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Gederner Narren erbeuten reichlich Moos

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Bei der Erstürmung des Rathauses müssen sich die Gederner Narren durch das mit Absperrbändern verbarrikadierte Treppenhaus kämpfen. © Oliver Potengowski

Mit sichtlichem Vergnügen haben die Gederner Karnevalisten am Freitag zum Auftakt der Faschingskampagne 2022/2023 das Rathaus gestürmt.

Sowohl die Narren vom Gederner Carneval Club als auch die Verteidiger aus der Verwaltung hatten am Freitag viel Spaß beim traditionellen Sturm auf das Rathaus, mit dem die Karnevalisten die Faschingskampagne 2022/2023 eröffneten. Bürgermeister Guido Kempel (parteilos) beklagte allerdings, dass sich zwei Stadträte auf die Seite der Angreifer geschlagen hatten. Diese sicherten sich als Trophäen den Rathausschlüssel und die Stadtkasse.

Gemeinsam mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hatte sich Kempel gründlich auf die Verteidigung des Rathauses vorbereitet. Die alten Schlosstreppen waren mit Absperr- und Klebebändern versperrt, die Aufzugstür zum Büro des Bürgermeisters mit Paletten verbarrikadiert worden. Kempel selbst lauerte mit einem Feuerlöscher im Fenster über der Eingangstür - bereit, jeden Angreifer mit einem Wasserstrahl zu vertreiben.

Böllerschläge und Gesänge

Doch nach zwei Böllerschlägen bahnten sich die Narren des Gederner Carneval Clubs unerschrocken und zügig den Weg ins Treppenhaus. Schnell waren auch die Absperrbänder auf den Stufen durchtrennt. Unter lauten »Jetzt geht’s los«-Gesängen stürmten die Truppen, angeführt von ihrem stellvertretenden Vorsitzenden Sascha Heerd, die ausgetretenen Treppen hinauf. Vor der Tür zu Kempels Büroräumen erwartete sie schließlich eine letzte Barrikade aus Kartons.

»Bewacht« wurde diese von der Schaufensterpuppe Brunhilde. In ihren Taschen verbarg sie Päckchen aus Klebeband, aus denen die Narren den Schlüssel zur Bürotür mühsam herausschälen mussten. Wobei einige Narren einen geschickten Angriff durch die Hintertür wählten. Nachdem sich Kempel mit den Verwaltungsmitarbeitern derart umzingelt sah, fiel auch deren Gegenwehr mit Spaten und Kleiderbügeln nur noch sehr zurückhaltend aus.

»Wir haben das Rathaus in Windeseile für uns eingenommen«, triumphierte Heerd und forderte die Herausgabe von Stadtkasse und Rathausschlüssel. Große Beute erwartete er angesichts der bekannten Investitionen in Feuerwehr und Kindergärten allerdings nicht. Sollte dennoch eine Kleinigkeit in der Kasse übrig sein, ließe sich damit sicher dem Narrenvolk etwas Gutes tun.

Heerd wies auf den für den heutigen Samstag ab 18.11 Uhr geplanten nächtlichen Umzug hin. Weil es neben dem Licht der beleuchteten Motivwagen auch Schatten gebe, erklärte er, dass die Karnevalisten dagegen mehr rote Nasen und jecke Lebenslust verordnen würden. Denn: »Wer schunkelt, lacht, froh und ausgelassen feiert, hat keinen Platz für negative Gedanken.«

Kempel widersprach Heerd: »Die Windeseile hat immerhin acht Minuten gedauert. So lange haben wir standgehalten.« Womöglich wäre der Widerstand erfolgreicher gewesen, hätten sich nicht die Stadträte Christian Ladner und Hans-Albert Menzel auf die Seite der Angreifer geschlagen. »Er hat den Schlüssel ausgepackt und ich habe aufgeschlossen«, freute sich Menzel über die gute Zusammenarbeit. Kempel sah darin hingegen einen Widerstreit der Interessen gemäß Paragraf 25 der Hessischen Gemeindeordnung.

Falsche Geldscheine

Ohne weiteren Widerstand übergab er Schlüssel und Kasse. »Ich verspreche, sie ist genauso prall gefüllt wie immer«, sagte er. Tatsächlich stellte der stellvertretende Vorsitzende nach dem Öffnen fest, dass die Geldkassette bis oben hin mit einigen wenigen (allerdings falschen) Geldscheinen und ansonsten mit Moos gefüllt war. Das könne man an Ostern immerhin zum Nester bauen verwenden, regte Menzel an. Kempel sprach die schwierige Zeit an, in denen die Narren die Herrschaft im Rathaus übernähmen. Umso mehr freue man sich auf die fünfte Jahreszeit. »Gerne gehe ich in Urlaub bis zum Aschermittwoch«, sagte der Bürgermeister. VON OLIVER POTENGOWSKI

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Stolz präsentiert der stellvertretende Vorsitzende des GCC, Sascha Heerd, die prall mit Moos gefüllte Stadtkasse. Außerdem hatte die Verwaltung auch noch einige falsche Geldscheine in die Kiste gepackt. © Oliver Potengowski
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Durch die Ernennung des Jugendprinzenpaares Jule I. und Noel I. ist das närrische Herrscherhaus mit dem Prinzenpaar Anna I. und Dominic I. sowie dem Mini-Prinzenpaar Alena I. und Luke I. vollständig. © Oliver Potengowski

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