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Altenstädter Tafel sieht sich Vorwürfen in Sozialen Medien ausgesetzt

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Die Tafeln in Deutschland setzen sich dafür ein, dass Menschen, die in Armut leben, mit Lebensmitteln versorgt werden. © DPA Deutsche Presseagentur

Die Tafeln retten Lebensmittel und helfen Bedürftigen - auch in Altenstadt. Dass sie wegen der Pandemie nun unter Einhaltung der 2G-Regel betrieben wird, passt offensichtlich nicht allen.

Rund 265 000 Tonnen einwandfreie Lebensmittel retten die Mitarbeiter der 950 Tafeln in Deutschland jedes Jahr vor der Vernichtung und versorgen damit 1,6 Millionen Menschen, die in Armut leben. Ehrenamtlich. Seit 15 Jahren hat die Büdinger Tafel eine Ausgabestelle in der Obergasse in Altenstadt. Margot Ossowski arbeitet dort seit der ersten Stunde mit und ist eine von mehreren Koordinatoren, die den Einsatz eines rund 40-köpfigen Helferteams steuern.

Seit die Verantwortlichen im Oktober beschlossen haben, die Ausgabestelle fortan unter Einhaltung der 2G-Regelung zu betreiben, sehen sie sich in den sozialen Medien Anschuldigungen ausgesetzt, die in einem dreisten Vorwurf gipfeln: Ihr verweigert den Menschen Nahrung und lasst sie hungrig vor dem Laden stehen.

Was da so unreflektiert »rausgehauen« wird, trifft Margot Ossowski und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Dagegen anzuschreiben, würde nur weitere verbale Entgleisungen provozieren. Dennoch möchte sie diese Kommentare nicht unwidersprochen im Raum stehen lassen. Denn alle Tafel-Kunden, derzeit sind das circa 40 Haushalte, würden weiterhin im 14-tägigen Rhythmus versorgt.

2G-Regel soll auch Helfer schützen

Für die Entscheidung, in der Ausgabestelle nur noch Menschen zu bedienen, die nachweisen können, geimpft oder genesen zu sein, gibt es freilich gute Gründe. Der Laden ist klein, und obwohl der Einlass begrenzt ist, lassen sich die üblichen Corona-Regeln wie Abstand halten und regelmäßiges Lüften nur schwer umsetzen.

Vor allem aber sind die Helferinnen und Helfer des Altenstädter Tafel-Ladens im fortgeschrittenen Alter und tragen damit ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, sollten sie sich mit SARS-CoV-2 infizieren.

Margot Ossowski ist 69 Jahre alt und hat bereits eine Covid-19-Erkrankung überstanden, die sie noch immer beeinträchtigt. Die Arbeit bei der Tafel möchte sie deswegen nicht aufgeben: »Das ist mir eine Herzensangelegenheit, auch wenn ich zugeben muss, dass man nach 15 Jahren schon ein wenig ausgezehrt ist.« Vor allem wegen der unterschiedlichen Schicksale, mit denen die Tafel-Helfer bei ihrer Arbeit immer wieder konfrontiert werden. »Die Aufgabe trägt und motiviert uns alle«, bekräftigt sie. Deshalb nehmen sie und ihre Kollegen das erhöhte Gesundheitsrisiko während der Pandemie auf sich. Dass sie dafür den bestmöglichen Schutz in Anspruch nehmen, scheint nicht allen Menschen zu gefallen. »Wir lassen niemanden, der berechtigt ist, unversorgt«, entgegnet die gelernte Arzthelferin den Angriffen im Netz. Ungeimpfte Kunden könnten ihren Lebensmittelkorb bei der Tafel in Büdingen abholen, wo die Möglichkeit besteht, sie im Außenbereich zu versorgen.

Dachverband weist Angriffe zurück

Und wer nachweise, dass er aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden könne, kann einen Menschen benennen, der statt seiner den Lebensmittelkorb in Altenstadt abholt, erläutert Margot Ossowski.

Die Angriffe auf die Altenstädter Tafel sind offensichtlich kein Einzelfall. Weil in sozialen Medien und auf Online Portalen immer wieder Falschmeldungen kursieren würden, hat auch der Dachverband Tafel Deutschland in einer Pressemitteilung klargestellt: »Die Tafeln unterstützen Ungeimpfte auch bei 3G- oder 2G-Maßnahmen weiterhin.« Die Regelung diene auch dem Ziel, den Tafel-Betrieb im Winter aufrechterhalten zu können.

»Offensichtlich fehlt es an Informationen über die Idee, die den Tafeln zugrunde liegt«, vermutet Ossowski. »Die Tafeln können niemanden ernähren. Das ist nicht unsere Aufgabe und das könnten wir auch nicht leisten«, unterstreicht sie. Vielmehr gehe es darum, in einem Land des Überflusses die Folgen von Armut zu lindern. Wer wenig Geld zur Verfügung hat, der kann sich frisches Obst und Gemüse, Milchprodukte und Fleisch kaum leisten. Bei der Tafel erhalten Menschen, deren Einkommen den Lebensunterhalt nicht deckt, alle zwei Wochen einen Korb mit Lebensmitteln. Davon profitieren besonders Alte, Alleinerziehende, Arbeitslose, Geringverdiener - und Kinder.

Aber selbst sie, die Tafel-Kinder, deren prekäre Lage durch die Corona-Krise noch verstärkt wird, sind nicht vor Missgunst gefeit. Eine Frau habe Geld sammeln wollen, um Lebensmittel für die Tafel zu kaufen und dafür im Internet geworben, berichtet Ossowski. Dabei ging es auch um Markenartikel und das hat Neider auf den Plan gerufen: Ob Tafel-Kunden denn unbedingt Markenartikel brauchten...

»Es gibt Kinder, die sich auch mal über ein echtes Nutella freuen«, weiß Margot Ossowski. Eine vergleichsweise kleine Freude, die manche Menschen ihnen offensichtlich nicht gönnen. Das macht nicht nur die Tafel-Helfer fassungslos.

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