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»Kirche hat noch immer Bedeutung«

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175 Kerzen stehen zum Jubiläum um die große Linde vor der Kirche. Damit bilden die Gederner nach einer kleinen Andacht eine Friedens-Lichterkette rund um das Gotteshaus. © Judith Seipel

Gedern (jub). 175 Kerzen, für jedes Jahr eine, hatten Pfarrerin Kerstin Hillgärtner und Küsterin Andrea Henkel-Boos am Montagabend zum Kirchenjubiläum rund um die große Linde vor dem evangelischen Gotteshaus angezündet.

Die Gederner waren eingeladen, nach einer Andacht unter freiem Himmel mit den Kerzen in der Hand rund um die Kirche eine Friedens-Lichterkette zu bilden.

Das Ganze hatte durchaus Wettbewerbs-Charakter: Würden sie kommen? Und würden es genug Menschen werden, um die Kirche zu umschließen? Eine gewisse Spannung ließ sich nicht verleugnen, immerhin war die Kirche zum Festgottesdienst am Vortag bereits voll gewesen. Und nun noch einmal?

Aber zum Läuten der Glocken kurz vor 19 Uhr strömten die Menschen plötzlich aus allen Richtungen auf den Kirchturm zu und zeigten damit, dass die Kirche mehr ist als der geografische Mittelpunkt des Städtchens. Zwar wurde die Zahl 175 nicht geknackt - ein paar wenige Kerzen blieben unter der Linde stehen -, aber Pfarrerin und Kirchenvorstand waren begeistert vom Zuspruch.

»Die meisten Gederner sind in dieser Kirche getauft und konfirmiert worden, viele wurden hier getraut und haben um geliebte Menschen getrauert«, sagt Bernd Vonalt, Vorsitzender des Kirchenvorstandes. »Auch wenn bei uns wie überall die Zahl der Gottesdienstbesucher schwindet, so zeigt der heutige Abend doch, dass die Kirche noch immer einen Platz und eine Bedeutung im Leben der Menschen hat«, so Vonalt weiter.

Nach einem Segensgruß, den Pfarrerin Hillgärtner in dem großen Rund losschickte und der von Mensch zu Mensch weitergegeben wurde, bis er wieder am Ausgangsort ankam, war die Gemeinde eingeladen, vor der Kirche auf das Jubiläum anzustoßen. Den Wunsch »Das ist so schön, so etwas müsst ihr viel öfter machen« hat der Kirchenvorstand gerne aufgegriffen. »Der Gottesdienst am Sonntagmorgen ist wichtig und der muss auch bleiben, selbst wenn ihn immer weniger Menschen besuchen. Aber das allein reicht nicht mehr. Wir müssen uns aufmachen und auch neue Wege beschreiten«, findet Kerstin Hillgärtner.

Einen Eindruck davon kann man sich im Gottesdienst zum Buß- und Bettag am 16. November verschaffen.

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