1. Startseite
  2. Lokales
  3. Gedern

Neues Leben im Angelteich in Ober-Seemen

Erstellt:

bg_DSC00539b_241221
Nachdem sie im Sommer rund eine Tonne tote Fische aus dem Teich bergen mussten, können die Vereinsmitglieder jetzt dank der Spenden eine große Menge Fische neu aussetzen. © Oliver Potengowski

Der Angelsportverein 1973 Ober-Seemen überwindet dank großzügiger Spenden den schwersten Schicksalsschlag in den rund 50 Jahren der Vereinsgeschichte.

Ober-Seemen (ten). Wegen Sauerstoffmangels ist im Juni ein großer Teil des Fischbestandes im Teich des Angelsportvereins 1973 Ober-Seemen (ASV) verendet. Dank zahlreicher großzügiger Spenden gelang es, diesen Rückschlag in der Vereinsarbeit zu überwinden. Denn dadurch konnten jetzt unzählige, durch Spendengelder beschaffte Fische im Vereinsteich ausgesetzt werden.

Es war einer der schwersten Schicksalsschläge in den rund 50 Jahren der Vereinsgeschichte. Am 22. Juni entdeckte eine Schulklasse während einer Wanderung unzählige leblose Fische, die an der Oberfläche des Angelteichs trieben. Weil die Ursache des Fischsterbens zunächst unklar war, sperrte die zur Rettung des verbliebenen Bestands alarmierte Feuerwehr den Zufluss ab, um zu verhindern, dass möglicherweise Giftstoffe in den Teich gespült werden. Außerdem pumpte sie jede Menge Sauerstoff ins Wasser.

Eine Tonne tote Fische

Tatsächlich stellte sich im Laufe der Untersuchungen durch Polizei und Veterinäramt heraus, dass es keine Giftstoffe oder Gülle waren, die zu dem Tod der Fische in dem Angelteich geführt hatten. Im Gegenteil: Der Ph-Wert des Wassers als Messgröße für die Gewässerqualität sei sehr gut gewesen, berichtete der Verein. Jedoch sei der Sauerstoffgehalt mit 1,4 bis zwei Milligramm pro Liter Wasser unerklärlich gering gewesen.

Insgesamt rund eine Tonne tote Fische mit einem Schätzwert von 12 000 Euro bargen die Mitglieder im Juni aus dem Teich. Noch heute merkt man ihnen an, wie schwer sie das Fischsterben auch emotional getroffen hat. »Da sind die Tränen gelaufen«, erinnerte sich der Vorsitzende des Vereins, Burkhard Lips. »Da waren wirklich kapitale Karpfen dabei von 15 bis 16 Kilo. Um einen Fisch wieder auf so eine Größe zu kriegen, braucht man Jahre«, erläuterte der Vorsitzende, der selbst zwar angelt, aber keinen Fisch isst.

»Du ziehst die Fische groß und siehst, wie sie heranwachsen«, beschrieb er die Beziehung der Angler zu ihren Fischen. Gerade die sehr alten Fische würden deshalb auch nicht mehr gefangen. »Hier ist kein Angler, der einen 15-Kilo-Karpfen abschlachtet.«

Durch den schnellen Einsatz der Feuerwehrleute konnte damals immerhin noch ein kleiner Teil des Bestandes gerettet werden. »Das war ein Riesen-Feuerwehreinsatz«, dankte Lips den Helfern für mehrere Tage ehrenamtliche Arbeit am Teich. »Hut ab.«

Besatz aus renommierter Zucht

Zwar musste der Verein den Feuerwehreinsatz selbst nicht bezahlen. Doch die Kosten für den Treibstoff der Pumpen, insgesamt rund 400 Euro, wurden von den Mitgliedern erstattet. Dabei geht es dem ASV wie auch den meisten anderen Vereinen im zweiten Jahr der Corona-Pandemie finanziell nicht gut. Veranstaltungen, deren Einnahmen sonst neben den Mitgliedsbeiträgen einen großen Teil der Ausgaben decken, mussten abgesagt werden. Die Kosten, die zum Beispiel für die Pflege des Gewässers entstehen, blieben dagegen weitgehend gleich.

Deshalb bat der ASV 1973 um Spenden, um wieder neue Fische kaufen und insbesondere auch die Artenvielfalt wieder herstellen zu können. Denn der Raubfischbestand sei im Sommer nahezu komplett verendet.

Angesichts des Schicksalsschlags, der den Verein getroffen hatte, konnten sich die Mitglieder über viel Unterstützung freuen. Insgesamt seien rund 2500 Euro zusammengekommen, berichtete Kassenwart Axel Westphal-Luft. Besonders dankte der Verein dem Kaufmann Rainer Lapp, der durch eine bedeutende Spende dazu beitrug, dass es jetzt möglich war, neue Fische in dem Teich auszusetzen.

Diese hatte der ASV 1973 bei einer renommierten Fischzucht bei Limburg gekauft. Lips erklärte, dass es auch Händler gebe, die Fische aus Flüssen fangen und verkaufen. Diese kämen jedoch mit den Nahrungsbedingungen in einem Anglerteich nicht gut zurecht. In großen Bottichen trugen die Angler die Fische, darunter Rotaugen, Hechte, Brassen und Karpfen, von den Wassertanks auf der Ladefläche des Liefer-Lkw an den Teich. Nachdem die meisten sich dort zunächst in Ufernähe ihren neuen Lebensraum betrachtet hatten, verschwanden sie in der Tiefe des Gewässers.

Sprudelanlage mit Solarzellen

Inzwischen vermutet der Verein, dass ein Kaltregen das Fischsterben ausgelöst hatte. Denn obwohl es in den vergangenen Jahren immer wieder eine stärkere Verschlechterung der Lebensverhältnisse mit weniger Wasser im Teich oder deutlich höheren Temperaturen gegeben habe, sei es nie zu solch einem Massensterben gekommen, erläuterte Lips. Bei einem Kaltregen bilde sich eine kühle Wasserschicht an der Oberfläche und drücke das warme Wasser nach unten.

Um solch eine Schichtung, die schließlich die Fische ersticken lasse, zu verhindern, will der ASV einen Teil der Spenden verwenden, um eine mit Solarzellen betriebene Sprudleranlage anzuschaffen, die das Wasser mit Sauerstoff anreichert.

Auch interessant