Entwarnung nach Chemieunfall
07.01.2011 - RANSTADT
Ranstadt: Großaufgebot sichert Pulver bei RCP
(wk). Ein Großaufgebot aus etwa 170 Feuerwehrleuten und über 20 Rettungsdienstkräften hat einen Chemieunfall bei der Ranstadt Contract Packaging GmbH (RCP) in Ranstadt eingedämmt. Am Mittwochabend hatte es beim Herstellen eines Waschmittels Probleme gegeben. Beim Mischen von Pulvern war plötzlich starker Rauch aufgestiegen. Alle Arbeiter verließen das Gelände rechtzeitig, niemand wurde verletzt. Da eine Gefährdung der Umgebung zunächst nicht auszuschließen war, gab es Warnungen per Lautsprecherdurchsage. Retter in Schutzanzügen füllten eine knappe Tonne Pulver in spezielle Behälter und gaben Entwarnung.
Um kurz nach 19.30 Uhr bemerkten RCP-Mitarbeiter Rauch in einem Teil der Betriebsräume, der sowohl die Augen als auch die Atemwege reizte, und informierten die Feuerwehr. Kurz darauf löste die Wetterauer Leitstelle aufgrund der Vermutung, dass es sich um einen Gefahrstoffunfall größeren Ausmaßes handeln könnte, Großalarm für Ranstadts Feuerwehren und die Spezialeinheiten im Kreisgebiet aus.
Die Wehren aus Nidda, Büdingen, Bad Nauheim, Bad Vilbel und Echzell rückten mit ihrem Spezialequipment für Chemieunfälle an. Außerdem wurde der Umweltschutzzug der Berufsfeuerwehr Frankfurt angefordert, der Luftmessungen vornahm. Die Mannschaft der beiden Spezialfahrzeuge aus Frankfurt konnte schließlich schnell Entwarnung geben. Eine Gefährdung der Bevölkerung bestand nicht. Zuvor hatte die Polizei per Lautsprecherdurchsagen die Bevölkerung in der Nähe des Firmengeländes informiert und aufgefordert, Türen und Fenster geschlossen zu halten.
Trotz der Entwarnung für die Bevölkerung durften sich die Einsatzkräfte der Feuerwehren nur in Vollschutzanzügen der eigentlichen Einsatzstelle nähern. Dort waren nach bisherigem Kenntnisstand etwa 400 Kilogramm Natriumkarbonat-Peroxyhydrat für die Waschmittelproduktion mit Wasser in Berührung gekommen.
Durch das Wasser, dessen Herkunft noch nicht geklärt ist, so RCP-Geschäftsführer Rüdiger Lindner, kam es zu einer ungewollten Reaktion. Das Granulat wurde daher von Einsatzkräften der Feuerwehren in Spezialbehälter abgefüllt und durch ein Unternehmen entsorgt.
Sowohl Erster Beigeordneter Erwin Ludwig als auch andere Gemeindevertreter kamen zur Einsatzstelle. Ranstadts Bürgermeisterin Cäcilia Reichert-Dietzel ließ sich in ihrem Urlaubsdomizil im Salzburger Land über die Ereignisse informieren, brach anschließend ihren Urlaub ab und landete am Donnerstag in Frankfurt. „Ich habe keine ruhige Minute mehr gehabt“, erklärt sie nach ihrer Rückkehr.
Unmittelbar nach ihrer Ankunft in Ranstadt informierte sie sich über die Ereignisse vom Mittwochabend bei RCP. „Ich habe mit der Geschäftsleitung vereinbart, dass die Bevölkerung umgehend über das, was passiert ist, durch die Firma informiert wird“, erklärte die Bürgermeisterin nach ihren Gesprächen mit dem Geschäftsführer und dem RCP-Personalchef Werner Kempel. Auch dem Unternehmen sei daran gelegen, zur Aufklärung des Vorfalls beizutragen. Dazu gehöre auch eine umfassende Information der Bevölkerung, war aus der Chefetage zu vernehmen.
Die Bürgermeisterin war mit dem Ergebnis der Gespräche zufrieden. Auch das Zusammenspiel der eingesetzten Kräfte, ihrer Mitarbeiter und der politischen Vertreter vor Ort habe während des Einsatzes hervorragend funktioniert. Dabei zollte sie den Feuerwehrkräften aus Ranstadt ein besonderes Lob. Schließlich hätten sie innerhalb weniger Tage mit dem Brand in Ranstadt und dem Chemieunfall zwei nicht alltägliche und schwere Einsätze bewältigen müssen.