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Gelungenes Dorffest in Nieder-Seemen

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Über mangelnden Zustrom bei der Einweihung der Nieder-Seemer Wanderroute können sich der Heimatforscher Erhard Müth (Mitte, stehend, mit Rucksack) und der stellvertretende Ortsvorsteher Dirk Winter (rechts neben ihm) nicht beklagen: Mehr als 80 Teilnehmer folgen ihren Erläuterungen. © Ingeborg Schneider

Ein Erfolg war das Fest zum 50-jährigen Bestehen der Stadt Gedern in Nieder-Seemen. Zur Musik der Band »New Age Rises« wurde gefeiert. Groß war das Interesse an der Einweihung der Nieder-Seemer Wanderroute.

Das große Fest zum 50. Geburtstag der Stadt Gedern in Nieder-Seemen war ein voller Erfolg. Zur Open-Air-Party am Samstagabend strömten zahlreiche Feierlustige auf den Platz zwischen dem Feuerwehrhaus und dem Bürgerhaus. Großes Interesse prägte auch die offizielle Einweihung der Nieder-Seemer Wanderroute am Sonntagmorgen.

Am Samstagabend erfreute sich das Publikum am musikalischen Repertoire, das die junge Gederner Pop-, Rock- und Punk-Band »New Age Rises« mitgebracht hatte. Zwischen Oldie-Klassikern, Party-Hits der 90er Jahre und Nirvana-Grunge durften deutsche Songs wie »Skandal im Sperrbezirk« und »An Tagen wie diesen« nicht fehlen.

Der sympathischen und zugewandten Ausstrahlung der Band mit Sängerin Luisa Müller, Gitarrist und Sänger Erik Reitz, Bassmann Lukas Babic und Drummer Enrico Pacella konnte sich ohnehin niemand entziehen, sodass bis zu später Stunde ordentlich abgerockt wurde.

6,5 Kilometer

lange Tour

Bei der Einweihung der Nieder-Seemer Wanderroute am Sonntagmorgen folgten mehr als 80 Interessierte dem stellvertretenden Ortsvorsteher Dirk Winter und dem Heimatforscher Erhard Müth auf der Hauptroute der 6,5 Kilometer langen Tour. Ein Alternativweg führt über 11,2 Kilometer. Beide Strecken sind mit ausführlichen Erläuterungen von Erhard Müth in der neuen kostenlosen Wanderbroschüre »Gederner Entdeckungen« beschrieben, die unter anderem im Kultur- und Tourismusbüro am Gederner Schloss erhältlich ist. Eingerichtet wurde die gut beschilderte Route mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten, Informationstafeln, weiten Ausblicken und idyllischen Rastplätzen vom Geschichtsverein Seemental in Kooperation mit dem Ortsbeirat und der Stadt Gedern.

Eindrucksvoll eröffneten Müth und Winter die Begehung an der 800 Jahre alten evangelischen Kirche im Ortskern mit ihren historischen »sprechenden« Grabsteinen, die in Inschriften vom Schicksal der Verstorbenen und ihrem Glauben berichten.

Die Sandsteine stammen vom alten Friedhof in Nieder-Seemen, der einst an der Kefenröder Straße lag und 1876 geschlossen wurde. Die Grabsteine datieren aus den Jahren 1715 bis 1845, sie erinnern sowohl an tragisch und früh verstorbene Kinder als auch an Erwachsene.

Am alten Steg mit früher häufig genutzter Furt berichtete Erhard Müth anekdotisch von einem unfreiwilligen Bad, das sein Opel Kadett um 1968 nahm, als er im Seemenbach stecken blieb.

Die Wasserversorgung war, ebenso wie die Energiegewinnung durch Windräder, während der gesamten Wanderung ein zentrales Thema, so am Alten Wasserbassin, das man ab 1849 durch 300 Meter lange Rohre mit dem Dorf verband, bevor man ab 1972, nach der Eingemeindung, an den Mittel-Seemer Brunnen angeschlossen wurde. Windräder stehen in Nieder-Seemen bereits seit 2001.

Idyllische Gewässer spielten auch am Feuchtbiotop Gänsweiher mit zahlreichen Pflanzen-, Vogel- und Amphibienarten sowie einem Biber als Hauptbewohner und am Standort der 1630 bis 1898 bestehenden Harzmühle eine Rolle.

Über den Abriss der Mühle verzeichnete einst Pfarrer Schmehl in der Ortschronik: »Im März 1898 wurde unterhalb Niederseemen die Harzmühle abgebrochen, nachdem sie von der Gemeinde Nieder-Seemen 1896 von dem Fürsten in Birstein gekauft worden, und von der Gemeinde nach Kefenrod verkauft.« Eine Informationstafel zeichnet in Gedichtform die Historie der Müller und den Niedergang der Mühle nach.

Abschluss am

»Guten Born«

Den Abschluss der zweieinhalbstündigen Runde bildete ein Besuch am heutzutage abgedeckten Nieder-Seemer »Guten Born«, einer einst weithin berühmten Heilquelle, die bereits ab 1550 belegt ist und deren Lage einem jungen Dorfbewohner namens Götz in drei eindrücklichen Träumen mitgeteilt worden sein soll. 1929 schrieb Lehrer Heusohn aus Lorbach in der Zeitschrift »Vogelsberger Heimat« einen ausführlichen Bericht über die Quelle, deren gesundheitsfördernde Wirkung vor allem aus gelöster Heilerde stammte. Der »Gute Born« sorgte zeitweise für regen Fremdenverkehr im Ort, inzwischen ist er aber verschlossen.

Die Wanderung mit mehreren gute organisierten Erholungs- und Trinkpausen, unter anderem an der Waldgrillhütte der Dorfgemeinschaft, endete am Festplatz, wo man den Sonntag mit einem Frühschoppen, Deftigem und Süßem zum Mittags- und Kaffeetisch sowie Attraktionen für die Kinder ausklingen ließ. VON INGE SCHNEIDER

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Die junge Band »New Age Rises« hat die perfekte Mischung aus Hardrock und mitreißenden deutschen Hits im Gepäck. © Ingeborg Schneider

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