Behindertenhilfe Wetterau wird Immobilie künftig für Betreutes Wohnen nutzen
(lu). Das "Schneckenhaus" in Staden gibt es in seiner bisherigen Form nicht mehr: Die Initiatoren des Patientenprojekts haben die Immobilie, die als Beratungs-, Informations- und Wohnstätte diente, an die Behindertenhilfe Wetterau verkauft. Hintergrund: Die Galionsfiguren der Parkinson-Selbsthilfe "Schneckenhaus", Heide Cuntz und Hermann Terweiden, können nach 15 Jahren die vielfältigen Selbsthilfeaktivitäten, die Beschaffung von Finanzmitteln und Aufgaben der Hausverwaltung aus Krankheitsgründen nicht mehr im bisherigen Umfang leisten.
Die Suche nach dauerhaften Mitstreitern oder Nachfolgern blieb erfolglos. Deshalb wurde während einer Vorstandssitzung und der anschließenden Mitgliederversammlung im Dezember einstimmig beschlossen, das "Schneckenhaus" an die Behindertenhilfe zu verkaufen.
Die möchte das behindertengerecht ausgestattete Anwesen in Staden für Betreutes Wohnen von Menschen mit Behinderung nutzen. Außerdem wurde beschlossen, den "Schneckenhaus"-Verein nach Abwicklung aller Verkaufsmodalitäten bis spätestens Ende September aufzulösen. Wichtige Vereinsaktivitäten sollen zukünftig unter dem Dach der Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung weitergeführt werden, die auf alle Fälle erhalten bleiben soll. "Ihre Satzung wird entsprechend erweitert", versprach Hermann Terweiden. Überschüsse durch den Verkauf des "Schneckenhauses", weitere Vermögenswerte des Vereins, Mitgliedsbeiträge und Spenden kommen nach Abschluss aller Formalitäten satzungsgemäß der Hilde-Ulrichs-Stiftung zu Gute. Die Stiftung zur Förderung der Parkinsonforschung hatte Terweiden zu Ehren der 1997 verstorbenen Hilde Ulrichs ins Leben gerufen. Drei Jahre zuvor hatten Ulrichs und Terweiden das alte Anwesen im Entenfang in Staden gekauft, den "Schneckenhaus"-Verein gegründet und mit ersten Selbsthilfeaktivitäten begonnen.
Das mit privater und breiter öffentlicher Unterstützung sowie viel persönlichem Einsatz von Terweiden und Cuntz geschaffene "Schneckenhaus" kann trotz des Verkaufs Vereins- und Stiftungssitz bleiben. Die Behindertenhilfe ermöglicht den beiden "Schneckenhäuslern" weiterhin die Nutzung einer Mietwohnung samt Büro sowie des Multifunktionsraums für Selbsthilfezwecke.
"Mit Zuspruch und Hilfe vieler Menschen konnte von den Initiatoren so manche glänzende Spur für Parkinsonkranke und deren Angehörige gezogen werden. Wie sich aber endgültig gezeigt hat, sind wir Schneckenhäusler aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage, eine neue Wohngemeinschaft zu organisieren, die ständige Beschaffung von Geldmitteln für das Patientenprojekt, die Organisation von Selbsthilfeaktivitäten vor Ort, die Teilnahme an Aktionen im Land sowie Arbeiten, die das Haus betreffen, in vollem Umfang zu gewährleisten", teilten Cuntz und Terweiden schweren Herzens mit. Bereits Mitte des vergangenen Jahres hatten sich die Anzeichen verdichtet. Gemeinsam mit dem ehrenamtlich beratenden Wolfgang Leschhorn vom Verein "Die Wirtschaftspaten e.V." sowie dem Paritätischen Wohlfahrtsverband begab man sich auf die Suche nach einem Käufer für die behindertengerecht ausgestattete Sozialimmobilie. Da das "Schneckenhaus" auch mit öffentlichen Zuschüssen, Bankdarlehen und Spenden finanziert wurde, kam nur eine gemeinnützige Organisation als Käufer in Frage. "Zusätzlich zu dem Wechselbad der Gefühle für uns gehandicapten Hausverkäufer fanden viele belastende Vorgespräche, Hausbegehungen und Schriftwechsel statt. Deshalb war die Erleichterung groß, in der Behindertenhilfe einen Käufer aus der Wetterau gefunden zu haben, der einen angemessenen Preis für Grundstück, Gebäude und Inventar zahlen und zudem alle Vereinsverpflichtungen gegenüber öffentlichen und privaten Geldgebern übernehmen kann", beschrieben Cuntz und Terweiden ihre Gefühlslage.
Dem Geschäftsführer der Behindertenhilfe, Reinhold Medebach, war auch daran gelegen, dass die an Mobus Parkinson erkrankten Initiatoren weiter in ihrem Zuhause wohnen können und das "Schneckenhaus" Anlaufstelle für Rat suchende Parkinsonkranke und Angehörige bleibt. Im Kaufvertrag ist festgelegt, dass für Cuntz und Terweiden unbefristet eine Wohnung zur Verfügung steht.
Auf die "Schneckenhäusler" warten nun weitere Abwicklungsarbeiten und größere Räumaktionen mit Renovierung. "Wir sind traurig, aber auch erleichtert über diese Lösung, wollen aber mit Zuversicht das neue Jahr 2010 angehen", bringt es Cuntz auf den Punkt.