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Witzig und nachdenklich

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Von: red Redaktion

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Der Vorstand des Kulturkreises hatte den Kabarettisten Martin Fromme (4. v. l.) zu einem Auftritt in der Kulturremise eingeladen. © pv

Gedern (red). Darf man über Behinderungen lachen? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, hatte der Gederner Kulturkreis jetzt den Schauspieler, Moderator, Radiosprecher und Kabarettisten Martin Fromme eingeladen, der in der Kulturremise sein neues Programm »Glückliches Händchen« präsentierte.

In seinem politisch unkorrekten Bühnenprogramm hinterfragt Fromme ironisch Vorurteile, provoziert mit seinen Statements zu Verhaltensregeln im Umgang mit behinderten Menschen. Aber er baut gleichzeitig auch eine Brücke: einfach mal über die eigenen Unzulänglichkeiten lachen und so zur Normalität finden.

Schon der Programmtitel ist eine Konfrontation mit Frommes Contergan-Behinderung. Er selbst nimmt das locker sowie sich und sein Handicap mit Vorliebe auf die Schippe. »Sie werden nie wieder eine Glücksbringer-Winkekatze ansehen, ohne an mich zu denken«, prophezeite er seinem Publikum.

Auch mit dem Vorurteil »Behinderte sind immer nett und begehen keinerlei Straftaten« räumte Fromme gründlich auf, indem er auf den ehemaligen südafrikanischen Sprinter und Weltrekordhalter Oscar Pistorius verwies.

Keine Behinderung bleibt außen vor

Der Ausnahmesportler mit den amputierten Unterschenkeln erschoss im Februar 2013 in der gemeinsamen Wohnung seine Lebensgefährtin Reeva Steenkamp. Dafür wurde er angeklagt und wegen Mordes zu 15 Jahren Haft verurteilt. »Lügen haben eben kurze Beine«, konstatierte Fromme lakonisch.

Während des Programms blieb keine Behinderung außen vor, da blieb einem schon mal das Lachen im Halse stecken. Fromme zeigte zudem Videos, die mit einer versteckten Kamera aufgenommen worden waren und in denen Schauspieler mit Behinderungen nicht behinderte Menschen vorführten. Außerdem amüsierte er sich über viele Schilder in Deutschland mit teils völlig verqueren Hinweisen, die Behinderten eigentlich helfen sollen.

Schließlich endete ein zwar nicht immer unbeschwert witziger, aber sehr nachdenklich stimmender Abend mit einem äußerst sympathischen Kabarettisten. Die Gäste genossen das Beisammensein nach der langen Veranstaltungspause ganz besonders und saßen noch bis spät in die Nacht bei angeregten Gesprächen und einem Glas Wein zusammen.

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