"Multifrau" trotzt den Männerdomänen
14.04.2010 - BAD SALZHAUSEN
(em). Frauen unterschiedlicher Generationen im Gespräch - die Atmosphäre beim Treffen des Zonta-Clubs war angeregt, noch ehe die Niddaer Clubpräsidentin Christiane Tödt die Referentin begrüßen konnte.
Diesmal ging es um ein ebenso psychologisch interessantes wie lebenspraktisches Thema: "Wenn schon Multifrau, dann aber richtig - Für wen lebe und arbeite ich eigentlich?" Als Referentin konnte Christiane Tödt die Gießener Rechtsanwältin Nadja Lins begrüßen, die als zweiten Schwerpunkt Coaching für berufliches und privates Krisenmanagement sowie Erwachsenenbildung entwickelt hat. Ihre Arbeit wird wahrgenommen, die Zeitschrift "Emotion" zeichnete sie im Sommer 2009 als "Coach des Monats" aus. Eine reine Karrierefrau, die dafür konsequent auf Privatleben verzichtet? Im Gegenteil: Nadja Lins ist Mutter zweier Söhne im Grundschulalter, aktive Sportlerin und Balltrainerin für Kinder und hat eine interessante Initiative gegründet: "Magic Sportkids" bezieht Kinder mit Handicaps in den Sport ein.
Nadja Lins sprach praxisnah und unterlegte ihre Ausführungen in einer Power-Point-Präsentation mit Bildern, die ebenso symbolträchtig wie bunt und poppig waren - die Ebene der Fantasie, der Emotionen sollte mitschwingen. So stellte sie sich mit einem Trailer vor, der sie rundum aktiv, einmal aber auch mit einer pfiffigen Trotzgebärde zeigte: "Frauen sollten sich sichtbar machen - auch in der männerlastigen Domäne des Coachings!"
Damit war man mitten im Thema. Beruflicher Erfolg - Männer neigten dazu, sich darzustellen, Raum zu fordern. Frauen suchten Anerkennung durch intensive Arbeit mit der geheimer Hoffnung: "Man muss doch sehen, wie ich mich engagiere!" Groß sei dann die Enttäuschung, dass man das Ergebnis ihrer Tätigkeit gern hinnehme, aber eher offensives, forderndes Verhalten belohne und die still und seriös Arbeitenden übergehe.
Nach dieser Ermutigung lud Lins die Gruppe ein, im Gespräch den Begriff "Multifrau" näher zu definieren. Was in ihrem Vortrag, in diesem Gespräch absolut fehlte, war der so häufig zu hörende, klagende Unterton von "Doppelbelastung", "Leistungsdruck", "Burnout". Da wurde als Charakteristika für Multifrauen, die in Familie, Beruf und Ehrenamt gleichermaßen aktiv sind, ein Medley an Eigenschaften zusammen getragen, das ans Übermenschliche reicht: von Intuition bis Charme, von Zähigkeit bis zu gutem Zeitmanagement. Doch mit Witz und Selbstironie wusste Lins zu einer Grundüberlegung zu führen: Es gehe nicht um immer mehr Leistung und Perfektion, sondern um den Mut, die eigene Identität zu entfalten und in die Aufgaben einfließen zu lassen. Lins verdeutlichte dies an einem Beispiel aus ihrer eigenen Lebensgeschichte: Ihr war eine gut eingeführte Rechtsanwaltskanzlei angeboten worden, die ein intensives, beruflich und pekuniär äußerst erfolgreiches Berufsleben versprach. Zur schockierten Verwunderung vieler Freunde und Kollegen hatte sie "die Chance verschenkt". Sie hatte sich bewusst dafür entschieden, bei einer begrenzten Tätigkeit als Rechtsanwältin zu bleiben und den Schwerpunkt "Coaching" weiter auszubauen, der ihr mit seiner menschlichen Vielfalt so viel Befriedigung bietet. So lud sie auch ihre Zuhörerinnen zu einer kleinen individuellen Bilanz ein. Sie sollten sich bewusst machen, welche ihrer Lebensaufgaben Kraft kosten, sie eher erschöpft zurücklassen und in welchem Arbeitsfeld sie neue Impulse bekommen, gewissermaßen "auftanken". So traf sich Lins´ Vortrag mit der Zonta-Philosophie des Entfaltens der eigenen Talente, des Sich-Einbringens in gesellschaftliche Aktivität. Christiane Tödt dankte ihr mit einem Geschenk. Im nächsten Treffen des Zonta-Clubs wird am 10. Mai Lucia Puttrich von ihrer Tätigkeit als Bundestagsabgeordnete berichten. Alle Interessierten sind eingeladen. Bild: em