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Gelungenes Benefizkonzert in Gedern

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Im Männerchor Liederkranz Usenborn sind unter der Leitung von Joachim Lotz mehrere Generationen aktiv. © Elfriede Maresch

Die Diakoniestiftung Büdinger Land hatte jetzt zu einem Benefizkonzert für Geflüchtete aus der Ukraine in die evangelische Kirche in Gedern eingeladen.

Die Sorge um die Menschen in der Ukraine, das Entsetzen über die Schrecken des Krieges und der Wunsch nach einer friedlichen Lösung - all das sollte in Gedern während eines Benefizkonzerts für Geflüchtete aus der Ukraine in der Musik seinen Ausdruck finden. Zudem sollten Mittel für eine schnelle und unbürokratische Hilfe zusammenkommen, betonte Kristina Humbroich vom Beirat der Diakoniestiftung Büdinger Land, die weit über 200 Zuhörer in der evangelischen Kirche begrüßte.

Bitte um Frieden

Die Idee hatten Pfarrer i. R. Kurt Walter Racky und der stellvertretende Beiratsvorsitzende der Stiftung, Reinhard Hauck, der sich um die Organisation kümmerte. Es sangen der Männerchor Liederkranz Usenborn (Leitung Joachim Lotz), das Bonifatius Ensemble Lißberg (Leitung Kurt Walter Racky) und die elfjährige Alisiia Skvortsova.

Zudem trat der Saxofonist Stepan Stepanyan auf. Krankheitsbedingt absagen musste der Männergesangverein Liederkranz Gedern.

»Herr, gib uns Frieden«: Mit einem sanften, eindringlichen Chorsatz von Karl-Josef Müller begrüßten die Usenborner Sänger das Publikum. Berührend folgte »Prayer of the children«, die Bitte der Kinder um Frieden, von Kurt Bestor schon während des Krieges in Jugoslawien komponiert. Dem »Gebet« von Jakov Gotovac mit der kraftvoll gesungenen Zeile »Nicht mehr vernichten von Gott gegebenes Leben« folgte »How great thou art«. Ein schwedisches Volkslied hatte Jim Clancy zu einem Lobgesang an die Allmacht Gottes weiterentwickelt. Einstimmig begannen die Tenöre, ehe sich das Stück in harmonischer Vierstimmigkeit entfaltete und auf einem hellen, freudigen Schlussakkord endete.

Das Bonifatus Ensemble brachte Verse des 116. und 118. Psalms, die der spanische Komponist Christobal de Morales für ein fünfstimmiges, verhalten-feierliches Klangbild genutzt hatte. Den Chorsatz »So seht nun zu, dass ihr vorsichtig wandelt« des Komponisten Siegfried Reda unterstrich es mit einer Wiedergabe, die zurückhaltend und eindringlich zugleich war. Der folgende Abschnitt »In dieser bösen Zeit« auf demselben Ton aller Stimmen, aber verschieden taktiert, war ein Klangbild des Destruktiven.

Wenige Tage nach der Zerstörung Dresdens im Februar 1945 komponierte der Kirchenmusiker Rudolf Mauersberger unter dem frischen Eindruck des Entsetzens die Trauermotette »Wie liegt die Stadt so wüst«. Eine Moll-Tonart, eine klagende, manchmal dissonante Siebenstimmigkeit und schließlich der dreimal wiederholte Aufschrei »Warum, Herr, willst du unser so gar vergessen?« - dem Eindruck dieses Stückes konnte sich kein Zuhörer entziehen.

Vom Pop-Song »You raise me up« gibt es mehrere Coverversionen. Stepan Stepanyan legte über die Playback-Einspielung eine eigene Saxofon-Improvisation in sehnsüchtiger Bewegung und holte sich lebhaften Beifall ab. Der Profimusiker hat in der Ukraine oft in Kirchen, aber auch im Bereich gehobener Unterhaltungsmusik gespielt. Zusammen mit Racky griff er eine Version des bekannten Hilliard-Ensembles auf und begleitete die Hymne »O salutaris hostia«, die das Bonifatius Ensemble vortrug, mit einer Saxofon-Improvisation. Erst elf Jahre alt ist Alisiia Skvortsova, die mit klarer heller Stimme und gelassener Selbstverständlichkeit zwei ukrainische Lieder sang.

Siebenstimmige Motette

Mit zwei lebhaften Gospels und dem Chorsatz »Schöne Nacht« war der Liederkranz Usenborn im zweiten Teil zu hören. Das Bonifatius Ensemble brachte »Du Friedefürst, Herr Jesu Christ«, komponiert von Bartholomäus Gesius in der Tonsprache der Spätrenaissance, in beeindruckender Harmonie zu Gehör und sorgte mit »Verleih uns Frieden gnädiglich« für eine Hommage an Heinrich Schütz zu dessen 350. Todestag. Die Gruppe schloss mit der anspruchsvollen siebenstimmigen Motette »Erhalt uns Herr, bei deinem Wort« von Günter Raphael mit sehr hoher Lage der Soprane im zweiten und einer unterschiedlichen Stimmführung im dritten Teil - eine überzeugende Darbietung.

Im Fürbittengebet erinnerte Pfarrer Ulrich Bauersfeld an die Gefallenen und Leidtragenden auf russischer wie auf ukrainischer Seite, unterstrichen durch den liturgischen Gesang »Requiem in aeternam« der beiden Chöre.

Mit dem vierstimmigen Chorsatz »Dank am Abend« von Robert Pracht, von den Frauen eine Oktave höher als von den Männern gesungen, und dem Dank an alle Aktiven, den Elfriede Pfannkuche vom Stiftungsbeirat aussprach, ging das Konzert zu Ende. VON ELFRIEDE MARESCH

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