Der Tag, an dem Lilly nicht mehr nach Hause kam
20.10.2010 - GLAUBERG
Von Andrea Schinzel
Für Katzenbesitzer ist das plötzliche Verschwinden des Haustieres oft ein Alptraum - Tierfänger sind nur schwer zu fassen
Für Katzenbesitzer ein Alptraum. Sie warten und warten, doch seit einigen Tagen lässt sich der Stubentiger nicht mehr zu Hause blicken. Die Ängste werden immer größer, dass der Katze etwas zugestoßen sein könnte. Erst recht, wenn das Tier nach einem beinahe festen Zeitplan im Hause ein und ausgeht. Solche Ängste stehen derzeit Nancy König und ihre Familie aus Glauberg durch.
Anfangs machten sie sich noch Hoffnung, dass Katze Lilly - kastriert und tätowiert - vielleicht in der Nachbarschaft oder doch einmal für ein oder zwei Tage in Wald und Feld unterwegs ist. Doch alles Nachfragen und Suchen an den Plätzen, wo Lilly sich oft sehen ließ, blieb erfolglos. Auch Aushänge mit Lillys Bild, verbunden mit einer hohen Belohnung, brachten keine Antworten. Bislang haben die Königs auch nicht den schlimmen Hinweis, dass Lilly womöglich überfahren wurde. Mittlerweile vermutet Nancy König, dass hinter dem spurlosen Verschwinden von Lilly, die seit dem 10. Oktober verschwunden ist, möglicherweise Katzenfänger stecken. Sie befürchtet deshalb das Allerschlimmste für ihre Katze und wagt es kaum auszusprechen. Es gibt doch immer wieder Berichte, wonach Katzen für Versuchslabore eingefangen werden oder dass ihre Felle gefragt sind“, erzählt König. Auch in Stockheim, Ulfa und Gedern vermissen Katzenbesitzer ihre Lieblinge. In Stockheim wurde am 13. Oktober - seitdem wird dort eine Katze vermisst - ein weißer Kastenwagen beobachtet, der langsam am Haus des Besitzers vorbeifuhr, erzählt Nancy König.
Aktuell gibt es aber kaum Anzeichen, dass verstärkt Tierfänger unterwegs sind. Das erklären Sylvia Wittner, die stellvertretende Vorsitzende vom Tierschutzverein Samtpfötchen aus Nidda, und Uta Eichenauer, Vorstandsmitglied vom Tierschutzverein Büdingen. Wittner berichtet aber von auffälligen Zusammenhängen in den Monaten Mai, Juni und Juli. Im Sommer wurden 60 bis 80 Katzen aus den Bereichen Nidda, Büdingen, Schotten und auch Butzbach als vermisst gemeldet. Damals wurde beobachtet, dass in dieser Zeit Kleidersammlungen vorgenommen wurden. Da werden Körbe vor die Haustüren gestellt, mit der Bitte um ausrangierte Kleidung und Schuhe. Anschließend wurden just in diesen Regionen verstärkt Katzen vermisst.
„Als in Geiß-Nidda zu der Zeit eine Sammlung war, legten wir Zettel in die Körbe“, berichtet Wittner. „Sammeln Sie ruhig die Kleidung, wir filmen Sie dabei“, stand auf den Zetteln. „Die Körbe wurden in der Folge nicht eingesammelt und es wurden auch keine Katzen vermisst“, erzählt Sylvia Wittner weiter und ergänzt, dass sie auf Nachfragen bei der Stadt erfuhr, dass diese Altkleidersammlung gar nicht angemeldet war. „Wir haben halt keine Beweise, dass in dem Zusammenhang auch Katzenfänger ihr Unwesen trieben“, sagt Wittner. Sie gibt aber den Tipp, die Augen offen zu halten. Fahren Autos, insbesondere Kastenwagen, scheinbar ziellos durch die Straßen, sollte man sich vorsichtshalber die Nummer notieren. „Vielleicht kann das für spätere Fälle nützlich sein“, so die Tierschützerin.