Geballter Bürgerwille verhindert friedlich genehmigten Aufmarsch der NPD in Friedberg - Keine Ausschreitungen
FRIEDBERG (am). Mit einem Pfeifkonzert und lautstarken Protestrufen wurden am Samstagvormittag 180 Funktionäre, Mitglieder und Sympathisanten der NPD von 1500 Demonstranten am Friedberger Bahnhof empfangen. Weit kam der Zug, der unter dem Motto "Gegen Islamisierung und Überfremdung" stand, jedoch nicht: Nach 100 Metern stand der geballte Bürgerwille im Weg. Das weitsichtige und besonnene Handeln der Polizei verhinderte Zusammenstöße und Ausschreitungen. Andererseits erreichten die Gegner der NDP-Demo mit ihrer Entschlossenheit ihr Ziel: mit friedlichen Mitteln die genehmigte Demonstration zu verhindern. So sprach auch Bürgermeister Michael Keller im Anschluss von einem Erfolg.
Beinahe den Hauch eines Festivals hatte die Hauptkundgebung der Demonstrationsgegner in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs. Musik, Ansprachen, Menschen unterschiedlicher Hautfarben, verschiedener Parteien, konservativ neben alternativ. Den Eindruck störten allerdings der über Friedberg kreisende Hubschrauber und das massive Polizeiaufgebot am Boden. Mehrere Hundertschaften aus Hessen und Rheinland-Pfalz waren rund um den Bahnhof und an mehreren neuralgischen Stellen der Stadt präsent, dazu gab es an verschiedenen Einfallstraßen Kontrollen.
"Wir stehen hier zur Verteidigung des Grundrechts", rief Keller den Menschen zu. "Wenn die Kirche sagt, Faschismus sei keine Meinung, sondern ein Verbrechen, trifft das den Kern." Die Geschichte zeige, "erst sind die einen dran, dann die anderen. In diesem Fall sollen es eben die Muslime sein". Dies sei gefährlich, dagegen müsse man antreten. "Eine Republik muss sich wehren." Man habe nicht vor, die deutsche Gesellschaft zu islamisieren, bekundete ein Vertreter der deutsch-islamischen Gesellschaft: "In Deutschland gibt es Religionsfreiheit - und so soll es belieben." Diethardt Stamm vom Freundeskreis Auschwitz rief aus: "Wir demonstrieren heute für eine bunte Wetterau."
Gegen 10.30 Uhr erreichten die ersten NDP-Demonstranten (darunter ihr Vorsitzender Udo Voigt) den Friedberger Bahnhof, räumlich und durch Polizisten getrennt von den Gegendemonstranten. Eine lange Zeit in Anspruch nahm die Durchsuchung der in der Hauptsache aus Richtung Gießen Angereisten. Als sich der Zug dann Richtung Eisenbahnunterführung in Bewegung setzte, kam er sehr bald zum Halten, da 500 Menschen die Ecke Hanauer Straße/Karlsbader Straße dicht gestellt besetzt hielten. Sie kamen auch der mehrmaligen Aufforderung der Polizei nach Räumung der Straße nicht nach. In der brütenden Mittagshitze ausharrend, lehnten die Vertreter der NPD schließlich die von der Polizei unterbreiteten Vorschläge nach einer Ausweichroute zweimal ab. Da klar war, dass die Polizei aufgrund der Verhältnismäßigkeit die Blockade nicht würde aufheben können, drehten die Demonstranten schließlich ab, um gegen 14 Uhr den Zug nach Nidda zu nehmen.
Nach Auskunft der Polizei erlitt ein Polizist eine Schnittverletzung durch den Wurf einer Trillerpfeife. Außerdem wurden mehrere Flaschenwürfe registriert, es kam zu einigen vorübergehenden Festnahmen wegen des Mitführens von gefährlichen Gegenständen; in einem Fall wurde ein Mann beim Einsammeln von Straßensteinen festgenommen.