„Individuen mit Eigenantrieb werden“
15.06.2011 - NIDDA
Verabschiedung von 110 Niddaer Abiturienten - Sebahat Özer erreicht mit 1,1 besten Notendurchschnitt
(ih). 110 Gymnasiasten feierten das Ende ihrer schulischen Laufbahn und nahmen unter den Augen von Familie und Freunden ihr Abiturzeugnisse in einer festlichen Zeremonie in Empfang. Doreen Schmidt und Thomas Rohatzsch führten durch den Abend.
Nicht nur für die frisch gebackenen Abiturienten war die Feier ein bedeutendes Ereignis: Auch Schulleiter Andreas Hilge und Studienleiter Reinhard Pfnorr werden diesen Abend in besonderer Erinnerung behalten, war es doch das letzte Mal vor ihrer Pensionierung, dass sie in ihrer jeweiligen Funktion die Bühne des Bürgerhauses erklommen.
„In diesen Wochen wissen Sie so viel, wie Sie nie in Ihrem Leben wissen werden, sagen manche. Es muss nicht so sein oder so bleiben, eine kleine Steigerung wäre charmant“, richtete Oberstudiendirektor Andreas Hilge den Blick in die Zukunft. Sicher, gebildete junge Menschen bildeten Deutschlands Standortfaktor Nummer eins. Doch sein Appell richtete sich ganz individuell an die jungen Menschen. „Was wir heute brauchen, ist nicht die Bildung, die wir haben, es ist die Bildung, die wir sind“, zitierte er den Schweizer Publizisten Ludwig Hasler, „es kommt darauf an, dass Sie als Person hellwach werden, vif, neugierig, fordernd, hellhörig, blitzgescheit, widerspenstig, Individuen mit Eigenantrieb müssen Sie werden, nicht Rucksackträger. Tanzen sollen Sie, nicht schleppen.“ Wie aber gewinnen die Schülerinnen und Schüler zur Formalität des Abiturs nun auch Format? Auch hier war der Schulleiter um eine Antwort nicht verlegen. „Sie müssen Bildung emotional, ja geradezu erotisch nehmen.“ Nur einen Abschluss, nur eine gewinnbringende Position erreichen zu wollen, sei zu wenig. Das Absolvieren einer Ausbildung ohne Neigung, ohne Neugierde, ohne Leidenschaft werde niemanden zufrieden stellen. In Anbetracht des oft vorherrschenden kalten Kalküls in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik forderte er seine Schützlinge dazu auf, selber lebhaft an Beruf, in der Welt, am Leben teilzunehmen und das Leben sehr, sehr persönlich zu nehmen.
Für seine Ansprache erntete er viel Applaus - und ein kleines kulinarisch-herzhaftes Präsent ganz nach seinem Gusto. Auch beim Studienleiter Reinhard Pfnorr, der den reibungslosen Ablauf der Schulkarriere der Abiturientia gelenkt hatte, bedankten sich die Schülerinnen und Schüler mit einer Auswahl an deftigen Schmankerln.
Bürgermeister Hans-Peter Seum erinnerte sich an seine Schulzeit, in der er Reinhard Pfnorr noch höchstpersönlich erlebt hatte, und hoffte, dass die Abiturienten bei allem Optimismus für die Zukunft mit ein bisschen Wehmut an „ihr“ Gymnasium zurückdenken.
Auch Peter Becker, Vorsitzender des Schulelternbeirats, wünschte den Jugendlichen für die Ausgestaltung ihrer künftigen Laufbahn alles Gute.
19 Mal hatte es einen Notendurchschnitt mit einer Eins vor dem Komma gegeben. Als Jahrgangsbeste erhielten Sebahat Özer (1,1) Till Nigel Rathschlag (1,2), Chantal Niggenaber und Birk Fritsch (1,3) eine besondere Auszeichnung. Darüber hinaus konnte sich Philipp-Henrik Richter als bester Physik-Absolvent über eine einjährige kostenlose Mitgliedschaft bei der Deutschen Physikalischen Gesellschaft freuen.
Von ihren Tutoren nahmen die Schüler mit individuellen Dankesworten und originellen Geschenken Abschied. Eine humorvolle Rückschau auf die gemeinsam verlebte Zeit wurde in zwei Video-Filmen genommen: Während beim Deutsch-Leistungskurs Goethe und Büchner in einer „Herzblatt“-Parodie ganz auf Romanzen eingestellt waren, erinnerte der Sport-Leistungskurs an seine Abschlussfahrt nach Dublin. Ein Gesang-Auftritt rundete den Programmteil ab.