Wetzlarer Protest nach Niederlage
04.09.2010 - WETZLAR
HSG-Endspurt beim TV Großwallstadt kommt zu spät - Schiedsrichter verweigern Siebenmeter in der Schlusssekunde
ASCHAFFENBURG/GIESSEN (uc). Nach der ausgezeichneten Heimvorstellung gegen die SG Flensburg-Handewitt zum Saisonauftakt handelte sich die HSG Wetzlar am gestrigen Abend in der Aschaffenburger f.a.n. Frankenstolz Arena beim TV Großwallstadt eine 22:23 (10:13)-Niederlage ein, gegen die jedoch die Gäste Protest einlegten.
Grund dafür war die Verweigerung eines Siebenmeters in der Schlussekunde, weil Nationalspieler Steffen Weinhold den Wetzlarer Spielmacher Timo Salzer absichtlich gefoult hatte und dafür die rote Karte zu sehen bekam. Nach dem neuen Reglement hätte die Aktion mit einem Strafwurf geahndet werden müssen, doch die Unparteiischen beendeten die Begegnung, ohne den Wetzlareren einen Siebenmeter zuzusprechen.
Vor 3500 Zuschauern fiel die Vorentscheidung bereits in der ersten Halbzeit, als die Gastgeber mit fünf Treffern in Folge eine deutliche Pausenführung heraus warfen. Obwohl die Mainfranken bis zur 54. Minute ihren Vorsprung erneut auf fünf Tore ( 23:18) ausbauten, war die Partie längst nicht entschieden. Die Lahnstädter zeigten eine tolle Moral und sorgten mit einer kämperische Einstellung für eine dramatische Schlussphase, in der gar noch ein Punktgewinn möglich erschien.
„Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment machen. Wir haben nach dem 15:21-Rückstand in den letzten zehn Minuten noch einmal alles gegeben, sind aber für diesen Endspurt nicht mehr belohnt worden“, konstatierte HSG-Trainer Michael Roth an alter Wirkungsstätte. Der Wetzlarer Handball-Lehrer haderte jedoch mit der nicht genutzten Möglichkeit, schon früher den Großwallstädter Vorsprung zu verringern. „Beim Stande von 18:15 konnten wir eine doppelte Überzahl nicht nutzen und handeln uns gar noch den 19. TVG-Treffer durch Schäpsmeier ein“, kritisierte der 48jährige das schwache Angriffsspiel seiner Truppe in dieser Phase. Dennoch konnte Michael Roth mit seiner Auszeit fünf Minuten vor dem Ende seine Schützlinge beim Stand von 23:18 noch einmal so richtig wachrütteln. Plötzlich bekamen die Gastgeber feuchte Hände und zeigten auch Nerven, als Michael Spatz beim 23:20 (57.) einen Siebenmeter über das HSG-Tor warf. Prompt verkürzte Timo Salzer auf 23:21, so dass sich auch der Wetzlarer Anhang in der nicht ganz ausverkauften Halle wieder lautstark bemerkbar machte. Erneut war es Timo Salzer, der per Tempogegenstoß 28 Sekunden vor dem Ende den 22. HSG-Treffer markierte. Die Dramatik war nun nicht mehr zu überbieten, weil Großwallstadt das Spielgerät nicht mehr in den eigenen Reihen halten konnte und Wetzlar doch noch einmal in Ballbesitz kam. Der letzte HSG-Angriff wurde aber durch das rüde Foul von Steffen Weinhold gegen Timo Salzer beendet. Zwar sah der TVG-Akteur die rote Karte, die Siebenmeter-Konsequenz blieb den Mittelhessen jedoch verwehrt
Für TVG-Trainer Michael Biegler war der knappe Sieg die Fortsetzung eines „holprigen Saisonstarts“. Der Großwallstädter Coach lobte die „grandiose Torwartleistung“ von Mattias Anderssson, der mit 43 % gehaltener Bälle in der Tat eine überragende Quote ablieferte. Stark bei den Mainfranken auch Neuzugang Moritz Schäpsmeier, der viermal ins Schwarze traf.
Großwallstadt: Andersson, Rominger; Spatz (7/2), Weinhold (2), Kneer (2), Tiedtke (4), Larsson, Jakobsson, Schäpsmeier (4), Kunz (3/1), Reuter, Köhrmann (1), Szücs.
Wetzlar: Hacko (bis 45. und ab 57.), Weber; Schmidt (2/2), Rompf, Salzer (6/1), Valo (3), Jungwirth (2), Mraz (1), Müller (4), Schneider, Chalkidis (1), Fäth (2), Friedrich (1), Kristjansson.
Schiedsrichter: Hartmann, Schneider (Magdeburg, Barleben) - Zuschauer: 3500 - Zeitstrafen: 14 Min. (Kneer, Kunz je zwei, Weinhold, Jakobsson, Köhrmann) : 4 Min. (Jungwirth, Mraz) - Ausschluss: Weinhold (60.) - Siebenmeter: 5/3 (Spatz und Kunz werfen über das Tor): 5/3 ( Schmidt scheitert an Rominger, Salzer an Andersson).