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Ein Obdach in der Gederner Schlossbergklinik

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Von: Christian Berg

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In der ehemaligen Bettenstation der Gederner Schlossbergklinik schafft der Wetteraukreis 53 Plätze für Geflüchtete. ARCHIV © Oliver Potengowski

Ab der kommenden Woche werden Geflüchtete in einem leer stehenden Stockwerk der Gederner Schlossbergklinik Obdach finden. Die sozialarbeiterische Betreuung der Menschen wird die Stadt Gedern übernehmen.

Flüchtlinge werden ab der kommenden Woche in die ehemalige Bettenstation im ersten Stock der Schlossbergklinik in Gedern einziehen. Insgesamt werden dort nach Angaben des Wetteraukreises in Absprache mit dem Gesundheitszentrum Wetterau (GZW) und der Stadt Gedern 53 Plätze geschaffen. Dafür hat der Landkreis den gesamten ersten Stock vom Eigentümer der Schlossbergklinik, dem GZW, angemietet.

Das Krankenhaus bekam im Zuge einer Umstrukturierung 2019 einen Schwerpunkt in der ambulanten und tagesklinischen Versorgung. Um dafür Raum zu schaffen, wurden die noch vorhandenen Betten, deren Auslastung nach den damaligen Angaben des GZW in den Jahren davor kontinuierlich gesunken war, in Absprache mit dem Land Hessen und den Krankenkassen an das Kreiskrankenhaus Schotten übertragen. In der Schlossbergklinik wurden anschließend keine Patienten mehr stationär behandelt.

Sozialarbeit: Stadt will aufstocken

Im Erdgeschoss befindet sich die internistische Praxis von Dr. Marc Scharmann, im zweiten Stock die Praxis für Hämato-Onkologie von Priv.-Doz. Dr. G.-André Banat und Dr. Johannes Atta. Die ehemalige Bettenstation im ersten Stock wurde laut GZW noch für teilstationäre Bereiche genutzt, »aber das können wir auch anders lösen«, erklärt der Krankenhausverbund auf Anfrage des Kreis-Anzeigers. An der Klinik gibt es zwei Eingänge, sodass Patienten und Geflüchtete das Gebäude separat betreten können.

Bereits im Frühjahr waren kurz nach dem Beginn des Ukraine-Krieges zwei geflüchtete Familien mit Corona-Verdacht kurzzeitig in der Schlossbergklinik zu Hause. Sie blieben in Gedern, die Stadt brachte sie unter. Bei dem Krankenhaus handelt es sich laut Kreis nicht um eine Notunterkunft wie etwa die Waldsporthalle in Oberau. »Wir hatten die Räume schon länger auf dem Radar und setzen die Unterbringung nun mit dem GZW und der Stadt Gedern um«, erklärt Kreis-Pressesprecherin Deliah Eckhardt auf Anfrage. Die Unterkunft sei nicht für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine vorgesehen, sondern für Menschen, die aus den übrigen Krisengebieten in die Wetterau kommen. Es seien noch kleinere Umbaumaßnahmen notwendig, wie etwa der Einbau zusätzlicher Küchen.

Die sozialarbeiterische Betreuung der Menschen wird die Stadt Gedern übernehmen. Sie ist eine von fünf Wetterauer Kommunen, die einen entsprechenden Vertrag mit dem Landkreis abgeschlossen haben. »Wir hatten uns ja vor einigen Jahren dazu entschieden, die Betreuung selbst in die Hand zu nehmen, weil die Betreuung durch den Kreis nach der Flüchtlingswelle 2015 mehr schlecht als recht war«, erinnert Bürgermeister Guido Kempel (parteilos). Daher stellte die Stadt die Sozialarbeiterin Elisabeth Schick ein.

Weil Schick im Rathaus aber noch andere Aufgaben hat, wird die Stadt laut Kempel über eine Ausschreibung noch eine »helfende Hand« suchen. »Das muss nicht zwingend ein studierter Sozialpädagoge oder eine studierte Sozialpädagogin sein, das kann auch eine sozial engagierte Person sein«, erklärt der Rathauschef. Vorgesehen sei eine Arbeitszeit von 25 Stunden pro Woche.

Dass Schick entlastet werde und sich ein Team um die Sozialarbeit kümmere, sei wichtig, betont der Bürgermeister. Denn: In der Kernstadt und den Stadtteilen lebten jetzt schon etwa 80 Geflüchtete, mit den weiteren 53, die in der Schlossbergklinik unterkommen sollen, wären es dann 130. »Wir wollen durch eine gute Betreuung soziale Spannungen vermeiden. Bislang hat das funktioniert«, betont Kempel.

Unkomplizierte Zusammenarbeit

Die Zeiten seien schwierig, sowohl für die Kommunen als auch für den Landkreis. Er verstehe den Landrat und den Kreis, die mit dem Rücken zur Wand stünden, sagt Kempel. Dank der Unterbringung in der Schlossbergklinik leide immerhin weder der Schul- noch der Vereinssport - zumindest vorerst. »Die Lage ist extrem dynamisch, ich kann nicht ausschließen, dass irgendwann mal Menschen in der Sporthalle untergebracht werden müssen«, sagt der Bürgermeister.

»Für mich ist es selbstverständlich, dass wir den Landrat jederzeit und gerne bei der Unterbringung von Geflüchteten unterstützen«, sagt GZW-Geschäftsführer Dr. Dirk M. Fellermann.

Landrat Jan Weckler (CDU) wiederum bedankt sich für die unkomplizierte Zusammenarbeit mit dem Gesundheitszentrum und der Stadt Gedern. »Ich bin froh, dass wir in der Schlossbergklinik über 50 Plätze schaffen konnten. Dennoch bleibt die Lage bei der Flüchtlingsunterbringung weiter äußerst angespannt«, sagt er. VON CHRISTIAN BERG

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