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Johanna Maria Voss und die Einhörner

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Dieses Bild zeigt die Fabelwesen im jugendlichen Flegelalter beim gemeinsamen Abhängen. © Ingeborg Schneider

Sie schwimmen, sie kuscheln in Großmutters Pelz und lassen sich Märchen vorlesen: Einhörner führen in den Werken der Stammheimer Illustratorin Johanna Maria Voss ein Leben in Freiheit.

Johanna Maria Voss ist vielseitig kreativ: Sie ist Diplom-Designerin, Autorin und Kabarettistin. An drei Augustwochenenden öffnet die Illustratorin aus Stammheim jetzt ihr Atelier im Garten ihres Fachwerkhauses in der Stammheimer Schlossstraße, um Besuchern die magische Welt der Fabeltiere in limitierten Drucken, Originalen und Postkartenformaten zugänglich zu machen.

» Vom Leben der Einhörner« heißt die Ausstellung mit aktuellen Arbeiten aus den vergangenen beiden Jahren der Pandemie, die durch einige eindringliche Landschaftsgemälde aus der Gegend um Stammheim ergänzt werden.

Bunt, quicklebendig, überraschend, humorvoll und ironisch präsentiert sich das Leben der Einhörner, das Voss farbig und überbordend in ihren Arbeiten zwischen digitaler und analoger Bearbeitung in Szene setzt.

»Fertig sind diese Bilder nie, ich kann sie jederzeit wieder am Rechner oder handwerklich mit Farben und Stiften überarbeiten«, sagt die Künstlerin. Allein die Titel ihrer Einhorn-Werke eröffnen Geschichten und ganze Welten: »Des Abends trafen sich die jungen Einhörner zum grimmig Gucken und Ohrenhängenlassen« heißt ein Grup- penbild, das die Fabelwesen im jugendlichen Flegelalter beim gemeinsamen Abhängen zeigt.

»Das Schwimmen mit Tristan gehörte zu Isoldes schönsten Erinnerungen«, »Einhorns Märchenstunde« und »Die ersten Tage waren beängstigend, aber zum Glück hatten sie mich auf Großmutters Pelz gesetzt« mit einem erschrocken bis überrascht dreinblickenden Jungtier sind weitere inhaltsreiche Titel, die das Eintauchen in die offenen, wilden Zeiten von Kindheit, Jugend und Aufbruch mit all ihren Möglichkeiten ermöglichen.

»Das Einhorn hat mich gefunden, nicht umgekehrt«, sagt Voss. Die 1959 in Hamburg geborene Künstlerin wählte bereits in ihrer Jugend am Georg-Büchner-Gymnasium Bad Vilbel mit Überzeugung und Leidenschaft den Leistungskurs Kunst und absolvierte im Anschluss an ihr Abitur den Studiengang »Visuelle Kommunikation« mit dem Schwerpunkt Illustration an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach.

Nach vielseitig kreativen Jahren, in denen aber auch die Werbegrafik sowie Auftragsillustrationen für Erwachsenen- und Kinderbücher zur Sicherung des Lebensunterhaltes im Vordergrund standen, sei sie nunmehr, auch unter dem Eindruck des Rückzugs durch die Pandemie, zu ihrer eigentlichen Bestimmung und Lebensaufgabe zurückgekehrt: »Ich stelle nur noch die Kunst in den Mittelpunkt«, stellt Voss mit Bestimmtheit fest. Der Anstoß zu ihren Einhornsequenzen kam aus ihrer Twitter-Kunstklasse. »Wir spielen uns dort gegenseitig die Inspirationen zu«, berichtet die Künstlerin, »sei es zum Beispiel ›Mein Leben im Bild‹, ›Porträt aus Kindertagen‹ oder eben ›Monster erfinden‹.«

Das letztgenannte Thema traf bei Voss ins Schwarze: Sie hat an die Impulse ihrer Jugendzeit angeknüpft, ihre Kreativität und die vielen Geschichten, Interpretationen von Liedern und Gedichten, Fotografien und Landschaften, die in ihr sind, einfach fließen lassen. »Jetzt sind meine Fabeltiere in der Welt, und vielleicht gefallen sie«, sagt Voss, die zugleich entspannt betont, dass sie sich und den Mitmenschen nichts mehr beweisen möchte.

Sie freut sich auf Ausstellungsbesucher, die den Weg in ihr kleines Atelier im Naturgarten finden und sich die Welt der Einhörner anschauen wollen.

Die Ausstellung »Vom Leben der Einhörner« mit rund 60 Motiven, zu denen es auch einen Katalog gibt, ist geöffnet an den Wochenenden 6. und 7., 13. und 14., 20. und 21. sowie am 27. und 28. August, jeweils ab 10 Uhr bis etwa 18 Uhr. Das Atelier befindet sich in der Schlossstraße 4 in Stammheim. Anmeldungen werden per E-Mail an joh@johannavoss.de oder telefonisch unter der Rufnummer 01 51/ 67 70 56 17 erbeten. VON INGE SCHNEIDER

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