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Evangelisch-Lutherische Kirche in Eichelsachsen birgt ein Geheimnis

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rueg_KA-Eichelsachsen-Ki_4c © Corinna Willführ

Sie ist gut erforscht und doch mit einem Geheimnis verbunden: Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Eichelsachsen ist 300 Jahre alt. Aber wann die offizielle Einweihung war, darüber ist in den Archiven nichts zu finden.

Die Jahreszahl ist in Stein gemeißelt: 1722 steht über dem seitlichen Eingang der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Eichelsachsen.

Mit ihrer Fachwerkkonstruktion ist das 300 Jahre alte Gotteshaus in dem heutigen Stadtteil von Schotten ein Kleinod der protestantischen Kirchen im Vogelsberg. Eines, das zum einen gut erforscht ist, zum anderen doch noch seine Geheimnisse hat. Denn im Kirchenarchiv wurde bislang kein Datum seiner Einweihung gefunden.

Eleonore Merkel ist seit 2017 Pfarrerin im Kirchspiel Eichelsachsen, Wingershausen und Eschenrod, das rund 1250 Gemeindemitglieder zählt und gleich zwei besondere Kirchen hat: den Basaltbau in Wingershausen und den barocken Fachwerkbau in Eichelsachsen.

An letzteren hat die Pastorin schon Erinnerungen aus früher Kindheit. »Ich bin in Kirtorf aufgewachsen. Um Verwandte im Forsthaus in Glashütten-Streithain zu besuchen, machten wir öfter einen Familienausflug.« Damals eine lange Reise für ein Kind.

Früher Sehnsuchtsort

»Als wir vor der Kirche in Eichelsachsen waren, wusste ich, dass es nicht mehr weit ist. So war es schon früh ein Ort meiner Sehnsucht.« Beeindruckte das sakrale Gebäude sie damals von außen, ist es heute der Innenraum mit seinem Rippengewölbe und den Tafelbildern, den sie besonders schätzt: »Außerdem ist die Akustik klasse. Und in dem hellen, lichten Saalbau hat man das Gefühl, dass sich einem der halbe Himmel auftut.«

Bewusst predigt Eleonore Merkel von der Kanzel, »um auch die Menschen auf der Empore sehen zu können.« 200 Seiten umfasst das »Handbuch zur Denkmalpflegeforschung«, in dem die Sanierung des Gotteshauses als Pilotprojekt des Bundesministeriums für Forschung und Technologie 1994 dokumentiert wurde.

Was die Dorfkirche unter ihresgleichen hervorhebt, sind unter anderem die 1961 freigelegten Fachwerk-Mann-Figuren, Winkelhölzer und Kurzstreben, die »so angeordnet sind, dass sie von außen eher einen zweigeschossigen Bau vermuten lassen«, schreibt Diana Wetzestein in einem Beitrag für die Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte.

Frühere Kapelle nachgewiesen

Auch die Orgelempore ist eine Besonderheit. Sie ruht über einem steinernen Altar auf zwei Säulen. Indes: Die Evangelisch-Lutherische Kirche ist nicht der erste Sakralbau an dieser Stätte.

Aus dem 16. Jahrhundert gibt es Nachweise für eine Kapelle. In seinem Reisehandbuch »Fachwerkkirchen im Vogelsberg« schreibt Rainer Schmid dazu: »Sie ersetzte eine altersschwache Kapelle aus der Reformationszeit« und »ersparte fortan den Weg zum Gottesdienst zur Pfarre in Wingershausen.«

Karin Zinnel, viele Jahre Küsterin der Kirchengemeinde, hat einen großen Fundus an Informationen über das Gotteshaus zusammengetragen.

»20 alb (Alben) hat Kirchenbaumeister Joh. Henr. Engel m. d. Zimmermann von Bindsachsen verzehrt, als er für den neuen Kirchenbau gedingt werden sollte.« Der Zimmermann aus Wallenrod, »dem die neue Kirche zu machen verdingt worden«, hat gar »1 Gulden an Weinkauf vertrunken.« Der Steindecker, der nachweislich 1722 »uff den Thrum als derselbe das Creutz aufgesteckt«, erhielt Mahlzeit, Bier und Branntwein.«

Gruften bei Sanierung entdeckt

Ein Datum für die Einweihung hat Karin Zinnel nicht gefunden. Auch Stephen Porter, der das Kirchenarchiv aufgearbeitet und ein Findbuch erstellt hat, ist nicht fündig geworden. 100 Jahre, 200 Jahre: »Mir ist nicht bekannt, das eines dieser Jubiläen gefeiert wurde«, sagt Eleonore Merkel. Das 300-jährige Bestehen soll indes 2023 gewürdigt werden, wie der Kirchenvorstand jüngst beschlossen hat.

Und da wären noch die Gruften, die bei der jüngsten Sanierung der Kirche 2011 entdeckt wurden. Karin Zinnel hat deren Freilegung wie in einem Tagebuch dokumentiert. Ihr Mann Horst Zinnel, damals Vorsitzender des Kirchenvorstands, hat die dazugehörigen Fotos gemacht.

Karin Zinnel: »Alle Vermutungen legen nahe, dass die Bestatteten in Verbindung mit dem Jagdschloss Zwiefalten standen, das zur gleichen Zeit wie die Kirche erbaut wurde.« Hinweise, dies zu belegen, könnte eine Nachforschung im Sterberegister der Kirchengemeinde geben. Bis zum nachgeholten Jubiläum 2023 bestünde Gelegenheit, diese »Lücke in der Kirchengeschichte« zu schließen.

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