Podiumsdiskussion über Tourismus am Kalten Markt
(ten). "Jetzt hat der Schäuble doch mit seiner Rasterfahndung angefangen. Der hat aal Schachtel eingegeben und da bin ich bei rausgekomme." Mit solchen Bonmots hatte Markus Karger als Ursula Kraft die Lacher auf seiner Seite. Kargers Kunstfigur, die Hausfrau aus Stockheim, war Zugpferd bei der Podiumsdiskussion über Tourismus und Zusammenarbeit in der Region zum Abschluss des Kalten Markts.
So erfreute sich die Veranstaltung besonders zu Beginn eines großen Publikums. "Die babbele jetz e bissje, wie man aus dem heiß Pflaster e ganz doll Ding macht", fasste Karger den Diskussionsgegenstand zusammmen. Besser konnte es auch Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring kaum ausdrücken. "Das ist nicht einfach nur Kopfsteinpflaster, wo man sich im Winter manchmal ärgert, dass man drauf ausrutscht, das ist Vulkangestein", beschrieb sie, dass die Bewohner des Vogelsbergs jahrhundertelang auf dem Material herumtraten, dass jetzt eine touristische Attraktion werden soll. "Die Eifel ist da weiter", betonte sie.
Der Prozess sei dort zwar ähnlich verlaufen, beschrieb Kerstin Bär von der Sektion Vogelsberg Arbeitsgemeinschaft Geotope der internationalen vulkanologischen Gesellschaft. Die halbe Bundesrepublik sei nach dem Krieg mit dem vulkanischen Material der Eifel wieder aufgebaut worden. Allerdings habe man in der vom Bergbau teilweise zerstörten Landschaft früher erkannt, "die Löcher in der Landschaft sind Fenster in die Erdgeschichte".
Bär beschrieb, dass der Vulkanismus einen Gürtel durch Europa von Frankreich über die Eifel, den Westerwald, den Vogelsberg, die Rhön bis nach Tschechien bilde. Derzeit gebe es nur in der Eifel eine Vulkanstraße. Diese gelte es bis in den Vogelsberg weiterzuführen. "Eine Vernetzung bietet immer eine gegenseitige Förderung", erklärte Bär. Dabei gelte es auf der Vulkanstraße nicht nur Geotope vorzustellen, es müssten Angebote für die ganze Familie gemacht werden.
"Wir werden den Vulkanismus erlebbar machen", versprach Ralf Koster, Geschäftsführer der Gesellschaft für Tourismus in Schotten. "Das Schöne an dem Thema Vulkan ist, wir können alle Themen darunter subsummieren", hat er erkannt. So ließe sich auch die Archäologie als zweiter Schwerpunkt für den regionalen Tourismus integrieren. "Es muss Geld in die Hand genommen werden", betonte Koster, dass die Entwicklung der Infrastruktur Investitionen erfordere. "Wir sind ein reiner Wirtschaftsbetrieb, der von Zuschüssen lebt, das aber um ein Vielfaches vermehrt wieder in die Region getragen wird", erklärte er selbstbewusst.
Bernd-Uwe Domes, Geschäftsführer der gemeinnützigen Archäologischer Park Glauberg GmbH, betonte in seiner Funktion als Moderator, "gastronomische Angebote, Übernachtungsangebote, das gehört eben auch zu einer touristischen Entwicklung", wo in der Region Nachholbedarf besteht. Die Übernachtungsmöglichkeiten würden insbesondere in der Folge des Museumsbaus auf dem Glauberg benötigt. "Das wird Menschen aus ganz Europa anziehen", erwartet er. "Wir müssen das so interessant gestalten, dass die hier in der Region auch bleiben."
Da muss offenbar ein Wandel in der touristischen Entwicklung der Region stattfinden. "Die allerersten touristischen Gehversuche im Vogelsberg haben in der Natur stattgefunden", beschrieb Rolf Frischmuth die Anfänge des Fremdenverkehrs vor über 50 Jahren als Naherholungsraum für das Rhein-Main-Gebiet. Die Wetterau und der Vogelsberg seien eine besondere Landschaft. "Ich halte es für wichtig, dass die Bevölkerung das wertschätzt, sonst können wir das den Touristen nicht vermitteln", forderte er.
Diese Identifikation mit der Region erwartet auch Pfeiffer-Pantring. Ein Zeichen setze der Gastgeber für die Podiumsdiskussion, Peter Roie. Früher habe er an seinen Buden auf die Schweiz verwiesen. Dass eine inzwischen Oberhessen-Scheune heiße, sei ein Beispiel für dieses Bekenntnis.