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Der Tod wird teurer: Friedhofsgebühren in Büdingen steigen

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Blick auf den Büdinger Friedhof an der Remigiuskirche: Die Stadtverordnetenversammlung hat jetzt eine neue Gebührensatzung verabschiedet. Zum Teil werden die Kosten erheblich steigen. © Björn Leo

Die meisten Bestattungen sind nicht für kleines Geld zu haben. Das verschärft sich, wenn Kommunen die Preise erhöhen müssen, um die Kosten zu decken, wie das Beispiel Büdingen zeigt.

Umsonst ist der Tod, sagt man. Das stimmt nicht wirklich, wie sich angesichts steigender Friedhofsgebühren zeigt. In Büdingen etwa, wo die Kosten zum Teil erheblich steigen, auch wenn sie in einzelnen Fällen deutlich sinken, etwa bei Urnenschlichtgräbern. Das geht aus einer neuen Gebührensatzung hervor, die die Stadtverordneten jetzt ohne Aussprache beschlossen hat. Kritik äußerte im Gespräch mit dieser Zeitung Gunnar Bähr (Pro Vernunft).

Nutzung der Trauerhalle

Der Grund für die Kostensteigerungen ging aus einer Sitzungsvorlage des Haupt- und Finanzausschusses hervor: die bisherige Unterdeckung des Gebührenhaushaltes für das Bestattungswesen. Das Rathaus hatte daher eine Firma für Kommunalberatungen beauftragt, die Gebühren neu zu kalkulieren. In zwei Fällen folgte der Ausschuss den Empfehlungen allerdings nicht, da es für die Angehörigen nicht zumutbar sei: Zum einen war dies das Nutzungsentgelt für die Trauerhallen, das somit nur moderat von 85 auf 104 Euro steigt. Zum anderen will die Stadt für die Bestattung von Sternenkindern keine Gebühren erheben und so dem Beispiel anderer Kommunen folgen. Aufgrund der geringen Fallzahlen kalkulierte das Beratungsbüro einen Betrag von 678 Euro, der nun aber nicht zum Tragen kommt.

Was künftig mehr kostet

Die Gebührenliste für die Nutzung der Büdinger Friedhöfe ist lang, da die Stadt eine Fülle von Grab- und Bestattungsformen anbietet. Ein Beispiel für die Preiserhöhung ist die Beisetzung einer Urne in einer Urnenreihen-, Urnenwahl- oder in einer Wahlgrabstätte für Erdbestattungen. Statt wie bisher 265 Euro werden nun 350 Euro fällig. Die Umbettung einer Leiche innerhalb der städtischen Friedhöfe kostet zukünftig 2291 Euro statt wie bisher 1500 Euro. Sofern die Umbettung eine Urne betrifft, fallen die Kosten aber: von 820 Euro auf 482 Euro. Für die Überlassung eines sogenannten Reihengrabs zur Beisetzung eines Verstorbenen ab dem vollendeten zwölften Lebensjahr verdoppelt sich der Preis fast: von 1185 Euro auf 2026 Euro. Und für den Erwerb eines »Wahlgrabs« für die Dauer von 30 Jahren werden künftig 2655 Euro statt wie bisher 1460 Euro fällig.

Ohne Aussprache

Nicht zufrieden mit dem gesamten Vorgang ist Pro-Vernunft-Fraktionsvorsitzender Gunnar Bähr. Das erklärte er im Gespräch mit dieser Zeitung. Bähr: »Diese Kalkulation hat eine externe Firma gemacht, was eine niedrige fünfstellige Summe gekostet hat.« Die Verwaltung habe das Ergebnis dem Haupt- und Finanzausschuss vorgelegt, der das Thema laut Bähr ohne Aussprache behandelte. Ausnahme sei sein eigener Wortbeitrag gewesen. »Es ist schade, dass man über so etwas kaum redet«, erklärt er. Hier und da seien Bestattungsformen preiswerter geworden, wie das plattenumlegte Urnengrab. Das pflegefreie Urnenreihengrab und das Urnenschlichtgrab würden fast um die Hälfte preiswerter. »Aber diese Möglichkeit haben nicht alle Stadtteile.

Ungleiche Voraussetzungen

Gleichzeitig wird die herkömmliche Erd- oder Urnenbestattung viel teurer. Dann wandern die Leute ab, was ich bedauerlich finde. Einer aus dem Stadtteil lässt sich in Büdingen bestatten, weil es dort die Möglichkeit gibt«, gibt er zu bedenken. Das könne dazu führen, dass Friedhöfe schließen müssten. Es sei schade, wenn der Bezug zu verstorbenen Verwandten unter solchen Voraussetzungen verloren gehe. Bähr findet es wichtig, die gleichen Möglichkeiten in jedem Stadtteil zu schaffen.

Nicht nur zu den Friedhofsgebühren, sondern auch zur neu gefassten Friedhofsordnung fasste die Büdinger Stadtverordnetenversammlung Beschlüsse. Nun ist offiziell festgehalten, dass die Stadt Grabstätten für Sternenkinder auf dem Kernstadtfriedhof vorsieht. Für die totgeborenen Kinder gibt es in Büdingen bereits seit 2019 eine Gedenk- und Begräbnisstätte. Wie aus der Friedhofsordnung hervorgeht, liegen die Grabstätten für Sternenkinder in einem gärtnerisch angelegten Grabfeld. Sie sind weder eingefasst noch mit Grabmalen versehen. Die Grabstätten selbst sind Teil der gärtnerischen Anlagengestaltung, die Friedhofsverwaltung richtet sie her und unterhält sie. Die Anlage enthält einen zentralen Gedenkstein. ihm

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