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Friedberg 

Blockade: NPD kann nicht durch Kaiserstraße ziehen

09.11.2009 - FRIEDBERG

(wk). "Es ist gelungen, Unfrieden aus Friedberg herauszuhalten." Diese Bilanz zog der Wetterauer Polizeidirektor Alexander König am Ende des Demonstrationseinsatzes am Samstag in der Kreisstadt. Die Polizei habe weder schwerere Körperverletzungen noch größere Sachbeschädigungen aufnehmen müssen. Der Gegenprotest zur NPD-Demo sei weitgehend friedlich verlaufen. Allerdings müssen einige der Demonstranten, die in der Kaiserstraße an einer Blockade beteiligt waren, demnächst mit Post von der Staatsanwaltschaft rechnen. Ihnen wird man vorwerfen, sich der Nötigung und des Widerstands gegen Polizeibeamte schuldig gemacht zu haben.

Aber auch mit anderen Personen wird sich die Strafverfolgungsbehörde noch beschäftigen. Der Sprecher der Polizei, Willi Schwarz, teilte mit: "Während des NPD-Aufzugs verursachten kleine Gruppen von Gegendemonstranten vereinzelte Störungen. Polizeibeamte wurden mit Flaschen und Steinen beworfen. Es gab keine Verletzten." Insgesamt stellte die Polizei 300 Personalien fest, dazu kamen neun vorläufige Festnahmen. Zwei Teilnehmer der NPD-Demo und sieben Gegendemonstranten wurden unter anderem wegen Verstößen gegen das Vermummungsverbot festgenommen. Die Polizei stellte zudem mit Nieten beschlagene Handschuhe und Gürtel sicher. Einem der Festgenommenen aus dem NPD-Lager wird Volksverhetzung vorgeworfen, er hatte entsprechende Parolen skandiert.

Polizei setzt Pfefferspray ein

Gegen Ende der NPD-Demo am Friedberger Bahnhof musste die Polizei dann Pfefferspray einsetzen, als sie einen vermummten Gegenprotestler vorläufig festnehmen wollte. Andere aus der Gruppe versuchten, den 18-Jährigen aus dem Lahn-Dill-Kreis von der Polizei wegzuzerren. Die Beamten nahmen zudem einen 19-Jährigen fest, der versuchte, den 18-Jährigen zu befreien. Dabei bekam auch eine junge Frau Pfefferspray ab. Sie wurde anschließend ärztlich behandelt. Auch gegen sie wird ermittelt. Warum ein vermutlich Unbeteiligter am Absperrgitter eine Platzwunde am Kopf erlitt, ist bislang unklar. Die Ermittlungen dazu dauern an.

Etwa 2000 Menschen versammelten sich ab 9 Uhr in und vor der evangelischen Stadtkirche in Friedberg, um gegen die ab 11 Uhr geplante Demonstration der NPD durch die Innenstadt zu protestieren. Dekan Jörg Schlösser, Friedbergs Bürgermeister Michael Keller und weitere Redner brachten ihren Widerstand gegen die geplante Veranstaltung zum Ausdruck.

Alle Gegner der NPD-Veranstaltung, unter ihnen auch zahlreiche Vertreter des Niddaer Bündnisses für Demokratie mit dem Ersten Stadtrat Reimund Becker an der Spitze, betonten dabei: Ignorieren, Wegsehen oder Totschweigen sind keine Alternativen. Im Anschluss an den Gottesdienst fand ein "Ge(h)-Denkspaziergang" zu verschiedenen Orten mit meist jüdischem Bezug durch die Innenstadt statt.

Kritik an Polizeieinsatz

Etwa 700 bis 800 Menschen nahmen nach Angaben des Wetterauer Bündnisses gegen Rechtsextremismus an diesem Spaziergang teil, ein weiterer Teil blockierte unmittelbar vor der Burg den Zugang zur Kaiserstraße. Einige Meter hinter der ersten Blockade versammelten sich zwischen 400 und 800 Menschen zu einer zweiten Blockade der Straße.

Gegendemonstranten blockierten am Samstag die Kaiserstraße. Der Polizei gelang es auch nach mehreren Stunden nicht, die Strecke zu räumen. Die Rechtsradikalen mussten auf eine andere Route ausweichen. Bild: KunertVergrößern

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