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Hessen Mobil hat die Sanierung der K 905 abgeschlossen, die Fahrbahnmarkierungen sollen im Frühjahr folgen. Die Bürgermeisterin hält die Abstufung aus rechtlicher Sicht inzwischen für wahrscheinlich, betont jedoch, dass die Gemeindevertreter über das weitere Vorgehen zu entscheiden haben.

Zuständigkeit

K 905 vor Abstufung zur Gemeindestraße: Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen

Die Kreisstraße 905 nach Helfersdorf ist saniert worden. Formal dürfte der angestrebten Abstufung zur Gemeindestraße nichts mehr im Wege stehen. Für Gesprächsstoff sorgt die Straße aber weiter.

Die Abstufung der Kreisstraße 905 nach Helfersdorf zur Gemeindestraße ist seit Anfang 2019 ein häufig diskutiertes Thema. Dass der Wetteraukreis der Straße keine aureichende Verkehrsbedeutung mehr beimisst, löst bei den Helfersdorfern Befürchtungen um ihre Infrastruktur aus - es geht dabei aber auch um das Gefühl des Abgehängtseins im östlichsten Ortsteil der kleinsten Kommune des Landkreises.

Trotz aller Gegenwehr von Gemeinde, Ortsbeiräten und Bürgern gegen die Abstufung geht der Prozess seinen Weg: Jetzt hat Hessen Mobil die K 905 im Auftrag des Landkreises saniert - eine Maßnahme, um die Straße in Vorbereitung auf die Abstufung in einen ordnungsgemäßen Zustand zu versetzen. Die Frage, wie dieser genau auszusehen hat, ist seit Längerem Ursache für Uneinigkeit. Während man bei Hessen Mobil unterstreicht, dass die durchgeführten Arbeiten weit mehr als das Nötige seien, sieht Kefenrods Bürgermeisterin Kirsten Frömel (parteilos) die Bedenken der Gemeinde bestätigt.

Mehr gemacht als notwendig

Bis Anfang Dezember seien die Fahrbahnsanierungsarbeiten auf der Straße gelaufen, die Helfersdorf mit der Landstraße 3443 in Richtung Neuenschmidten verbindet, wie Hessen Mobil auf Anfrage des Kreis-Anzeigers erklärt. Auf einer Länge von etwa 620 Metern sei eine Asphalttragschicht mit einer Stärke von acht Zentimetern und darauf eine Deckschicht von vier Zentimetern aufgebracht worden. Zudem seien Bankette, Leitpfosten und Schutzplanken der neuen Höhe entsprechend angepasst worden. Fahrbahndurchlässe sowie Wirtschaftswegeanbindungen seien neu hergestellt, Entwässerungsmulden geräumt und mit Natursteinmaterial neu befestigt worden, heißt es aus der Pressestelle in Schotten. Wie die Straßenbaubehörde erklärt, habe der Wetteraukreis für die Sanierungsarbeiten insgesamt 130 000 Euro investiert. »In diesem Zusammenhang ist es uns aber auch wichtig zu erwähnen, dass der Landkreis mit den durchgeführten Sanierungsmaßnahmen weit über das notwendige Maß hinausgegangen ist«, fügt Hessen Mobil an. »Die rechtliche Verpflichtung verlangt im Zuge von Umstufungsverfahren lediglich eine Instandsetzung auf Grundlage der zu erwartenden Verkehrsmenge.«

Die Bäume am Fahrbahnrand, die seitens der Gemeinde immer wieder die Befürchtung laut werden ließen, das Wurzelwerk könne die Straße beschädigen, seien schon im vergangenn Jahr durch Baumkontrolleure auf ihre Stand- und Bruchsicherheit überprüft worden, so Hessen Mobil. Die Mitarbeiter, die über eine fachliche Qualifikation zur Baumkontrolle verfügen, seien zu dem Ergebnis gekommen, dass der Baumbestand entlang der K 905 sich aktuell in der Alterungsphase befinde. Damit sei das Dickenwachstum der Bäume zwischenzeitlich erheblich verlangsamt, die Verdrückungen seien durch die damaligen jüngeren Bäume erfolgt, wie die Straßenbaubehörde schildert.

Bürgermeisterin sieht sich bestätigt

Mit dieser Antwort zeigt sich die Bürgermeisterin nicht zufrieden. Sie habe sich erkundigt, laut ihren Informationen hörten Bäume nicht auf zu wachsen, erklärt Kirsten Frömel. Darüber hinaus müsste die Gemeinde im Falle einer Abstufung auch für künftige Baumkontrollen aufkommen. Die umgesetzten Baumaßnahmen sieht die Rathauschefin dagegen als Bestätigung. »Anfangs hieß es, dass die Oberdeckenschicht abgefräst wird und nicht mehr. Auch unser Bedenken, dass der Hang abrutscht, wurde dementiert«, sagt Frömel. »Dass nun doch mehr gemacht wurde und anstatt des Abfräsens eine neue Schicht aufgebracht wurde, zeigt möglicherweise, dass die Gemeinde mit ihren Bedenken recht hatte.«

Gleichzeitig wolle man mit dem Wetteraukreis zu einer vernünftigen Lösung kommen. »Ich gehe davon aus, dass der Zustand der Straße jetzt ordnungsgemäß ist«, erklärt die Bürgermeisterin. Hinsichtlich der rechtlichen Lage dürfe der Wetteraukreis die Straße abstufen, so ihre Vermutung. Wie Frömel betont, sei es als Bürgermeisterin jedoch ihre Aufgabe, sich zu wehren und die Kosten von der Gemeinde abzuwenden. Zudem könne sie die Situation der Bürger nachvollziehen: »Es mag das Gefühl entstehen, im Ostkreis abgehängt zu sein. Allerdings ist das nur ein Empfinden der Bürger, denn auch anderswo im Landkreis werden Straßen abgestuft.« Ein rechtliches Vorgehen gegen die Abstufung sei möglich, so Frömel. Allerdings bedürfe es dazu einem Gutachten, das auch Kosten mit sich bringt. »Die Gemeindevertreter müssen jetzt entscheiden, wie weit sie diesen Weg gehen wollen«, so Frömel. Zunächst müssen diese jedoch über das weitere Verfahren hinsichtlich des innerörtlichen Teils der K 905 in Helfersdorf (Talstraße) entscheiden: Auch für diesen Abschnitt ist vor der Abstufung eine Instandsetzungsmaßnahme notwendig. Weil die Gemeinde aber ohnehin beabsichtigt, die Kanal- und Wasserleitungen in der Talstraße zu erneuern, habe man mit dem Wetteraukreis vereinbart, dass dieser eine Vorauszahlung zur Sanierung leistet, anstatt diese umzusetzen, schildert Frömel. »Die Grundlage für diese Zahlung war allerdings, dass die Straße tatsächlich abgestuft wird«, so die Bürgermeisterin. Das haben die Gemeindevertreter jedoch kürzlich einstimmig abgelehnt.

Nachtrag oder Rückzahlung

Nun gebe es verschiedene Möglichkeiten, mit der bereits geschlossenen öffentlich-rechtlichen Vereinbarung umzugehen - etwa einen schriftlichen Nachtrag oder die Rückzahlung des Betrages, schildert die Bürgermeisterin.

Eine Entscheidung erwarte der Wetteraukreis bis zum 19. Januar, so Frömel. Der Haupt- und Finanzausschuss sowie der Bau- und Siedlungsausschuss werden sich mit der Fragestellung in ihrer gemeinsamen Sitzung am 18. Januar beschäftigen.

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