23. Februar 2012 04:35 Uhr
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Friedberg 

Schüler erkunden dunkelstes Kapitel deutscher Geschichte

24.02.2010 - FRIEDBERG

Exkursion nach Auschwitz - Gespräch mit Zeitzeugen

(pd). Der Grundkurs Katholische Religion des Beruflichen Gymnasiums der Johann-Philipp-Reis-Schule (JPRS) in Friedberg kehrte jetzt von einem einwöchigen Besuch in Auschwitz zurück. 21 Schüler, betreut von ihren Lehrern Otto Lomb und Adrian Nestoriuc sowie von Uli Ludwikowski, machten sich auf den Weg, um das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte zu erkunden.

Im Mittelpunkt des ersten Tages stand die Besichtigung des Stammlagers Auschwitz. Die Teilnehmer wurden mit der Geschichte, dem Aufbau und dem Zweck des Konzentrationslagers vertraut gemacht. Block 11 mit der im Hof befindlichen Erschießungswand, den Stehzellen und der Todeszelle von Pater Maximilian Kolbe und das Krematorium I riefen betroffenes Schweigen hervor.

Am Nachmittag schloss sich ein Gang durch die Stadt Oswiecim an. Den Tag beschloss eine gemeinsame Reflexion, so dass die Schüler die Gelegenheit hatten, über das Erfahrene zu sprechen, um es besser verarbeiten zu können. Der Film "Die Grauzone" bereitete auf den Besuch von Birkenau vor, ein Lager, das für 100 000 Häftlinge konzipiert war. Nachdenklich gingen die Schüler den Weg derer, die in den Tod geführt wurden. Die Besichtigung der Ruinen von fünf Gaskammern, wobei in den beiden größten jeweils 1500 Menschen auf einmal ermordet werden konnten, vermittelte den Schrecken des Holocausts.

Dann fuhr die Gruppe nach Krakau, um unter anderem das dortige jüdische Viertel zu besichtigen. Auf dem Programm standen auch der Besuch des ehemaligen Krakauer Ghettos, des Deportationsplatzes und der Fabrik Oskar Schindlers. Der Besuch einer Synagoge und des angrenzenden jüdischen Friedhofes vermittelte ebenso wie ein jüdisches Abendessen bei Klezmermusik einen Einblick in die jüdische Kultur.

Einhellig empfanden die Schüler der JPRS das Gespräch mit dem ehemaligen Auschwitz-Häftling Tadeusz Sobolewicz, mit dem man ein zweistündiges Gespräch in Krakau führte, als intensivste Begegnung der ganzen Fahrt. Der heute 86-jährige ehemalige polnische Widerstandskämpfer vermittelte anschaulich, wie tief einerseits die Abgründe des Menschen reichen, aber auch andererseits immer wieder Gesten der Menschlichkeit erlebt werden konnten.

Ein weiterer Tag stand im Zeichen der Begegnung mit einer polnischen Schülergruppe aus Czerwionka. In einem Workshop diskutierten die Schüler über den Einfluss des Holocausts auf das Verhältnis zwischen den beiden Völkern und über die Frage, wie man in der Zukunft im vereinten Europa Rassismus und Antisemitismus verhindern könne. Höhepunkt dieser deutsch-polnischen Veranstaltung war der gemeinsame Gang durch das Stammlager mit einer Totenehrung und einem gemeinsamen Gebet an der Erschießungsmauer im Hof von Block 11.

Dann besuchten die Schüler der JPRS erneut das Lager Birkenau, um sich vor allem am Krematorium II das Grauen der Vergasung zu vergegenwärtigen. Es wurde ein Zeugenbericht vorgetragen, der das Unfassbare des Geschehenen veranschaulichte. Das deutsch-polnische Jugendwerk DPJW, die hessische Landeszentrale für politische Bildung und der Wetteraukreis unterstützten diese Fahrt finanziell.

Die Schüler der JPRS schauten sich die Latrinenbaracke in Auschwitz-Birkenau an. Bild: pdVergrößern

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