Schulamt verfügt die Schließung der Freien Schule
07.09.2010 - SELTERS
Von Oliver Potengowski
„Angesichts der gravierenden gesellschaftlichen Veränderungen (hohe Scheidungsrate, Einelternkind-Familie, keine Geschwister, Berufstätigkeit der Eltern) gewinnen die Stellenwerte der Freien Alternativschulen - ein vertrauensvolles Sozialklima zu schaffen - zunehmend an Bedeutung“, begründet die Freie Schule auf ihrer Internetseite diese Priorität. „Durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Schülern, Eltern und Lernbegleitern entsteht eine vertraute Atmosphäre.“
Doch diese Zusammenarbeit hat in den vergangenen Jahren immer stärker gelitten. Das wird nicht nur durch die zahlreichen Kinder, die die Schule verließen, belegt. Auch der Umgang des Trägervereins mit den Abtrünnigen spricht deren Ansicht nach selten die „Giraffensprache“. So wurde dieses Jahr ein Kind sechs Wochen vor den Sommerferien von der Schule gewiesen, weil die Eltern angeblich nicht die nötigen Arbeitsstunden geleistet hätten. „Es ist ein Unding, einem Kind den Schulvertrag zu kündigen - sechs Wochen vor Schuljahresende - insbesondere dann, wenn ein so wichtiger Übertritt in eine weiterführende Schule ansteht“, zitiert die Mutter die Worte des Richters, der die Entscheidung der Schule verwarf.
Die Schatzmeisterin des Vereins, Sabine van Gemert, bestätigt den Vorfall. Der „Schulvertrag ist ein Dienstvertrag“, begründet sie das Vorgehen. Wenn die Arbeitsstunden nicht geleistet würden, habe die Schule das Recht, den Vertrag zu kündigen. Zudem habe man über einige Wochen in Gesprächen mit den Eltern versucht, eine Lösung zu finden. „Die Eltern haben aber nicht mehr zu hundert Prozent hinter der Schule gestanden“, erklärt die zweite Vorsitzende Irena Stenzel.
Inzwischen versucht der Trägerverein, über ein Inkassounternehmen etwa 18 000 Euro Schulgeld von den abtrünnigen Eltern einzutreiben. Sie sollen für die Vertragslaufzeit nach dem vorzeitigen Wechsel ihrer Kinder an eine andere Schule zahlen. Diese sehen sich im Recht, da das Konzept der Schule nicht umgesetzt worden sei. Und auch die Lernerfolge seien hinter den Erwartungen zurückgeblieben. „Viele Eltern kommen hierher und geben mit ihren Kindern auch die Verantwortung ab“, kritisiert Stenzel. „Wir sagen immer, die Eltern müssen mit den Kindern und der Schule zusammenarbeiten.“ Auch die Kinder seien in der Verantwortung. „Es gibt auch Kinder, die nichts machen“, beschreibt Stenzel, dass manche Kinder nicht auf die Angebote reagieren.
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