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» Den Limeshainer Naturschützern sind die Streuobstwiesen zu aufgeräumt

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Von: red Redaktion

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Eine Streuobstwiese wie diese bei Himbach ist ein Biotop. Damit Tiere sich dort wohlfühlen, gilt beim »Aufräumen« die Prämisse: Weniger ist mehr, so die NABU-Gruppe Limeshain. © pv

Weil die auf altbewährte Art bewirtschafteten Streuobstwiesen weniger werden, finden auch die in ihnen lebenden Vogelarten immer weniger Lebensraum, fürchtet die Nabu-Gruppe.

Limeshain (red). »Mit Sorge beobachte ich, wie die Streuobstwiesen in Limeshain in der letzten Zeit immer aufgeräumter werden und sogar jetzt während der Brut- und Setzzeit Bäume massiv zurückgeschnitten werden«, sagt Monika Ditter, Vorsitzende der NABU-Gruppe Limeshain. Alles müsse »ordentlich und aufgeräumt« sein, selbst die Streuobstwiesen. »Man entfernt überall wertvollen und wichtigen Naturraum und sät andernorts Blühstreifen aus, statt natürlich gewachsene Lebensräume, kleine Biotope, die im Sinne des Naturschutzes viel wertvoller sind, einfach einmal unaufgeräumt zu lassen«, kritisiert sie. Ob sich die Steinkäuze und anderen Höhlenbrüter wie Gartenrotschwanz, Grün-, Grau- und Mittelspecht in derart aufgeräumtem Lebensraum weiterhin wohlfühlen, werde sich zeigen.

Denn für ihre Brut benötigen Höhlenbrüter, wie der Name schon sagt, Baumhöhlen alter hochstämmiger Bäume. Die Spechte zimmern ihre Höhlen selbst. Sie bevorzugen totes, morsches Holz, das sie in alten Bäumen, die man als Habitat-Bäume unbedingt stehen lassen sollte, finden. Andere Arten ziehen dann in die verlassenen Höhlen der Spechte ein. Auch durch Fäulnisprozesse können Baumhöhlen entstehen, zum Beispiel wenn ein Ast abgebrochen ist und die Feuchtigkeit ins Holz eindringt. Diese sind aber nicht so beliebt bei den Vögeln, da sie nicht so geräumig und trocken sind wie die von Spechten angefertigten Höhlen. Etwa fünf bis zehn Prozent aller abgängigen Bäume reichen aus, damit Höhlenbrüter genug Wohnraum auf der Streuobstwiese finden.

Schlaraffenland im Holzhaufen

In Hainchen und Himbach sowie vereinzelt in Rommelhausen gibt es noch viele Streuobstwiesen, die jetzt im April erblühen. Sie sind der Lebensraum für eine Vielzahl von Vogelarten. »2020 wurden bei einer Überprüfung der Steinkauzröhren auf den Obstwiesen in Himbach insgesamt fünf Jungvögel beringt. In einer Brutröhre befand sind ein bereits beringter Altvogel. Bei zwei Bruten befanden sich noch die Eier als Gelege in der Röhre«, berichtet Egon Siebert aus dem Vorstand der NABU-Gruppe Limeshain.

»Damit genügend Habitat-Bäume auf der Wiese zur Verfügung stehen, sollte die Altersstruktur der Obstbäume ausgeglichen sein. Hierbei sollte der größte Anteil (etwa 75 bis 80 Prozent) der Streuobstbäume im ertragsfähigen Alter sein, ein kleiner Anteil von rund 15 Prozent noch jung und fünf bis zehn Prozent alt. Wenn die alten Obstbäume absterben, müssen regelmäßig neue nachgepflanzt werden, ohne aber die alten Bäume komplett von der Wiese zu entfernen«, erklärt Siebert.

Außer den Baumhöhlen brauchen die Vögel auf der Streuobstwiese aber auch Totholz. Dort leben Insekten, die den Vögeln als Nahrung dienen. Deshalb sollte man beim Baumschnitt immer einen Teil der abgestorbenen Äste in der Krone belassen.

»Unter der groben Rinde lebt eine Vielzahl von Insekten, die die Vögel als Nahrung nutzen. In Hecken und Gebüschen, in Mauerritzen oder in Holzhaufen auf und in der Umgebung der Streuobstwiese versteckt sich ein kleines Schlaraffenland an Käfern, Raupen und anderen Krabbeltieren für die Vögel«, so Siebert weiter.

Deswegen dürfe der Totholzhaufen auf keiner Streuobstwiese fehlen. Wer die geschnittenen Äste und Zweige auf seiner Wiese als Totholzhaufen oder Benjeshecke anlege, habe noch dazu den Vorteil, dass er sich um die Entsorgung des Schnittgutes keine Gedanken mehr machen müsse. »Das Schnittgut an Ort und Stelle zu verbrennen, ist leider heute noch vielerorts üblich. Auch diese Variante der Entsorgung sollte man unbedingt überdenken, denn hierbei wird das in vielerlei Hinsicht wertvolle Holz einfach nur achtlos vernichtet«, so die Limeshainer Naturschützer in ihrer Pressemitteilung.

Auch die Wiesenpflege sei für die Vögel von Bedeutung. »Genügend Insekten zum Jagen gibt es, wo blütenreiche Wiesen wachsen. Daher sind Streuobstwiesen unbedingt extensiv zu bewirtschaften. Das heißt, es sollte nur zweimal im Jahr gemäht werden, sodass sich die Wiesenpflanzen entwickeln und blühen können«, sagt die Vorsitzende. Zu bevorzugen sei eine angepasste Streifenmahd. Dabei wird nicht gleich alles abgemäht, sondern Blühstreifen stehen gelassen. Dadurch finden Insekten das ganze Jahr über Nektar auf der Streuobstwiese und die Vögel freuen sich über das üppige Nahrungsangebot.

Immer weniger Lebensraum

Von einem erhöhten Punkt aus im niedrigen oder unregelmäßig hohen Gras des Unterwuchses erspähen sie Schmetterlinge, Käfer und Wanzen. Ameisenpuppen sind die Leibspeise von Grau- und Grünspecht. »Da die auf altbewährte Art bewirtschafteten Streuobstwiesen aber immer weniger werden, finden auch die in ihnen lebenden Vogelarten immer weniger Lebensraum«, meint Monika Ditter. »Weniger ist oft mehr, das gilt auch beim Aufräumen in der Natur.«

Wer sich für die Arbeit der NABU-Gruppe Limeshain interessiert, findet Informationen und Kontaktadressen im Internet unter nabu-limes- hain.de.

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