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Gedern plant Ärzte-Coup

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Die Stadt Gedern plant, in der Schlossbergklinik ein Medizinisches Versorgungszentrum einzurichten. © Judith Seipel

In Gedern soll ein Medizinisches Versorgungszentrum mit mehreren Ärzten unter einem Dach entstehen - und zwar in der Schlossbergklinik. In den städtischen Gremien beginnen die Beratungen.

In Gedern beobachten die Entscheidungsträger im Rathaus bereits seit geraumer Zeit die Entwicklung der niedergelassenen Ärzte in der Stadt. Einige von ihnen sind schon sehr lange mit großem Engagement und vielen Patienten tätig, gehen in absehbarer Zeit aber in den Ruhestand.

Erster Stadtrat Herbert Weber (FWG) sagt: »Das kann ein gewaltiges Problem werden. Da müssen wir zeitnah gegensteuern, um die medizinische Nahversorgung unserer Bürger auch künftig sicherzustellen.« Er wisse, dass es nicht die Aufgabe der Politik sei, ein Medizinisches Versorgungszentrum einzurichten, doch wenn das möglich sei, müsse man die Chance nutzen. Weber verweist darauf, wie schwer es mittlerweile ist, junge Ärzte für Praxen auf dem Land zu gewinnen, das sehe man ganz aktuell am Beispiel Büdingen. Dort hat sich mit Dr. Peter Itzel eine Hausarzt-Institution aufs Altenteil zurückgezogen. Trotz intensiver Bemühungen gelang es ihm nicht, einen Nachfolger für die Praxis mitten in der Stadt zu finden.

Die Folge war, dass etliche Patienten nur mit größter Anstrengung eine andere Praxis fanden oder noch dabei sind, irgendwo unterzukommen. Die Not, vor der schon lange gewarnt wurde, gerät mehr und mehr zur Realität und damit zum Albtraum.

In Gedern wollen die Verantwortlichen vorbeugen. Bürgermeister Guido Kempel (parteilos) sagt: »Das erwarten die Menschen von uns. Einzelpraxen haben offenbar keine Zukunft mehr.«

Führung durch Gederner Arzt

Und so fiel der Blick schnell auf eine Immobilie, die beste Voraussetzungen für ein Medizinisches Versorgungszentrum mitbringt. Das soll jungen Medizinern Anreize bieten, sich dort einzubringen.

Derzeit befindet sich im Erdgeschoss die internistische Praxis von Dr. Marc Scharmann sowie im zweiten Stock die Praxis für Hämato-Onkologie von Dr. G.-André Banat und Dr. Johannes Atta. Sie werden dort, so ist der Stand jetzt, unter der Regie des GZW bleiben, auch wenn die Stadt das Gebäude kaufen sollte, um alle übrigen Bereiche für ein gesondertes MVZ umzustrukturieren.

Doch wer hat dort den Hut auf? Vorgesehen ist, dass der Gederner Arzt für Allgemeinmedizin, Christopher Bunzek, in das Krankenhausgebäude umzieht und die Federführung des MVZ übernimmt. Zu ihm soll sich der Kollege Minh Nguyen gesellen, der bereits am Büdinger Mathilden-Hospital als Viszeralchirurg viel Anerkennung fand, nun eine weitere Spezialausbildung zum internistischen Facharzt absolviert und dann in dieser Ausrichtung bei Bunzek andocken soll.

Das war es dann aber schon. Für CDU-Stadtrat Heinrich Orth arg wenig. »Medizinisches Versorgungszentrum - bei einer solchen Bezeichnung erwartet doch jeder zu Recht, dass ein breites Spektrum medizinischer Disziplinen vorgehalten wird. Nur eine internistische Versorgung mit einem Matador scheint mir als MVZ nicht vermittelbar.«

Geld im aktuellen Haushalt eingestellt

Außerdem ist zu hören, dass die Forderung von Bunzek an die Stadt bezüglich seiner eigenen Praxis im finanziellen Bereich (und zwar bei der von ihm angedachten Mietbefreiung) starker Tobak sei. Andere verweisen darauf, dass der Mann auch ein beachtliches Risiko eingehe, wenn er Ärzte anstelle.

Für Ersten Stadtrat Herbert Weber sind das Probleme, die gelöst werden können. Und zwar dann, wenn Fakten geschaffen wurden. Die Verhandlungen mit GZW-Geschäftsführer Dr. Dirk M. Fellermann und Landrat Jan Weckler (CDU) sind nach Auskunft von Weber auf einem guten Weg.

Und auch andere Probleme befinden sich dem Vernehmen nach auf einem fortgeschrittenen Weg zu einer für alle akzeptablen Lösung. Dabei geht es insbesondere um die Frage, wohin mit den geflüchteten Menschen, die derzeit in der Schlossbergklinik untergebracht sind.

Bürgermeister Kempel, der für seine realistische Sicht der Dinge bekannt ist, sieht jedenfalls eine gute Möglichkeit, die wichtige Zukunftsfrage der medizinischen Nahversorgung in eigener Regie zu beantworten. Im aktuellen Haushalt sei bereits ein finanzieller Posten eingestellt worden. »Das muss in den städtischen Gremien allerdings erst noch behandelt werden«, betont er.

Das fängt am kommenden Montagabend an, wenn sich der Haupt- und Finanzausschuss dem Thema in einer öffentlichen Sitzung widmet.

Ein Krankenhaus im herkömmlichen Sinne ist die Schlossbergklinik Gedern schon lange nicht mehr. Nur noch die beiden GZW-Praxen von Dr. Marc Scharmann sowie Dr. G.-André Banat und Dr. Johannes Atta versehen dort aktuell ihren Dienst. Auch ein DRK-Rettungswagen hat am Haus angedockt. Die Bettenstation ist seit geraumer Zeit dicht, stationäre Behandlungen finden im Kreiskrankenhaus in Schotten statt. Unter der Regie des Wetteraukreises haben in der Schlossbergklinik seit November Flüchtlinge ein Obdach gefunden. Dafür hat der Landkreis den gesamten ersten Stock vom GZW angemietet und bis zu 53 Plätze geschaffen (der Kreis-Anzeiger berichtete). Erster Stadtrat Herbert Weber (FWG): »Diese Menschen sollen woanders untergebracht werden. Wir haben schon klare Zielvorstellungen.« Zum einen stünden private Immobilien in der Kernstadt im Fokus, zum anderen aber auch das Feriendorf am Gederner See. VON MICHAEL GIERS

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