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Limeshainer präsentiert Ausstellung wunderbarer Melodien

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cwo_MUebruecknercd1_220922_4c © pv

Angelehnt an Modest Mussorgskys Klavierzyklus »Bilder einer Ausstellung« hat der Limeshainer Kirchenmusiker Christoph Brückner eine neue CD herausgebracht.

M an kennt und schätzt ihn in der Region als vielseitigen »Orgelmann« - so seine eigene Berufsbezeichnung - der sich in Kirchen der Wetterau durch einfühlsame Gottesdienstbegleitung und temperamentvolle, genreübergreifende Konzerte einen Namen gemacht hat: Nach »Magic Pipes« legt Christoph Brückner jetzt sein zweites Album vor. Diese Zeitung sprach mit dem Kirchenmusiker, der sich für die Produktion der CD »Melodies at an Exhibition« nicht an die Orgel, sondern ans Klavier und die Hammond-Orgel setzte.

Der Titel Ihres zweiten Albums erinnert an Modest Mussorgskys Klavierzyklus »Bilder einer Ausstellung« aus dem Jahr 1874. Dies ist sicher kein Zufall?

Tatsächlich ist »Bilder einer Ausstellung« eine wichtige Inspirationsquelle für mein zweites Album und verrät viel über den Aufbau der CD »Melodies at an Exhibition«. Es ging mir darum, Klavier und Hammond-Orgel eine besondere Vielfalt an Klängen und Improvisationen zu entlocken. Die Vorlagen sind dabei denkbar unterschiedlich: Altes steht gleichberechtigt neben Neuem, Bekanntes trifft Unbekanntes, Originales mischt sich mit Originellem. Neben klassischen Strukturen, Themen und Zitaten gibt es Ausflüge in die nicht weniger spannenden Klangwelten von Evergreen, Gospel und Spiritual. Auf die Hörer wartet ein ebenso faszinierender wie entspannter Gang durch eine Ausstellung wunderbarer Melodien und Improvisationen, die keine Epochen- und Genregrenzen kennt und Bögen vom Kirchenliedern zum Beethoven-Werk sowie Songs von Bob Dylan und Pete Seeger spannt.

Was den »Gang« durch diese musikalische Ausstellung angeht, so findet sich wie bei Mussorgsky eine wiederkehrende »Promenade«, welche die einzelnen Stationen miteinander verbindet. Handelt es sich dabei um eine Eigenkomposition?

Richtig. Dieses Ragtime-Klavierthema mit dem Rhythmus »off beat« stammt aus meiner Feder und war mir wichtig als wiederkehrendes und verbindendes Moment.

Über welchen Zeitraum hinweg ist die CD entstanden und an welchen Instrumenten spielen Sie?

Die CD ist in der »Zwangspause« während Corona und Co. entstanden. Die Instrumente für die Aufnahme hat mir Martin Janneck vermittelt, der bereits mein erstes Album aufnahm. Es waren ein Digital-Piano von Korg und für die Hammond-Sounds ein Instrument von Roland, gespielt über einen Neo-Instruments-Ventilator für den zu Hammonorgel gehörenden Leslie (Rotations-Lautsprecher). Für die Aufnahme zeichnete Martin Janneck in bewährter Art und Weise verantwortlich.

Was inspiriert Sie zu Ihrer genreübergreifenden Kunst, die Sie seit vielen Jahren in der Region darbieten, und welche Resonanz erfahren Sie vom Publikum?

Meine Inspirationsquellen sind der Anspruch und die Erkenntnis, auch die Lebenserfahrung, dass Musik Brücken baut über Raum und Zeit hinweg sowie zwischen Menschen. Somit ist es kaum verwunderlich, dass die Resonanz auf meine Crossover- oder auch Publikums-Konzerte genannten Veranstaltungen sehr positiv ausfällt. Gerne kommen Zuhörer, um neben Klassik auch Ungewöhnliches, Anderes, Neues kennenzulernen. Bei manchen Konzerten gesellt sich zudem eine besondere Art von Dankbarkeit und Herzlichkeit hinzu, zum Beispiel wenn es sich um Benefizevents für den Erhalt wertvoller Orgeln handelt.

Haben Sie bei all dieser Vielfalt Lieblingskomponisten oder -instrumente?

Meine favorisierten Komponisten variieren nach persönlicher Stimmung, dem gespielten Instrument und der Atmosphäre des Ortes. 2022 haben mich zudem gleich drei Meister aus Anlass ihrer Jubiläen verstärkt beschäftigt, und zwar Heinrich Schütz (350. Todestag), Cesar Franck (200. Geburtstag) und Johann Adam Reincken (300. Todestag). Ähnlich vielschichtig lässt sich die Frage nach dem Lieblingsinstrument beantworten: An der Orgel ist deutlich mehr Körpereinsatz, allein schon durch die Pedal-Fußarbeit, gefordert. Hinzu kommt die Registrierungskunst, und es gilt, die Besonderheiten der oft gigantischen Instrumente zu suchen, zu finden und dann optimal auszuloten. Oft entsteht Faszination durch Raumklang und Nachklang. Doch die CD »Melodies at an Exhibition« ist eben nicht im Passauer Dom entstanden! Bei Klavier, Flügel, Digital-Piano und Co. habe ich wesentlich mehr Tastenumfang - eine dynamische, filigrane Erweiterung. Fazit: Ich schätze beide Typen der Tasteninstrumente auf ihre Art und mit ihren Möglichkeiten.

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Christoph Brückner legt mit »Melodies at an Exhibition« seine zweite eigene CD vor. © Ingeborg Schneider

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