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Hier sollen künftig ein Supermarkt, ein Ärztehaus und Wohnungen entstehen. Und seit Freitagabend ist klar, dass die Gemeinde Altenstadt diese Entwicklung mit dem Investor Revikon angehen will.

Projektentwickler bestimmt

Knappe Entscheidung bei Großprojekt am Ortseingang Altenstadt

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Der Gießener Projektentwickler Revikon soll das Gebiet westlich von Altenstadt zwischen B 521 und Frankfurter Straße entwickeln. Die Entscheidung fiel aber knapp aus.

W er darf das Gelände an der Frankfurter Straße am westlichen Eingang zu Altenstadt erwerben und anschließend bebauen? Zwei Bewerber gibt es. Doch über die Güte ihrer Konzepte gehen die Meinungen auseinander.

Bevor der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Christian Keim (CDU), allerdings in die Tagesordnung am Freitagabend in der Altenstadthalle einsteigen konnte und die Auswahl der Investoren für den Entwicklungsbereich »B521/Frankfurter Straße westlich von Altenstadt« aufrufen konnte, kamen erst einmal die Bürger zu Wort. Und auch da ging es um die Entwicklung einer größeren Fläche, nämlich um das »Fichter-Gelände« im Ortsteil Waldsiedlung. Dort will ein Großteil der Bürger die Ansiedlung eines größeren Logistikzentrums auf zirka 29 000 Quadratmetern verhindern. Gefragt wurde deshalb, ob die Gemeinde noch Einfluss auf die Bebauung des Geländes habe oder ob sie möglicherweise sogar ein Vorkaufsrecht auf das 5,5 Hektar große Gebiet ausüben könne? Der Erste Beigeordnete Werner Zientz (CDU), der an diesem Abend Bürgermeister Norbert Syguda (SPD) vertrat, konnte immer wieder nur um Geduld bitten: »Wir haben alle vom Ortsbeirat Waldsiedlung vorgetragenen Argumente in unserer ablehnenden Stellungnahme an das Kreisbauamt berücksichtigt. Jetzt können wir nur warten.« Alle weiteren Schritte würden nach der Entscheidung der Kreisbehörde neu beraten und beschlossen werden.

Bevor das Thema »Fichter-Gelände« aufgrund des NPD-Antrags im Laufe der Gemeindevertretersitzung noch einmal aufgerufen wurde, wandte sich das Parlament erst einmal dem Entwicklungsbereich B 521/Frankfurter Straße zu. Mit dem Gießener Projektentwickler Revikon und dem Bad Honnefer Baulandentwickler Schopp standen zwei Investoren zur engeren Auswahl. Der Bauausschuss sowie der Haupt- und Finanzausschuss hatten sich in ihrer letzten Sitzung mehrheitlich für die Firma Revikon entschieden (der KA berichtete), da ihr Konzept beispielsweise nach Ansicht der SPD, der Grünen und auch der FWG ökologisch, städtebaulich und auch wirtschaftlich besser durchdacht sei. Dies betonten die drei Fraktionen auch noch einmal in der Gemeindevertretersitzung. Dagegen sprachen sich die Fraktionen von CDU, FDP und NPD aus. Es gebe keine so großen Qualitätsunterschiede, dass die Wahl aus diesem Grunde automatisch auf einen der beiden Investoren fallen müsse - mit Ausnahme, dass die Gemeinde im Falle des Zuschlags für Schopp Immobilien 720 000 Euro mehr einnehmen würde. »Altenstadt ist momentan so klamm, dass wir auf eine solche Summe nicht verzichten können«, argumentierte Martin Kirchner (FDP). Dagegen wandte sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Jan Voss: »die Frage müsse doch sein, Nachhaltigkeit oder schnellen Gewinn. Und da dürfte die Wahl nicht schwer fallen, weil von der Nachhaltigkeit auf lange Sicht die Gemeinde mehr hat«.

Bei der Abstimmung stimmten schließlich 19 Gemeindevertreter für die Ausschussempfehlung, also für die Verhandlung mit der Firma Revikon, 16 stimmten dagegen. Der CDU-Änderungsantrag, die Verhandlungen zunächst mit Schopp Immobilien aufzunehmen, weil über die Einzelheiten der Bebauung sowieso erst im Bauantragsverfahren entschieden werden müsse, wurde hingegen mit dem umgekehrten Stimmenverhältnis, also 16 Ja- und 19 Nein, abgelehnt.

Es folgten drei Anträge der Verwaltung und zwar zur Entwässerungssatzung - Gebühren sollen um 25 Cent je Kubikmeter steigen, zur Aufstellung des Straßenbauprogramms und zur Änderung des Bebauungsplans für den Bereich Bornfloßstraße 16. Alle drei Anträge wurden zur weiteren Beratung in den Bauausschuss überwiesen.

Erst über den Antrag der NPD zur Nutzung des »Fichter-Geländes« kam es dann wieder zu Diskussionen. Die CDU hatte nämlich einen Änderungsantrag vorgelegt; dieser sieht vor, dass die Gemeinde, sollte der jetzige Bauantrag für ein Logistikzentrum vom Kreisbauamt abgelehnt werden, das Gelände kaufen und es für kleinteiliges Gewerbe weiter veräußern sollte. »Langfristig bringt das mehr Einnahmen für die Gemeinde und außerdem auch mehr Arbeitsplätze«, so SPD-Sprecher Voss. Der Änderungsantrag der CDU wurde mit 32 Ja-Stimmen bei drei Enthaltungen angenommen.

Während man dem FDP-Antrag auf Bepflanzung der Grenze des Waldfriedhofs Oberau zum Neubaugebiet aus Gründen des Sicht- und Lärmschutzes ohne größere Diskussion einstimmig zustimmte, wurden die restlichen Anträge - einer der CDU auf Erfassung der Schottergärten, zunächst in Lindheim, sowie die FDP-Anträge zu Baumaßnahmen im Beuneweg und zur Cybersicherheit in der Gemeindeverwaltung - in die entsprechenden Fachausschüsse zur weiteren Beratung überwiesen.

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