alle einen Namen. Dennoch möchte er dem Betrachter seiner Skulpturen genug Raum für die eigene Fantasie lassen. »Jeder soll selbst entscheiden, was er sieht und empfindet, wenn er meine Werke betrachtet.« Und deshalb sind an seinen Skulpturen auch keine Bezeichnungen zu sehen. Am Samstag, 30. April, von 14 Uhr bis 19 Uhr, und Sonntag, 1. Mai, von 11 Uhr bis 18 Uhr, sind die Tore in der Hofanlage in Himbach, Taunusstraße 30, für Besucher geöffnet.

In der Ausstellung präsentiert Pätzold seine Werke und steht Gästen auch gerne Rede und Antwort. Ausgestellt werden außerdem Fotografien von Katrin Köster, die sich zuletzt der Food-Fotografie widmete und auch Pätzolds Werke ins richtige Licht rückt.

Lebensunterhalt durch Imkerei

Der gelernte Tischler Peter Pätzold lebt seit 1985 eigentlich von der Bio-Imkerei. Bis zu 100 Bienenvölker, die im Vogelsberg in einem Naturschutzgebiet Honig produzieren, nannte er sein Eigen. Mittlerweile sind es etwas weniger. Vor allem die Witterung hat den Bestand dezimiert, den er jetzt wieder etwas aufstockt. Doch ganz so viele sollen es nicht mehr werden. Immerhin beschäftigt ihn das Honig machen, bei dem ihn seine Frau Andrea unterstützt, intensiv vom Frühjahr bis spät in den Herbst. Die Sanierung der großen Hofreite in Himbach, in der er seit Mitte der 90er Jahre lebt, ließ ihm ebenfalls wenig Raum für das, was er gerne macht, das Arbeiten mit Holz. Seine Ideen konnte er zwar auch in den Umbau der großen Gebäude stecken, aber der künstlerische Aspekt ließ ihn nie los: »Ich habe schon immer den Hang gehabt, schöne Dinge zu sammeln«. Und wenn auch zeitlich begrenzt, widmete er sich weiterhin seinem Hobby.

Es wurden immer mehr Objekte. Und seinen Vorrat an Holz stockte er immer weiter auf. In den großen Nebengebäuden der Hofreite lagert Holz von Eiche, Buche, Kirsche und Pflaume in jeglicher Form. Er holt es sich aus den Wäldern der Umgebung, natürlich alles regelkonform. Wenn Pätzold loses Holz, einen umgesägten Baum oder Äste im Wald entdeckt, die für ihn interessant sind, kontaktiert er die zuständigen Behörden oder Fachleute, ob er das Holz haben kann, dass er natürlich auch bezahlt. Inzwischen liegen Wurzeln, Äste oder bereits geschnittene Stämme in seinem Lager sortiert und gestapelt bereit, um zu einem Kunstwerk zu werden oder vielleicht auch einem handlichen Gebrauchsgegenstand. »Das ist die Idee meiner Frau. Sie meinte, ich soll auch mal was für den täglichen Bedarf machen oder was für die Wand.« Denn nicht jeder könne sich große Skulpturen in die Wohnung stellen.

Also macht Pätzold inzwischen auch Tische, Wandbilder und sogar Servierbrettchen. Diese Dinge für den täglichen Bedarf tragen aber seine Handschrift, sind eigenwillig geformt, kleine Abstelltische nur wenige Zentimeter hoch, und jedes Stück ein Unikat. »Holz ist so verschieden«, erklärt er. Wenn er mit einem Stück beginnt, hat er eine gewisse Vorstellung, was daraus entstehen soll. »Ich lasse mich aber dann von Form und Wuchs leiten, gebe mich der Sache hin, verschmelze mit dem Prozess.« Mit Kieseln oder Altmetall verleiht er dem einen oder anderen Objekt einen besonderen Ausdruck, ebenso wie durch Schleifen, Glätten oder Ölen. »Ich bin manchmal überrascht, was bei meiner Arbeit entstanden ist.«

Sein Atelier, oder vielmehr die Werkstatt, ist ebenfalls in einem der Nebengebäude untergebracht. Dort sind sämtliche Werkzeuge nach ihrer Funktion sortiert. Ob Kettensäge oder Meißel für die filigranen Arbeiten. Sogar ein kleines Sägewerk hat er sich selbst gebaut, um Stämme so zuzuschneiden, wie er sie braucht. Eine der ältesten Maschinen, mit denen er arbeitet, ist von 1902.

Dass er in so einem großen Hofgebäude leben kann, kommt ihm angesichts des umfangreichen Hobbys gelegen. Eine Auswahl seiner Holzobjekte stellte er im Oktober 2020 in der Remisengalerie im Schloss Philippsruhe in Hanau aus, bevor der Corona-Lockdown wieder verordnet wurde. Pätzold freut sich jedenfalls schon auf die Ausstellung in und auf seinem Hofgelände, auf die Gespräche mit den Besuchern, ihre Meinungen zu hören und neue Kontakte zu knüpfen.

Katrin Köster zeigt eine Werksauswahl

Katrin Köster, die dann ebenfalls einige Fotos ausstellen wird, beschreibt ihren künstlerischen Werdegang in einer Mitteilung als einen Weg, der viele Stationen berührt. Die Beschäftigung mit Malerei und Zeichnung erfahre im Studium an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach eine prägende Erweiterung in Richtung Film und Fotografie. Freie künstlerische Arbeit, aber auch der Broterwerb im Filmbereich als Cutterin, Trickkamerafrau und in verschiedenen anderen Bereichen schließe sich an das Studium an. Die Malerei finde wieder einen Weg in ihr Werk. Mittlerweile nutze sie verschiedenen Medien für ihre Werke. Beobachten und Erzählen sei das Wesen ihrer Arbeiten, teilte sie mit.

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cwo_ASLkunst1_250422_4c © Andrea Schinzel
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cwo_ASLkunst2_250422_4c © Andrea Schinzel

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