Fleeschter Platt soll nicht in Vergessenheit geraten
31.03.2010 - FLORSTADT
(pmn). Acht Jahre lang haben die Mitglieder der Florstädter Mundartarbeitsgruppe alles rund ums Fleeschter Platt zusammengetragen und zu einem Mundartwörterbuch zusammengefasst, das jetzt im Bürgerhaus Nieder-Florstadt vorgestellt wurde. 400 Florstädter interessierten sich für das Werk, dem auch eine CD beiliegt und das dabei helfen soll, dass der Florstädter Dialekt nicht in Vergessenheit gerät. Das Mundartwörterbuch enthält aber nicht nur zahlreiche Begriffe aus allen Stadtteilen, sondern auch Anekdoten und Geschichten, Zeichnungen und historische Fotos.
Begleitet von Rudolf Setulla auf dem Akkordeon eröffnete der Mundartchor (Helmut Stelz, Heinrich Steuernagel, Wilhelm Wolf, Elfriede Rösch, Gisela Seitz, Elisabeth Stelz und Edith Loh) mit "Ei gurre ihr Fleeschter, gegrüßt seid ihr all" die dreistündige Veranstaltung. Bürgermeister Herbert Unger blickte in seiner Ansprache auf die Entstehung des Buches zurück. Am Anfang stand 2002 der Erzählkaffee im Saal Lux, eine Idee des Journalisten und Germanisten Jürgen Wagner, der 2003 unter dem Titel "Wetterauisch geschwätzt" fortgeführt wurde und dann wegen des großen Zuspruches als "Mundartfrühschoppen" in das Bürgerhaus verlegt wurde. Als Geburtsstunde des Wörterbuchs machte Unger eine Veranstaltung mit dem Sprachwissenschaftler Professor Dr. Dingeldein von der Uni Marburg 2005 aus.
Die Mundartarbeitsgruppe habe anschließend mit ihrer Sprecherin Erika Werner eine große Eigendynamik entwickelt, die bis zum heutigen Tag anhalte. Abschließend dankte Unger allen Mitgliedern der Mundartarbeitsgruppe für ihr Engagement, Jürgen Eiser für die Illustrationen, Kurt Schuldt und dem Arbeitskreis Dorfgeschichte für die Fotos und die Ausstellung im Foyer des Bürgerhauses sowie Erwin Schmidt und dessen Firma "Studio Schmidt" für das Layout, die künstlerische Betreuung sowie dessen persönliches Engagement.
Jürgen Wagner moderierte anschließend einen unterhaltsamen und amüsanten Nachmittag, bei dem die Akteure auch auf Hochdeutsch, aber überwiegend auf Fleeschter Platt Anekdoten, Gedichte und Geschichten zum Besten gaben. So berichtete Erika Werner vom Ziegenhüten im Herbst. Nach einer Erzählung von Reinhold Wirth beschrieb Helmut Stelz einen ganz besonderen Ölwechsel. Der Chor des Vereins zur Erhaltung der mittelhessischen Mundart und Kultur (VEMuK) begeisterte mit dem Hessenlied, anschließend erinnerte sich Edith Loh an ihre Schulzeit. Vom Strohsack im Bett der Oma berichtete Elfriede Rösch, und Erika Werner erinnerte sich an ein blaues Buch, aus dem ihre Mutter vorgelesen hat.
Nach einer Pause mit Kaffee und Kuchen gereicht eröffneten Margit Kwiatkowski und Elfriede Rösch mit einem Sketch den zweiten Teil. Auf Platt tauschten Mutter und Tochter per Telefon Informationen und Nachrichten aus und strapazierten damit die Lachmuskeln der Zuhörer. Nach einem Vortrag von Ewald Heutzenröder berichtete Heinrich Steuernagel über Sitten und Gebräuche vergangener Zeiten. Von "de braune Schubloure" im Tante-Emma-Laden "un wej schi es do wour", träumte Edith Loh, während sich Gisela Seitz an "de goure aale Keecheherd" erinnerte und Helmut Stelz etwas vom Brandherd zu berichten wusste.
Wilhelm Wolf testete abschließend Jürgen Wagners Fleeschter Wortschatz. Er musste die Begriffe "Mahulle" (Ruin), "alma" (kann nicht genug bekommen) oder "Gestehinnermich" (Frack) übersetzen. Dann startete endlich der Buchverkauf im Foyer, schnell hatten sich am Verkaufsstand lange Schlangen gebildet. Ab sofort ist das Mundartwörterbuch für 15 Euro in der Stadtverwaltung erhältlich.