1. Startseite
  2. Lokales
  3. Gedern

So schlimm war es noch nie, sagt der Gederner Bauer Markus Oberheim

Erstellt:

jub_bauer5_170822
Verbrannte Wiesen, hungrige Tiere. Jeden Tag seit Juni versorgt Bauer Markus Oberheim seine 70 Rinder auf den Weiden rund um Gedern mit Silage und frischem Wasser. Auf dem Hof lagert, zum Glück, der Vorrat noch aus 2021 für den Winter. © Judith Seipel

Weil auf den Weiden kein Gras wächst, fährt der Landwirt regelmäßig Silage-Ballen raus zu seinen 70 Rindern. Und das schon seit Juni.

Diese Trockenheit. Seit Wochen hat es nicht geregnet. Dazu die Hitze. Die Böden sind ausgedörrt, die Bachbetten leer. Markus Oberheim lädt einen Silage-Ballen auf seinen Traktor und legt die Stirn in Falten: »Ich habe noch nie so viel zufüttern müssen wie jetzt.« Er hat in Gedern einen Bioland-Betrieb. Mutterkuhhaltung mit 70 Tieren. Die stehen jetzt draußen auf sonnenverbrannten Weiden rund um Gedern, wo sie schon seit Wochen nicht mehr satt werden, und warten auf die nächste Futterlieferung. »Auf zwei Wiesen steht noch ein bisschen Grün, aber für die anderen geht ohne mein Zutun gar nichts.«

Jeden Tag fährt Oberheim raus und versorgt seine Rinder mit Futter. Wenn sie seinen Traktor hören und sehen, machen sie sich auf die Beine und begrüßen ihn lautstark. »Ich glaube, die wissen, dass auch rundherum nichts mehr zu holen ist, denn toi, toi, toi, bisher sind sie noch nicht ausgebrochen.«

Genug Vorräte

für den Winter

Zwölf Ballen Silage verfüttert der Bauer wöchentlich. Dazu kommen Tausende Liter Wasser. »Ich verbringe momentan ganz schön viel Zeit an der Zapfstelle.« Allein 45 Minuten dauert es, bis das große 6000-Liter-Fass gefüllt ist. Immerhin muss er nicht befürchten, dass er seine Herde demnächst nicht mehr versorgen kann und schlimmstenfalls Tiere notschlachten muss. Eine Sorge, die manche Berufskollegen umtreibt, denn wo kein Gras wächst, gibt es kein Futter.

Der Erntesommer 2021 sei gut gewesen und Markus Oberheim hat viele Vorräte anlegen können, so dass er die Tiere auch sicher über den Winter bringen wird. Auf seinem Hof oberhalb von Gedern stapeln sich die in Folie gewickelten Rundballen: Heu, Silage und Stroh. Eigentlich wäre damit auch ein Geschäft zu machen. 50 Euro kann man für einen Silage-Ballen erzielen. Aber er ist zurückhaltend mit dem Verkauf. »Wenn der nächste Sommer wird wie dieser, dann haben wir ein ganz großes Problem.«

Die drei aufeinanderfolgenden Dürresommer 2018, 2019 und 2020 haben ihn schon seinen Bestand herunterfahren lassen. Jetzt steht er abermals vor der Frage, ob er die Tierhaltung verkleinern soll. Denn die Absetzer, das sind Rinder, die nicht mehr von der Mutter gesäugt werden, »kauft im Herbst niemand zu einem auskömmlichen Preis, wenn er kein Futter für sie hat«. Oberheim mästet die Jungtiere dann selbst und vermarktet auch ihr Fleisch selbst.

Ende Juli, erzählt er, sei die Getreideernte abgeschlossen gewesen.

»Eigentlich ist der August der Erntemonat.« Und jetzt habe die Maisernte, normalerweise ab September, schon begonnen. »Dabei ist der Mais an manchen Stellen gar nicht richtig zum Wachsen gekommen.«

Das Problem, findet der Landwirt, seien nicht nur die ausbleibenden Niederschläge. »Hier wird viel zu viel Wasser abgepumpt. Das Grundwasser fehlt.« Als er ein Junge war, erinnert sich der 47-Jährige, »da gab es sumpfige Stellen, dort durfte man mit dem Traktor nicht hinfahren, sonst wäre der steckengeblieben. Die gibt es heute nicht mehr«.

Aber auch diese Witterung hat zwei Seiten: Während die Sonne die Weiden verbrennt, lässt sie Oberheims Photovoltaikanlage auf dem Stalldach fleißig Strom produzieren. In einem Jahr wie diesem zeige sich, wie wichtig es sei, sich breit aufzustellen.

Doch nicht nur die Auswirkungen des Klimawandels schlagen voll durch. Auch die Folgen des Krieges in der Ukraine spüren die Bauern. Steigende Energiepreise werden manchen Betrieb in eine Krise stürzen.

10 000 Euro

mehr für Diesel

10 000 Euro mehr wird Markus Oberheim in diesem Jahr allein für Diesel ausgeben, hat er bei einem Verbrauch von circa 12 000 Litern errechnet. »Milchviehbetriebe, bei denen jeden Tag die Melkmaschinen laufen, trifft das noch einmal ganz anders«, gibt er zu bedenken. Für ihn sei es schon hilfreich, die Wasserfässer an der städtischen Zapfstelle zum Nulltarif füllen zu können. VON JUDITH SEIPEL

Auch interessant