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Kita-Sanierung in Stockheim reicht nicht

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Vor dem endgültigen Einzug Anfang Februar müssen von den Handwerkern noch Abschlussarbeiten erledigt werden. © Andrea Schinzel

In Stockheim wird unter Hochdruck an der Sanierung der Schäden durch das Hochwasser im »Regenbogen« gearbeitet. Klar ist: Eine weitere Einrichtung wird dringend gebraucht.

Noch stehen unzählige sorgfältig beschriftete Kisten und Farbeimer in den Gängen, eine Bohrmaschine liegt auf dem Boden. Aber das Ende der Sanierungsarbeiten im alten Teil der Kindertagesstätte »Regenbogen« im Glauburger Ortsteil Stockheim ist in Sicht. Doch auch wenn dieser wieder voll bezogen werden kann, ist klar: Der Bedarf an Kita-Plätzen ist so groß, dass ein neuer in Glauberg geplant ist.

Die Handwerker arbeiten auf Hochdruck. Dort wird noch Boden befestigt, an anderer Stelle muss etwas Farbe aufgetragen werden. Toiletten und Waschbecken sind noch zu installieren. In der zweiten Februarwoche sollen alle Kinder wieder an alter Stätte spielen können. Das sagen Glauburgs Bürgermeister Carsten Krätschmer und sein Mitarbeiter aus dem Bauamt, Willibald Goldbach, im Gespräch mit dieser Zeitung.

Ab dem 7. Februar wieder zusammen

Vom 31. Januar bis 4. Februar werden Möbel und Spielmaterial eingeräumt. In dieser Woche wird für die Kinder über drei Jahren keine Betreuung stattfinden, sagt Krätschmer. Aber ab dem 7. Februar sind alle 120 Kinder vom ersten Lebensjahr bis zu den Vorschulkindern unter einem Dach zusammen. Lediglich die Küche, zurzeit noch in einem Container vor dem Kindergarten untergebracht, fehlt noch. Lieferengpässe sind der Grund.

In wenigen Tagen jährt sich das Hochwasser in der Region, Auch die Kita in Stockheim blieb von den Fluten nicht verschont. Die Schutzvorrichtungen nach dem letzten Hochwasser von 2003 hatten nicht ausgereicht. Die seien für einen Wasserstand von 75 Zentimetern ausgerichtet gewesen. »Wir hatten 83 Zentimeter.« Krätschmer und Goldbach erklären unisono, dass es technisch nicht möglich sei, eine hundertprozentige Sicherheit zu erreichen.

Hatte bereits die Corona-Pandemie den Kindergartenalltag tüchtig durcheinandergewirbelt, war die Hochwasserkatastrophe die nächste Hiobsbotschaft für Gemeinde, betroffene Eltern und Kinder. Sechs Wochen lang war der Kindergartenbetrieb ganz eingestellt. Denn auch das Dorfgemeinschaftshaus in Stockheim, oft Ausweichquartier für die Kita bei räumlichen Engpässen, stand unter Wasser und konnte nicht als Ersatzdomizil herhalten.

Zum Glück hätten Nachbarkommunen wie Ranstadt und Limeshain Hilfe angeboten, berichtet Krätschmer. So konnten die Kinder in der Kita im Ranstädter Ortsteil Dauernheim und im Limeshainer Ortsteil Hainchen im ehemaligen Hort eine Bleibe finden. Was allerdings für die Eltern mit viel Fahrerei verbunden war. Die erhalten zumindest auf Beschluss der Gemeindevertretung für ihre Fahrtkosten einen Zuschuss, den sie sich hart erkämpft hatten und beantragen müssen (der Kreis-Anzeiger berichtete).

Im Frühjahr hatten zunächst die Vorschulkinder im Dorfgemeinschaftshaus in Stockheim wieder eine Bleibe gefunden. Nach den Sommerferien waren die U3-Kinder in ihre angestammten Räume, um die der alte Teil der Kita 2013 erweitert worden war, wieder eingezogen. Nur die Kinder über drei Jahren, ausgenommen der Vorschulkinder im DGH, werden noch bis Ende Januar in Hainchen betreut.

Der neue Teil der Kita hat nach einer ausreichenden Trocknung und Reinigung einen neuen Fußboden und neue Türen bekommen. »Der Neubau hat zum Glück nicht so viel Schaden genommen wie das alte Gebäude«, sagt Goldbach. »Dort musste jedoch bis auf die Decke alles saniert werden«, ergänzt Krätschmer. Angefangen beim Putz, dem Estrich über die Heizung bis hin zu den sanitären Einrichtungen, die nach dem Hochwasser nicht mehr nutzbar gewesen seien.

Mit den Sanierungsarbeiten war sofort begonnen worden. Von allen Beteiligten sei in den vergangenen zwölf Monaten extrem viel abverlangt worden. Die Arbeitsbelastung sei hoch gewesen, was beim Kindergartenpersonal für eine gewisse Fluktuation gesorgt habe, sagt Krätschmer. »Für die, die durchgehalten haben, gibt eine »Hochwasserprämie, Wir wollen die gute Arbeit natürlich honorieren«, kündigt der Bürgermeister an.

In neue Fenster und Heizung investiert

Der Gesamtschaden aufgrund des Hochwassers belaufe sich auf gut 600 000 Euro, der dank einer Elementarversicherung auch abgedeckt sei. Die Gemeinde selbst investiert rund 100 000 Euro in Maßnahmen, die im Rahmen der notwendigen Sanierungen durchgeführt worden seien. Unter anderem in neue Fenster sowie in eine Fußbodenheizung. Nun müsse noch die Außenanlage in Richtung Sportplatz umfassend saniert und mit neuen Spielgeräten ausgestattet werden. Die Kosten würden ebenfalls von der Versicherung übernommen.

Neubau für drei weitere Gruppen

Von nun an gelte es aber auch nach vorne zu schauen, sagt Krätschmer. Der Betreuungsbedarf in der Gemeinde ist groß. Derzeit besuchen 120 Kinder die Einrichtung. Laut den zuständigen Stellen beim Wetteraukreis würden allerdings zwei U3-Gruppen und eine Ü3-Gruppe fehlen.

Der jetzige Kindergarten, der 1972 gebaut und 1990 bereits erstmals erweitert wurde, kann nicht mehr vergrößert werden. Ein neuer Kindergarten soll deshalb in Glauberg am Ortsausgang in Richtung Stockheim auf dem Grundstück »Treppen-Becker« entstehen, der Ende des Quartals 2022 seinen Betrieb schließt. Die Gemeinde kaufte vor gut einem Jahr Grundstück und Gebäude (der KA berichtete).

Wie die Planungen weiter gehen, liege jedoch in den Händen seiner Nachfolgerin Henrike Strauch, die im Februar ihr Amt als Bürgermeisterin antritt, sagt Krätschmer. Unter anderem müsse ein Interessenbekundungsverfahren für ein Architekturbüro auf den Weg gebracht werden.

Aber es müsse auch beachtet werden, dass mögliche Fördergelder - bisher sei kein neues Zuschussprogramm für den Neubau für Kindergärten aufgelegt - nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden durch einen zu frühen Beginn des Projektes in Glauberg. VON ANDREA SCHINZEL

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