Relikte der Vergangenheit an Aktionstagen präsentieren
22.02.2012 - GLAUBERG
Große Pläne beim Heimat- und Geschichtsverein Glauburg in Zeiten des Umbruchs - Vielleicht entsteht einziges Lampenmuseum Deutschlands
(asl). Obstkisten stapeln sich zurzeit in den Räumen des Heimatmuseums in Glauberg. Dort hat der Heimat- und Geschichtsverein in einem Gebäudeteil der alten Schule sein Domizil. Was auf den ersten Blick nach einem großen Durcheinander aussieht, hat tatsächlich aber System.
Der Vorsitzende des Vereins, Werner Erk, erklärte auch sogleich, was es mit den Kisten auf sich hat. Dort liegen nämlich akribisch sortiert und nach einem ausgeklügelten System fein beschriftete Scherben.
Sie stammen aus einer Brandschuttgrube nahe dem Naturfreundehaus unterhalb des Glauberg-Plateaus. Mit der Archivierung dieser Relikte aus der Vergangenheit - viele davon dürften aus dem Mittelalter stammen - beschäftigen sich seit Monaten die Vereinsmitglieder. Allein das Ehepaar Grabsch hat 9500 solcher puzzleartiger Teile sorgfältig numeriert und auf die Kisten verteilt, erzählte Erk. 330 weitere Fundstücke fanden Platz in einem zylinderartigen Gefäß und sind in der Keltenwelt-Ausstellung zu sehen.
Doch nicht nur die Archäologie nimmt ein wichtiges Spektrum der Vereinsarbeit ein. Ein weiteres Standbein des 1975 gegründeten Vereins sind die Heimatgeschichte und Volkskunde. Die Pflege des Brauchtums und ländlicher Gebräuche, die Sammlung bodenständiger Gegenstände des Alltags, deren Pflege und Erhaltung wie auch Zurschaustellung schrieb sich der Verein einst in die Satzung. Zwischenzeitlich galt die Aufmerksamkeit der Mitglieder verstärkt der Geschichte der Kelten.
Und viele von ihnen engagieren sich auch weiter im neuen Keltenmuseum auf dem Glauberg unter anderem als Gästeführer. Das bedeutet aber, dass weniger Zeit für die ursprüngliche Vereinsarbeit bleibt, wie zum Beispiel den Musuemsdienst.
Doch inzwischen rücken die eigentlichen Ziele des Vereins wieder verstärkt in den Mittelpunkt. Gleichzeitig befindet sich der Heimat- und Geschichtsverein in einer Art Umbruch. Die unterschiedlichen Aufgaben müssten neu angepackt werden, sind sich Erk und seine Mitstreiter im Vorstand einig und blicken motiviert in die Zukunft.
„Die archäologische Sammlung werden wir in die fachkundigen Hände des Landesamts für Archäologie und Denkmalspflege geben“, sagte Erk. Entsprechende Verträge sorgten dafür, „dass wir an die Stücke jederzeit herankönnen, um mögliche Ausstellungen zu bestücken“.
Das sei mit Dr. Vera Rupp, stellvertretende Landesarchäologin und Leiterin der Keltenwelt, so besprochen. „Mein Herzblut hängt halt an der Archäologie“, ergänzte der Vorsitzende. Unzählige Stunden sei er, häufig gemeinsam mit Walter Gasche, über die Felder gelaufen auf der Suche nach Scherben. Und die Geschichte des Glaubergs beschäftigt ihn immer noch. „Wir werden auch künftig über die Äcker gehen“, kündigte Erk an. Die Archivierung der Scherben aus der Brandschuttgrube werde sicher auch noch fortgesetzt, wenn sich weitere Freiwillige dafür finden.
Und es gebe Überlegungen, gemeinsam mit der Leiterin des Forschungszentrums in der Keltenwelt, Ines Balzer, junge interessierte Leute zu finden, die vielleicht eine Magisterarbeit über den Glauberg schreiben wollten und die Geschichte des Burgbrunnens und der ehemaligen Burggebäude aus dem Mittelalter auf dem Glaubergplateau und der Grube zusammenführten. „Und wir haben nun die Chance, etwas Neues zu beginnen“. Heimatkundliches sollte durchaus wieder in den Mittelpunkt rücken.