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175 Jahre evangelische Kirche Gedern: Ein Leuchtturm Gottes

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Der Kirchen- und der Gospelchor treten gemeinsam unter der Leitung von Volker Bilz auf. © Elfriede Maresch

Eine Kirche ist nicht nur ein historisches Gebäude, sondern auch ein spiritueller Raum. Das wurde während des Gottesdienstes zum 175-jährigen Bestehen der evangelischen Kirche in Gedern deutlich.

Mit einem Festgottesdienst ist in Gedern das 175-jährige Bestehen der evangelischen Kirche gefeiert worden. Pfarrerin Kerstin Hillgärtner erinnerte in ihrer Predigt, der der Lesungstext »Jakob sieht den Himmel offen stehen. Auch an gewöhnlichen Plätzen können wir Gott begegnen, kann das Licht Gottes in unseren Alltag fallen« zugrunde lag, an Ereignisse aus der Geschichte des Gotteshauses. D azu gehörten unter anderem der Einsatz der Feuerwehr beim Brand 2004 und das gemeinschaftliche Zusammenwirken, um den Kirchenraum wieder würdig zu gestalten.

»Wer eine Kirche baut, steht für christliche Werte, baut für Menschen, baut für Gott«, sagte Hillgärtner. Aber Kirche dürfe kein abgeschlossener Raum sein. »Wir müssen hinaus gehen, Menschen finden«, befand die Pfarrerin.

Ein Ort, um Gott zu begegnen

Sie wies auf das Gemeindesofa hin, das schon Erzählsofa, Sofa des Klagens oder Sofa des freundschaftlichen Austauschs gewesen sei. Vielleicht könne es auch während des Nickelches-Määrts draußen stehen, als ein Element von »Kirche bei den Menschen«.

Hillgärtner schloss: »Möge auch in Zukunft diese Kirche ein Ort sein, Gott zu begegnen.«

Dekanin Birgit Hamrich erinnerte an die Ersterwähnung einer Kirche in Gedern im Jahr 797 und an die Nachfolgebauten, die »Gottes Wegmarken und Leuchttürme« gewesen seien, auch deshalb, weil sich dort Menschen gegenseitig Hilfe geleistet und für die Gemeinschaft eingesetzt hätten. So wünschte Hamrich, dass »Gottes Geist auch in diesen krisenhaften Zeiten bei uns bleibt und die Menschen, die kommen, den Segen spüren, der von diesem Ort ausgeht«. Die Liturgie gestalteten Pfarrer Burkhard Zentgraf und Pfarrerin Kerstin Hillgärtner, die als Lesung die Vision Jakobs von der Himmelsleiter im Alten Testament wählte.

Außerdem hatte die Pfarrerin eine Frau um ein Votum zum Thema »Meine Kirche« gebeten, die seit der Nachkriegszeit in der Gemeinde aktiv ist: Annemarie Emmel. »Mit meinen fast 91 Jahren bin ich ein Urgestein«, sagte die Seniorin. 1948 übernahm sie nach Erika Reitz-Buß den Orgeldienst. Sie hat Hunderte von Gottesdiensten und Kasualien musikalisch mitgestaltet, ehe sie vor einigen Jahren in den Ruhestand ging. Ebenso war sie Jahrzehnte lang Gemeindesekretärin und Kirchenchormitglied. »Es war ein Glück, dass ich so nah bei der Kirche wohne«, meinte sie, um dann ein schönes Fazit zu ziehen: »Ich habe Freud und Leid in der Gemeinde erlebt, bewegende Gottesdienste und vielerlei Musik. ›Dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat‹ ist mein Motto.«

Das Fürbittegebet sprachen Markus Meier, Kornelia Wagner von der katholischen Kirchengemeinde und Pfarrerin Hillgärtner. Kirchenvorsteherin Heidemarie Meuer-Kehm dankte allen, die den Gottesdienst mitgestaltet hatten, insbesondere auch Andreas Tetzlaff, der aus einstündiger Entfernung regelmäßig kommt, um die Kirche zu schmücken. Dieses Mal hatte er Sonnenblumen, Erika und Herbstlaub gewählt, satte herbstliche Farbakzente auf dem Altar und davor. Für die musikalische Begleitung sorgten der Posaunenchor unter der Leitung von Dietmar Schultheis, Sarah Becker an der Orgel sowie der Kirchen- und der Gospelchor gemeinsam unter der Leitung von Volker Bilz. Kirchenvorstandsvorsitzender Bernd Vonalt hieß die vielen Besucher willkommen.

Besonderer Film über die Kirche

Anschließend waren alle Gäste zum Empfang im Gemeindehaus eingeladen. Während des Kaffeetrinkens wurden die Grußworte spezieller Gäste abgespielt, die zuvor digital aufgezeichnet worden waren. Gederns langjähriger Pfarrer Hans-Jürgen Riewe sprach vor dem alten Uhrwerk im Kirchenvorraum, Bürgermeister Guido Kempel appellierte in seinem Amtszimmer an den Zusammenhalt in Kirche und Gesellschaft. Der katholische Pfarrer Hendrik Jolie brachte mit Kornelia Wagner ein Ständchen, es sangen die Kinder der evangelischen Kindertagesstätte »Arche Noah«.

Nach Grußworten von Philipp Konstantin zu Stolberg-Wernigerode und Pfarrer Kurt Johann gab es »Kirche einmal ganz anders« zu sehen: aus der Luft mit Blick auf die Dachlandschaft, aber auch im Innenraum aus vielen ungewöhnlichen Perspektiven und mit Details, die oft übersehen werden. Maurice Haas aus Ober-Seemen hatte den Film gedreht, die Zuschauer applaudierten begeistert. VON ELFRIEDE MARESCH

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