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Kurzer Prozess für Einbrecher

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Nur ein Bruchteil der Ermittlungsakten stapelt sich auf dem Tisch der Staatsanwältin. Ohne das Geständnis des Einbrechers wären zahlreiche Verhandlungstage nötig gewesen. © Oliver Potengowski

Weil er 2015 mit Komplizen in elf Häuser eingebrochen war, darunter auch drei in Gedern, hat das Amtsgericht Büdingen einen 35-Jährigen zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Innerhalb von zwei Monaten ist ein heute 35-Jähriger 2015 mit Komplizen in elf Häuser eingebrochen. Dabei fielen ihm Wertgegenstände und Geld in die Hand. Bei zwei weiteren Versuchen scheiterte er. Weil er ein Geständnis ablegte, konnte am Amtsgericht Büdingen während des ersten Prozesstages bereits nach eineinhalb Stunden das Urteil gesprochen werden. Der Mann muss für zwei Jahre und drei Monate ins Gefängnis.

Drei Einbrüche

in Gedern

Das Verlesen der Anklageschrift nahm die meiste Zeit in Anspruch. 13 Taten waren aufgelistet. Vom 13. August bis zum 13. Oktober 2015 machte der Angeklagte, der nicht aus Deutschland stammt, mit bis heute unbekannten Komplizen mehrere Wohngebiete unsicher. In Wiesbaden und Heidesheim am Rhein brach er in Einfamilienhäuser ein und stahl Mobiltelefone, Geld, Goldschmuck, Uhren und eine Sonnenbrille.

Immer wieder waren die Einbrecher in Wachtberg in der Nähe von Bonn aktiv. Auch dort war das Beuteschema ähnlich. Allerdings waren die Täter nicht wählerisch. So erbeuteten sie einmal in Wachtberg lediglich einen Schulrucksack. Im August 2015 brach der Angeklagte mit seinen Komplizen in ein Haus in Herbstein ein. Dort stahlen sie ein Mobiltelefon.

Im Herbst 2015 suchten die Täter Gedern heim. Einem Opfer stahlen sie Anfang Oktober die Geldbörse mit 40 Euro und Euroscheckkarte. Besonders ärgerlich: In der Börse befanden sich auch die Ausweispapiere. In einem weiteren Haus erbeuteten die Täter in der nächsten Nacht 420 Euro, Schmuck und drei Armbanduhren. In einem anderen Haus stahlen sie einem Ehepaar die Eheringe. Der Wert war mit 250 Euro relativ gering. Unersetzlich ist jedoch der ideelle Wert der Ringe.

Ebenso auffällig wie die vielen Taten in nur wenigen Wochen - teilweise brachen die Täter in einer Nacht in mehrere Häuser ein - ist die Technik, mit der sie sich Zutritt verschafften. Sie bohrten ein Loch in Fenster oder Terrassentüren und öffneten anschließend mit einem Draht die Verriegelung. Offenbar hatte der Angeklagte darin eine gewisse Routine. Denn bevor das Verfahren in Deutschland gegen ihn eröffnet werden konnte, war er wegen ähnlicher Delikte zweieinhalb Jahre in Frankreich und der Schweiz inhaftiert gewesen.

Wegen der vielen Taten hatte sich bei der Staatsanwaltschaft ein umfangreicher Aktenbestand angesammelt. Hätten alle Einbrüche erörtert werden müssen, wäre eine Reihe von Verhandlungstagen notwendig gewesen. Weil der 35-Jährige die Vorwürfe einräumte, konnte der Prozess schnell beendet werden.

Keine Angaben

zu Komplizen

Richterin Barbara Lachmann beschränkte sich auf wenige Nachfragen, unter anderem zum Verbleib der Beute. Diese sei verkauft worden, um Lebensmittel zu kaufen. Die Täter erbeuteten in Deutschland trotz der vielen Taten weniger als 8000 Euro.

Trotz des Geständnisses blieben einige Fragen offen. So machte der Angeklagte keine Angaben zu seinen Mittätern. Weder Staatsanwaltschaft noch Lachmann forschten nach, nach welchen Kriterien die Einbrecher die Tatorte auswählten oder wie der Plan entstand, durch Einbrüche den Lebensunterhalt zu bestreiten. Denn nach seinen Angaben hat der Mann zumindest zeitweise von ehrlicher Arbeit gelebt. Als er sich in Italien aufhielt, habe er auf dem Bau gearbeitet. Auch in Griechenland habe er bereits gelebt.

In ihrem Plädoyer wies die Staatsanwältin darauf hin, dass Einbruchdiebstähle 2015 noch kein Verbrechenstatbestand gewesen seien. Der Strafrahmen habe damals bei sechs Monaten bis zehn Jahren gelegen. Heute liege die Mindeststrafe bei einem Jahr. Sie wertete neben dem Geständnis den teilweise geringen Wert der Beute als strafmildernd, wunderte sich aber über die Wahllosigkeit bezüglich des Diebesguts. »Ich weiß nicht, was in einem Schulrucksack für Wertgegenstände erwartet werden«, sagte sie.

Richterin Lachmann blieb mit ihrem Urteil von zwei Jahren und drei Monaten Haft zwar unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft von zweieinhalb Jahren, aber über dem der Verteidigung. Diese hatte zwei Jahre auf Bewährung gefordert. Die Taten lägen zwar mehrere Jahre zurück. Dafür seien die Einbrüche aber professionell, planmäßig und arbeitsteilig verübt worden. Zudem betonte Lachmann, dass auch sehr persönliche Gegenstände von hohem ideellen Wert - wie die Eheringe in Gedern - gestohlen worden seien. Der Wert der Beute von 7729,66 Euro solle eingezogen und an die Geschädigten ausgezahlt werden. VON OLIVER POTENGOWSKI

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