„Allegría“ fegt durch die Stadtkirche
20.06.2011 - NIDDA
Programm „Windstärke 6“ mit klassischen und modernen Stücken - Bravo-Rufe und Standing-Ovations
(dör). Mit ihrem Programm „Windstärke 6“ fegten die sechs Damen des Frankfurter A-cappella-Ensembles „Allegría“ durch die Niddaer Stadtkirche und zeigten dabei die Bandbreite ihres Repertoires. Die Besucher konnten sich quasi über zwei Konzerte an einem Abend freuen.
Mit wahren Beifallsstürmen für Ariane Treffer, Julia Hofmann, Heidrun Göttsche, Algund Schorcht, Christine Bär und Anja Stroh ging nach zwei Stunden eine Veranstaltung zu Ende, die zu einem Höhepunkt der beliebten Reihe „Nidda in Concert“ gezählt werden muss.
In ihrer Begrüßung erwähnte Niddas Kantorin Daniela Brinkmann, die als Organistin einzelne Chorstücke von „Allegría“ begleitete und auch als Solistin aktiv wurde, dass die Konzerte der Saison unter dem Motto „Alle Register“ zugunsten des Orgelbauprojektes der evangelischen Kirchengemeinde stattfinden.
Im Rücken des Publikums nahmen die sechs rot gewandeten „Allegría“-Sängerinnen zunächst Aufstellung, um mit dem stimmungsvollen „Abendlied“ des Komponisten Joseph Gabriel Rheinberger das Konzert zu beginnen. Bereits hier zeichnete sich ab, dass es sich bei den Damen um sechs gestandene Solistinnen handelt, die sich zu einem Ensemble zusammengefunden haben, das durch einfühlsames Zusammenwirken besticht.
Gestandene Solistinnen
Nach einem Praeludium in G von Mendelssohn-Bartholdy, das Daniela Brinkmann brachte, ging es mit dem „Jubilate Deo“ des zeitgenössischen Komponisten Wolfram Graf weiter. Aus dem gottesdienstlichen Gebrauch stammten auch die Werke „Gloria“ (Richard Rudolf Klein), „Sanctus“ (Antonio Lotti) und das „Ave Maria“ von Siegfried Strohbach. Eine geschickte Programmzusammenstellung ermöglichte dabei den Zuhörern den reizvollen Gegensatz in der musikalischen Auffassung zeitgenössischer und barocker Komponisten zu erleben. Das Larghetto von Gustav Adolf Merkel, gespielt von Daniela Brinkmann, verschaffte dem Ensemble dann die Zeit, aus dem Altarraum der Stadtkirche auf die Orgelempore zu wechseln, wo sie mit Mendelssohn-Bartoldys „Laudate pueri“ und Franz Schuberts romantischer Psalm-Vertonung „Gott ist mein Hirte“ eine bezaubernde Stimmung in den abendlichen Kirchenraum brachten. Beide Werke begleitete Brinkmann auf der Orgel.
Das „Allelujah“ von Johannes Matthias Michel, einem 1962 geborenen Kirchenmusiker, brachte danach eine kontrastierende Klangfarbe in den Programmablauf. Durch raffiniert gesetzte Dissonanzen schafft Michel interessante Reibungspunkte, die an die „Allegría“-Sängerinnen hohe Anforderungen stellten. Das letzte Werk vor der Pause stammte von Gunther Martin Götsche, dem Ehemann des Ensemblemitglieds Heidrun Göttsche. Augenzwinkernd wurde dieses „Te Deum“ dann auch als „Lieblingsstück“ der Sängerinnen apostrophiert.
Der zweite Konzertteil begann mit einem Klassiker der Grammphon-Ära „Wochenend und Sonnenschein“, mit dem sich die Comedian Harmonists Ende der 20er Jahre unsterblich gemacht haben. „Allegría“ entpuppte sich als ebenso reizvolles Pendant zu dem historischen Herrenensemble und zeigte, in neuen Kostümen auch äußerlich den eher meditativen ersten Programmteil ablegend, großes komödiantisches Potential.