Freyvolk zu Hohenstaufen organisiert mittelalterliches „Spectaculum“ im Georgenwald - 250 Gewandete und 32 Stände
HIMBACH (asl). „Man muss schon ein bisschen verrückt sein“, sagte Harald Baier und zeigte auf das bunte Treiben um ihn herum. Der Mann ist Vorsitzender des Vereins Freyvolk zu Hohenstaufen, der bereits zum dritten Mal zum mittelalterlichen „Spectaculum“ in den Georgenwald in Himbach eingeladen hatte.
In diesem Jahr nahmen allein 250 Aktive mit 32 Ständen und 15 Lagern teil und boten Einblick in die Sitten und Gebräuche des Mittelalters.
Dazu gesellten sich während der zweitägigen Veranstaltung unzählige Besucher, Fans des Mittelalter, die in passenden Gewändern vorbei an Verkaufsständen und Zelten flanierten, Freunde trafen und einfach Spaß hatten.
Leckere „Spezereien aus der Barbarossaküche“ kitzelten mit ihrem Duft den Gaumen, und mittelalterliche Gesöffe von der Taverne „Zum Rostigen Ritter“ löschten den Durst bei sommerlichen Temperaturen. An den Ständen boten Händler ihre Waren feil. Es gab „Ledereyen“ und „Kräutereyen“, Stoffe, Geschmeide und mittelalterliches Zubehör wie Kleidung und passende Accessoires. Korbflechter und Schmiede zeigten ihr Kunst, natürlich mit entsprechendem Werkzeug. Seherinnen verhießen den Besuchern Glück, und an den Ständen wurde um jeden Silberling gefeilscht. Gäste konnten Bogen- und Armbrustschießen und Messerwerfen üben. Kinder vergnügten sich auf einem Drachenschiff.
Die Musikgruppen „Schabernax“ und „Liudon Incorruptus“ spielten zwischen den Lagerplätzen und Ständen auf und sorgten mit ihrer temperamentvollen Musik für Stimmung. Echte Höhepunkte waren außerdem die Feuershow von „Feuerplanet“ sowie - nichts für Nervenschwache und unter 18-Jährige - die Foltershow. Nicht fehlen durften dabei die Streckbank, der Hexenstuhl, berüchtigte Werkzeuge und am Ende eine Hinrichtung.
Harald Baier zeigte sich mit dem Verlauf der Veranstaltung - auch wenn ein längerer Regenschauer die Stimmung etwas trübte - wie auch mit der Besucherzahl sehr zufrieden und dankte insbesondere der Gemeinde Limeshain für die Bereitstellung des Platzes. „Bürgermeister Adolf Ludwig kommt uns immer sehr entgegen“, freute sich Baier. Den Verein in dieser Form gibt es seit drei Jahren. „Wir sind ein Familienverein mit 56 Mitgliedern, die Hälfte davon Kinder“, erzählte Baier, im Alltag Maler und Lackierer. Für das nächste Jahr habe er bereits mehr Anmeldungen als Platz vorhanden ist, sagte Baier.
Zu den ständigen Diskussionen um die Authentizität der Darstellungen sagte er, dass man sich bemüht, so nah an der Geschichte zu sein, wie möglich. Dabei sollte der Spaß nicht zu kurz kommen. Dem stimmten ihm viele Aktive wie auch die Besucher zu. Hervorgehoben wurde neben dem Spaßfaktor insbesondere auch die Herzlichkeit, die bei solchen Treffen vorherrscht. Das betonte Matthias Moll, alias Matthew Minor, der als Pirat aus dem 18. Jahrhundert nicht ganz dem mittelalterlichen Motto entsprach. Doch für ihn kam es ebenso wie für für Thomas Greindl, der Mannheimer trug ein Gewand aus der Zeit des Staufer, Friedrich II. (um 1250), auf das Entspannen vom Alltag an. „Man muss eintauchen in die Welt des Mittelalters und das umsetzen, was realisierbar ist“, sagte Greindl, den das Mittelalter-Fieber schon als Kind gepackt hatte. Bei Mittelalter-Veranstaltungen schlüpft er in die Rolle des Thies vom Keffernthal - hergeleitet vom Kiefernwald und heute als Käfertal ein Ortsteil von Mannheim, erklärte er. Auch die Runenfrau Uli Dalla-Bona aus Gießen betonte den Zusammenhalt bei den Standbesitzern untereinander. „Da ist jeder für den anderen da.“ Bei ihr konnten Besucher mit einer Rune - einem nordischen Zeichen - versehene Steine aus einem Wasserbottich angeln und sich die Zukunft deuten lassen. Und auch für Tempelritter Andi und seine Freundin Rebecca, die als Waldläuferin oder auch Kriegerin auf Mittelaltermärkten vertreten ist, ist das Miteinander am Wichtigsten. „Es ist ein Hobby für die ganze Familie“, stellte sie angesichts der vielen Kinder fest, die unbekümmert zwischen den Zelten hin- und hertollten.