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Deutlich mehr als 100 Teilnehmer schätzen Polizei und Ordnungsamt für den sogenannten Spaziergang.

»Spaziergang« und Mahnwache

Kritiker der Demonstration erinnern in Altenstadt an die Opfer der Pandemie

Zulauf haben die »Montagsspaziergänge« der Gegner der Corona-Maßnahmen in der Region bekommen. Statt acht Teilnehmern wie vor zwei Wochen ziehen jetzt über 100 Menschen durch Altenstadt.

Altenstadt . Zulauf haben die sogenannten Montagsspaziergänge der Gegner der Corona-Maßnahmen in der Region bekommen. Statt acht Teilnehmern wie vor zwei Wochen ziehen zuletzt deutlich über 100 Menschen durch Altenstadt. Für Nidda spricht die Polizei sogar von rund 250 Teilnehmern am vergangenen Montagabend. Während die Beamten die »Spaziergänge« trotz Regelverstößen nur beobachten, organisieren Kritiker dieser Demonstrationen eine Mahnwache für die Opfer der Pandemie.

Heterogene Gruppe

»Als Nazis werden Leute diffamiert, die Bedenken äußern«, beklagt sich Maik, ein Teilnehmer des sogenannten »Spaziergangs«, Der Vorwurf, der pauschal gegen »die Medien« erhoben wird, ist am Montagabend immer wieder zu hören. Ein Teilnehmer behauptet sogar, dass die Medien alle gleichgeschaltet seien. So pauschal, wie viele der »Spaziergänger« ihre Kritiker als willige Diener des Staates sehen, dürften Teilnehmer dieser Demonstrationen gegen die Corona-Politik jedoch nicht einzuordnen sein. Allerdings sind unter den Teilnehmern durchaus einige bekannte Sympathisanten, die von verschiedenen rechtsextremen Veranstaltungen bekannt sind, vertreten.

Sie sind jedoch eine Minderheit in einem sehr heterogenen Umfeld. Das besteht offenbar zum Teil aus Bürgern, die vorgeben, ein Unbehagen angesichts der Einschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie zu empfinden. »Ich will das Normale wieder haben«, wünscht sich Holger aus Limeshain. Für einige Teilnehmer sind solche Überlegungen indes nur Ausgangspunkt für deutlich eine radikalere Sicht auf Corona-Maßnahmen.

Zeitgleich gibt es in Altenstadt eine Gegenbewegung. Eine Gruppe von einem guten Dutzend Teilnehmern möchte mit einer Mahnwache für die Corona-Opfer ein Zeichen setzen. Am Kreisverkehr und damit an der Strecke der »Spaziergänger« haben sie Plakate aufgehängt. »Masken/Impfverweigerer, Coronaleugner & Nazis verursachen Kopfschmerz, Leid und Todesfälle«, heißt es auf einem.

Gemeindevertreter positionieren sich

Im Gegensatz zu den Initiatoren des »Spaziergangs« hat Alexander Diller von der »Partei« die Mahnwache angemeldet. Mit ihm stellen sich unter anderem die Gemeindevertreter Jan Voß (SPD), Sven Müller-Winter und Falk Leonhardt (beide CDU) und das Mitglied des Gemeindevorstands Norbert Heidke (Grüne) an den Kreisverkehr.

»Natürlich haben uns welche von denen angesprochen«, berichtet Diller. »Wir wären die Negativen, die ihnen den Spaziergang, die Freiheit nicht gönnen.« Bizarr findet er, dass er in Facebook als »Impf-Nazi« bezeichnet werde. Er vermutet, dass sich die Teilnehmer der »Montagspaziergänge« in der Rolle der »Systemgegner« gefallen.

Voß sieht in den Thesen der Impfgegner »langsam eine Beleidigung des gesunden Menschenverstandes.« Dabei räumt er durchaus Verständnis für Skeptiker ein. »Irgendwann muss ich auch mal bedenken, was das für Folgen hat«, fordert er. Dabei hat er wenig Hoffnung, den harten Kern der Corona-Skeptiker überzeugen zu können. »Das setzt ein gewisses Maß an Rationalität voraus, für Argumente zugänglich zu sein«, stellt er resigniert fest. »Das ist eine Glaubensfrage geworden und damit ist es nicht mehr rational erreichbar.«

Blick in den Wetteraukreis

Nach Angaben der Polizei protestierten im gesamten Wetteraukreis am vergangenen Montagabend etwa 1 100 Kritiker der Corona-Maßnahmen. Nicht angemeldete Versammlungen habe es - neben Altenstadt - auch in Bad Nauheim, Friedberg, Butzbach, Nidda, Karben und Bad Vilbel gegeben. An den drei angemeldeten Gegenveranstaltungen in Altenstadt, Bad Nauheim und Bad Vilbel nahmen laut Polizei etwa insgesamt 400 Personen teil.

Eine kleine Gruppe, unter anderem mit Vertretern der Altenstädter Kommunalpolitik, wendet sich mit einer Mahnwache gegen den sogenannten Montagsspaziergang.

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