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Mahnung zur Verantwortung

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Sieglinde Huxhorn-Engler, Katja Euler, Benjamin Harris und Liam Ulrich mahnen mit weiteren Bürgern, die an der Gedenkveranstaltung teilnehmen, dass die Erinnerung an den Holocaust bedeute, gegen Ausgrenzung und für die Würde jedes Menschen einzutreten. © Oliver Potengowski

Büdingen (ten). Am Mahnmal für aus Büdingen vertriebene, verschleppte und ermordete jüdische Mitbürger hat eine kleine Gruppe von Büdingern am Freitag der Opfer des Holocaust und der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz gedacht. Erste Stadträtin Katja Euler forderte die Teilnehmer auf, die Botschaft der Veranstaltung auch denen nahe zu bringen, die weniger Bezug zu dem Thema haben.

Die Klezmer-Melodien, die das Odeon Orchestrion spielte, erinnerten daran, dass die jüdische Kultur in Deutschland, die durch die Nationalsozialisten vernichtet wurde, nicht nur aus Wehmut bestand. Dementsprechend waren jiddische Gesänge zu hören, die unter anderem lustige Szenen einer Hochzeit beschrieben.

Das Mahnmal nennt alle 149 Juden, die Büdingen verlassen mussten, mit Namen. »Damit soll deutlich werden, dass wir von Menschen reden, die unsere Nachbarn hätten sein können«, erläuterte Sieglinde Huxhorn-Engler. Bürgermeister Benjamin Harris wies darauf hin, dass mit jedem Namen und den unzähligen Opfern des Nationalsozialismus Schicksale, zerstörte Hoffnungen, persönliche Beziehungen und verloren gegangene Seelen verbunden seien.

Verpflichtung für die Zukunft

Euler hob die Ambivalenz des Gedenktags hervor. Die Befreiung von Auschwitz stehe für den Sieg über den Nationalsozialismus, zugleich aber auch für die vielen Opfer der Diktatur. Dabei werde in diesem Jahr besonders auch der von den Nationalsozialisten verfolgten homosexuellen Menschen gedacht.

»Maul halten - raushalten - aushalten« nannte sie als Grundsätze »von zu vielen guten Bürgern, die mit ihrem Wegschauen und Nicht-Wissen-Wollen diese Politik ermöglichten«. Es gelte heute, »Brücken in die Vergangenheit« zu schaffen. Denn Demokratie- und Menschenfeindlichkeit, Diskriminierung und Ausgrenzung gewännen täglich an Raum in der Gesellschaft. Insbesondere der Kinder- und Jugendbeirat, der an der Gedenkveranstaltung teilnahm, mache deutlich, »dass wir Erinnerung nicht als Vergangenheitsgefängnis, sondern als Verpflichtung für die Zukunft verstehen«.

Beiratsvorsitzender Liam Ulrich erklärte, dass es eine Verpflichtung auch seiner Generation sei, die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Verantwortung dafür, dass sich diese nicht wiederholten, an folgende Generationen zu überliefern. Auch er habe sich früher gefragt: »Was hat das mit mir zu tun?« Doch die Begegnung mit Menschen, die den Holocaust überlebt haben, und der Besuch von ehemaligen Konzentrationslagern hätten eine große Wirkung auf ihn und seine Schulkameraden gehabt.

»Wir müssen uns erinnern, wir müssen unsere Demokratie bewahren«, forderte Euler. Harris ergänzte: »Wir müssen uns dafür einsetzen, dass jeder Mensch mit Respekt und Würde behandelt wird.« Das gelte unabhängig von Nationalität, Religion, sexueller Orientierung oder politischer Überzeugung. Es sei eine gemeinsame Verpflichtung, »für eine Zukunft einzustehen, in der Vielfalt und Toleranz geachtet werden«. Euler betonte die individuelle Verantwortung jedes einzelnen, die in dem Motto des Vereins »Demokratie leben« für dieses Jahr deutlich werde: »Es fängt mit Dir an.«

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