„Ich hatte das Gefühl, dass ich hier willkommen bin“
03.01.2012 - GEDERN
(bg). Von den Mitarbeitern gab es Geschenke. Eine Krawatte, eine Tasse, ein Buch. „Ich wurde toll empfangen“, freute sich Gederns neuer Bürgermeister Klaus Bechtold am Montagnachmittag. Doch nicht nur deshalb hatte der Sozialdemokrat an seinem ersten Arbeitstag das Gefühl, „dass ich hier willkommen bin“. Denn: Man kennt sich. Schließlich hat der neue Verwaltungschef seinen Amtsvorgänger Stefan Betz während seiner Zeit als Erster Stadtrat zwischen 2006 und 2011 immer wieder vertreten.
Es war ein leichter Aufgalopp für das, was kommen wird. Dem 63-Jährigen war das ganz recht - „schließlich werde ich nicht nur einen Tag, sondern sechs Jahre lang Bürgermeister sein“. Auf dem Schreibtisch lagen die ersten Unterlagen. „Nichts Aufregendes.“ Und sein Wahlprogramm, das Bechtold in seine schwarze Arbeitsunterlage geklemmt hat. „So habe ich es jeden Tag im Auge“, sagte der neue Rathauschef.
Im Auge hatte er auch den Terminkalender. Im Januar sind bereits 40 Termine fix. Darunter jede Menge Neujahrsempfänge, von der Gederner CDU, der Stadt Ortenberg, vom Wetteraukreis, und, und, und... „Bürgermeister zu sein, ist eben kein Schreibtischjob. Man ist viel auf Achse“, meinte Bechtold und blätterte durch den Stapel von Einladungen.
Heute steht ein Gespräch mit seinem Stellvertreter an, dem Ersten Stadtrat Herbert Weber (FWG), am Abend dann die erste Magistratssitzung. Weber wird Bechtold bei der Übergabe auf den neusten Stand bringen. „Außerdem möchte ich mit ihm darüber sprechen, wie ich mir die gemeinsame Zeit vorstelle“, sagte er. „Ich will ein positives Verhältnis zu meinem Stellvertreter.“
Gleiches gilt auch für die Parteien („Wir sollten die im Wahlkampf aufgerissen Gräben wieder zuschütten“) und den Magistrat („Wir sollten schauen, dass wir mit einer Stimme sprechen“). Die Voraussetzungen dafür seien gut. Die Vorsitzenden der Parteien möchte er demnächst zu einem Gespräch einladen. Auch die Zusammenarbeit mit den Ortsbeiräten ist dem neuen Mann an der Spitze der Gederner Verwaltung wichtig.
Und dann stehen ja auch schon bald die ersten Entscheidungen an. Die Sanierung des Parkdecks und die neue Gesellschaftsform für den Campingpark am Gederner See nannte Bechtold als Stichworte. Und natürlich die Umsetzung des Wahlprogramms. „Das ist keine Utopie.“ Qua Amt ist Bechtold ab sofort Vorsteher des Feldwegeverbands. „Das ist Neuland für mich, da muss ich mich erst mal reinknien“, meinte der Bürgermeister. Die Satzung hatte er vorsorglich schon mal rausgeholt.
Bechtold sieht sich als „Teamworker“, baut auf die Unterstützung der Mandatsträger und der Verwaltung. „Ich möchte in kleinen Schritten auf das zugehen, was ich mir vorgenommen habe“, kündigte der Sozialdemokrat an.
Dass der „Gederner für Gedern“, so lautete der Slogan im vergangenen Wahlkampf, dabei eine besondere Motivation hat, verhehlt er nicht. „Schließlich will ich mich nach sechs Jahren nicht verstecken müssen.“ Sein Großvater, erzählte er, war lange Jahre Bürgermeister in Ober-Seemen. „Vor Kurzem hat mir jemand gesagt, dass ich nach meiner Amtszeit ein genauso hohes Ansehen haben muss wie er.“