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Ehrenamtliche für Museen in Büdingen dringend gesucht

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Arnika Haury vom Tourismus-Büro und Bürgermeister Benjamin Harris (2. v. r.) sichern den Vertretern der Büdinger Museen Bernd Petri, Maximilian Franz, Werner Köhler, Fritz Albert, Karl-Wilhelm Marth, Lothar Keil und Joachim Cott Unterstützung zu. © Oliver Potengowski

Die Museumslandschaft in Büdingen ist vielfältig. Doch die Arbeit ruht auf den Schultern einiger engagierter Bürgerinnen und Bürger. Die werben nun für mehr Unterstützung durch weitere Ehrenamtliche.

Eine einzigartige Museumslandschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten in Büdingen entwickelt. Doch um die Ausstellungen weiter attraktiv zu halten und in die Zukunft zu führen, sind engagierte Helfer notwendig. Bei einem Treffen in der Stadtverwaltung haben Vertreter der sechs Museen eine engere Zusammenarbeit mit der Stadt und untereinander vereinbart.

Die Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser von 2021 haben viele Probleme noch einmal deutlich gemacht. Lothar Keil vom Sandrosenmuseum berichtet, dass es nicht einfach sei, Handwerker zu bekommen. Bürgermeister Benjamin Harris bietet an, dass gerade auch bei kleineren Arbeiten der Bauhof unterstützend helfen könne.

Dazu gibt es verschiedene Ideen, wie die Museen noch besser beworben werden können. Harris kündigt an, dass eine Filmdokumentation über die Museumsgründer in Arbeit sei. Aber: »Eigentlich sollten wir einen Film über die Museen drehen.«

Museen in Kurzfilmen vorstellen

Für jedes Museum jeweils ein Kurzfilm, in dem es mit seiner Sammlung und seiner Entstehungsgeschichte vorgestellt wird, könnte auch von den Museen auf ihren Internetseiten genutzt werden. Zusätzliche Besucher könne auch ein engerer Kontakt mit den Schulen der Region bringen.

Doch eigentlich fehlt es den Museen nicht an Besuchern. Fritz Albert beschreibt, wie begeistert gerade auch jüngere Besuchergruppen sind, wenn er gemeinsam mit ihnen im Metzgermuseum Wurst macht. Joachim Cott, Vorsitzender des Geschichtsvereins, berichtet, dass die Ausstellung des Heuson-Museums gezielt an junge Besucher angepasst worden sei.

»Wir haben den ganzen Erdgeschossbereich danach aufgebaut, was in den Schulen in den Jahrgangsstufen acht bis elf unterrichtet wird.« Internetlinks helfen, das Wissen bei Interesse zu vertiefen. Auch das 50er-Museum kann seit Jahren auf hohe Besucherzahlen stolz sein.

Bernd Petri, als Vorsitzender des Trägervereins Nachfolger von Walter Arbeiter, ruht sich aber nicht auf diesen Erfolgen aus. »Wir sind gerade daran, unsere ganze Präsentation umzubauen.« Denn der Verein hat beobachtet, dass auf die Generation, die in den 50er-Jahren aufgewachsen ist, jüngere Besucher folgen.

Diese können mit Stars wie Connie Froboess oder Hazy Osterwald und Exponaten aus deren Leben nicht mehr viel anfangen. Also müssen neue didaktische Ansätze her.

Kreative Ansätze zahlen sich aus

Im Tante-Emma-Laden erläutert der Verein deshalb, dass Nachhaltigkeit nicht erst im 21. Jahrhundert erfunden wurde. »Wir fangen gerade an, ein 50er-Jahre-Smartphone zu bauen«, schmunzelt Petri. »Das wird ein Riesenschrank mit Schreibmaschine und Telefon.«

Solche kreativen Ansätze zahlen sich offenbar aus. »Wenn die Leute neugierig sind, das Thema für sich entdecken. Dann ist auch ganz schnell das Interesse da, sich zu engagieren.« Einige Besucher, die von der Ausstellung und Arbeit des 50er-Jahre-Museums begeistert wurden, arbeiten inzwischen im Verein mit.

Maximilian Franz, Vorsitzender des Modellbauclubs und Beisitzer Werner Köhler berichten, dass manchmal Kontakte über die Beratung zu Modellbausätzen, die sich Besucher gekauft haben, entstehen. Erfahrungen, die auch Lothar Keil gemacht hat.

»Jedes Kind, das zu mir kommt, bekommt ein Sandröschen oder einen polierten Stein geschenkt«, erzählt er. »Viele kommen dann zu mir und bringen Steine mit, die sie gefunden haben.« Einige Kinder hätten sich schon ganze Steinsammlungen angelegt. »Es geht darum, in Beziehung zur Natur zu bleiben.«

Patenschaften für Geotope

Dennoch stellt er fest: »Es ist schwer, die Leute zum Ehrenamt zu bekommen.« Als Beispiel nennt er die Patenschaften für Geotope, die er verliehen hat.

»Ich habe gedacht, ich hätte eine gute Idee«, seufzt er. Tatsächlich fanden sich schnell Paten, die versprachen, sich um die Pflege eines Geotops zu kümmern. Doch was zunächst gut funktioniert habe, sei bald entschlummert. »Das einzige Geotop, das wirklich gut gepflegt wird, ist das in Eckartshausen«, stellt Keil fest. Er befürchtet: »Ich kann das bald nicht mehr.«

»Es ist mit Geld nicht zu bezahlen, was hier für die Stadt geleistet wird«, lobt Harris. Deshalb bittet er gemeinsam mit den Museen die Bürger, sich in der ehrenamtlichen Arbeit zu engagieren. Der Lohn könne zwar nur ein ideeller sein.

Doch durch die aktive Mitarbeit könne man wesentlich mehr über die Themen, die das Museum darstelle, erfahren, als selbst eine Vielzahl von Besuchen vermitteln können.

Wertvolle Botschafter Büdingens

»Wir sind uns darüber einig, dass Büdingen sich mit seiner Museumslandschaft eine besondere Rolle und Alleinstellung erarbeitet hat«, betont Bürgermeister Benjamin Harris. Weil Heuson-, 50er-Jahre-, Metzger-, Sandrosen- und Modellbaumuseum sowie der Herrnhaag wertvolle Botschafter für die Stadt seien, müsse die Verwaltung die sechs Museen in ihrer Arbeit besser unterstützen.

Dabei könne sicher nicht jeder Wunsch erfüllt werden. Doch könne die Zusammenarbeit erleichtert werden. »Die ganzen städtischen Stellen zu koordinieren und einen Ansprechpartner für die Museen zu haben, ist auch schon eine Hilfe.«

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