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Viel geleistet: Benjamin Wenzel ist der Hochwasserhelfer aus Eichelsdorf.

Flutkatastrophe im Ahrtal

Auch nach 66 Tagen noch nicht müde: Eichelsdorfer Schreiner in Flutgebieten an der Ahr im Einsatz

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Der Terminkalender des Eichelsdorfer Schreiners Benjamin Wenzel war in den vergangenen vier Monaten voll - kein Wunder, hat er die Zeit doch als Helfer in den Flutgebieten im Ahrtal verbracht.

Zum ersten Mal war Benjamin Wenzel eine knappe Woche nach der verheerenden Flut im Juli für neun Tage nach Bad Neuenahr gefahren, um als Freiwilliger bei den Räumungsarbeiten mitanzupacken. Seither war er allwöchentlich von Donnerstagabend bis einschließlich Montag im Einsatz und hat inzwischen 66 Arbeitstage in der Region Bad Neuenahr abgeleistet. Aber Schluss ist noch nicht. Der Eichelsdorfer will weitermachen.

Anstrengende Räumarbeiten standen am Anfang. Die Flut hatte Bäume entwurzelt, andere große Gegenstände auf Straßen und Wege gespült. Solche Blockaden mussten entfernt werden. Das Treibgut war verkeilt, das Holz stand unter Spannung. Baufachleute zogen es mit dem Bagger auseinander, andere, wie Wenzel, zerkleinerten es vorsichtig mit der Motorsäge und räumten die Trümmer ab.

Benjamin Wenzel ist der Hochwasserhelfer aus Eichelsdorf.

Am Anfang im Auto geschlafen

So erwünscht die Helfer waren, musste doch erst eine Infrastruktur mit Unterkünften und Verpflegung für sie geschaffen werden. Anfangs schlief Wenzel im Auto, später in einem großen Zelt oben auf der Höhe über dem Tal im Innovationspark Rheinland-Pfalz in der Großgemeinde Grafschaft. Essen gab es in einer Bundeswehrkantine in Bad Neuenahr. Abends saßen die Helfer zusammen, ausgepumpt, aber in lockerer, guter Stimmung. Wenzel: »Du kommst als Helfer und hast plötzlich Freunde aus ganz Deutschland.« Bei den nächsten Aufenthalten des Schreiners begann sich das Müll-Chaos zu lichten. Provisorische Deponien samt Sortieranlagen waren geschaffen worden. Ein Shuttlebus brachte die Helfer täglich vom Zeltplatz zu ihren Einsatzorten. Auch hier musste improvisiert werden. Es waren zwei Auswärtige und »Branchenfremde«, die den Transport organisiert hatten und Spenden dafür einbrachten: Thomas Pütz, der aus der Reha-Branche kommt, und Mark Ulrich, Leiter einer Event-Agentur, hatten das angekurbelt. »Wir haben euch Helfern einen Arbeitsrahmen gegeben, Ihr habt ihn ausgefüllt«, konnten sie inzwischen zufrieden feststellen. Sie wurden vor wenigen Tagen für ihr Projekt mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. »Aber zum eigentlichen Funktionieren des Shuttle-Transports trugen viele Helfer bei - Hut ab«, sagt Wenzel.

Seit vier Wochen kann Benjamin Wenzel eine leer stehende Ferienwohnung nutzen, die Bewohner zur Verfügung gestellt haben. Die Verpflegung wird inzwischen durch Institutionen wie die Malteser gestellt.

Für Wenzel und seine Gruppe, die sich schon während der Müllräumungsaktionen zusammengefunden hatte, gab es neue Aufgaben.

»Wir haben im Team Stützen für Gebäude angebracht, Fallschutz und Treppengeländer erstellt. Fachwerkhäuser wurden mit Rispenband abgespannt, um ein weiteres Verziehen zu vermeiden. Beschädigte Fenster waren zu versorgen: mit Glas, USB- oder Spanplatten. Noch unzerstörte Fenster mussten wieder gangbar gemacht werden, die Nässe hatte sie total verzogen. Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Scharniere und Bänder ich ausgetauscht habe. Selbst im Parkhotel Bad Neuenahr habe ich mit einer Schreinerkollegin Notverglasungen ausgeführt. Und die Kinder sollten auch nicht vergessen werden, für sie haben wir Fußballtore gebaut.« Offensichtlich wird man in solchen Notlagen berufsübergreifend zum »Mann für alle Fälle«. Wenzel, für Holzarbeiten ausgebildet, hätte vorher nicht geglaubt, dass er auch im Straßenbau anpacken musste. Angesichts so vieler zerstörter Bürgersteige ging es gar nicht anders. Er und sein Team waren mit Baumaschinen, Rüttelplatten, Stampfer und Minibagger in Aktion, sanierten Gehwege. Abgerissene Fallrohre wurden wieder an den Kanal angeschlossen.

Benjamin Wenzel ist der Hochwasserhelfer aus Eichelsdorf.

Mit einem Dachdeckerkollegen machte sich Wenzel an nötige Abrissarbeiten. Das war oft nicht einfach. In einer Metzgerei war unter dem Vordach eine Kühlzelle integriert, durch die Flut hoffnungslos kontaminiert. Fachleute waren gefragt, um Dach wie Kühlzelle zu entfernen. An einem anderen stark beschädigten Haus musste der Dachstuhl komplett abgenommen werden, Eine Maurerfirma stellte neue Giebelwände, als Helfer war Wenzel zusammen mit den Zimmerern beim Aufbau eines neuen Dachstuhls dabei.

Immer wieder kam Hilfe von unerwarteter Seite. Ein Hersteller von Fertighäusern hatte mit einer Benefizparty viel Geld eingenommen und auf 20 000 Euro aufgerundet. Ein großer Teil wurde einer Familie zur Verfügung gestellt, deren drei Häuser schwer beschädigt waren.

Hiesige Firmen spenden Material

Wenzel freut sich, dass er von Wetterauer Firmen etliche Materialspenden mitnehmen konnte. Im Moment ist er mit örtlichen Fachleuten in der Planung eines großen Freizeitgeländes in Rech bei Bad Neuenahr aktiv, wo unter anderem in Trägerschaft des Kinderschutzbundes ein Waldkindergarten entstehen soll - Ersatz für zerstörte Kindergärten und zugleich eine touristische Bereicherung.

»Es geht voran, aber für die Bevölkerung ist es noch sehr schwer. Die Hilfen kommen zu langsam, zu bürokratisch« meint Wenzel. Für sich selbst möchte er trotz anstrengender Arbeit die Zeit nicht missen: »Ich habe viel gelernt und viel gute Gemeinschaft erlebt.«

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